Streit um öffentliche Toiletten

Wildpinkler in Hamburg: Hansestadt hat nicht genug stille Örtchen

  • Mara Schumacher
    VonMara Schumacher
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In der Hansestadt Hamburg gibt es offenbar zu wenig öffentliche Toiletten. Die Folge: Wildpinkelei, wo immer die Blase gerade drückt.

Hamburg – In den Hamburger Grün- und Parkanlagen gibt es nach Ansicht der CDU-Bürgerschaftsfraktion zu wenig öffentliche Toiletten. Geöffnet sind zurzeit 41 Anlagen der Stadtreinigung, wie der Senat auf eine Kleine Anfrage der CDU-Abgeordneten André Trepoll und Sandro Kappe mitteilte.

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„Hamburg verfügt über ein dichtes und verlässliches Netz an öffentlichen, sauberen und hygienischen Toiletten“, erklärte der Senat weiter. Die Einrichtungen seien überwiegend auch während der Pandemie geöffnet – einzig die vermieteten Kiosk-WC-Anlagen seien wegen der Schließung der Gastronomie zeitweise nicht nutzbar gewesen. Doch wie gefährlich sind öffentliche Toiletten während der Corona-Pandemie?

Öffentliche Toiletten in Hamburg: Nur 40 Anlagen in einer Millionenstadt

Etwas mehr als 40 Toilettenanlagen könnten wohl kaum als dichtes Angebot für eine Millionenstadt wie Hamburg bezeichnet werden, kritisierte Trepoll. Die von vielen Bürgern beklagte Wildpinkelei in Hotspots wie dem Schanzenviertel oder St. Pauli, wo bis vor Kurzem Alkoholverbot herrschte, in vielen Parks und Grünanlagen, auf öffentlichen Plätzen und rund um die Bahnhöfe seien dafür ein eindeutiges Zeichen. Vor allem das Partyvolk verwüstet das Schanzenviertel immer wieder mit Urin, Kot und Erbrochenem.

Anwohner der Rosenhofstraße im Hamburger Schanzenviertel haben an einer Hausfront ein Protestbanner gegen Wildpinkler aufgehängt. Mit der Initative wenden sich die Bewohner gegen das Benehmen einiger Besucher des Amüsierviertels.

„Wildpinkeln“ in der Hansestadt: Vielen Hamburgern stinkt es

„Vielen Hamburgern stinkt es, und daher besteht auch überhaupt kein Grund für Selbstlob des Senats“, erklärte der CDU-Fraktionssprecher für Verfassung und Bezirke. Hamburg brauche deutlich mehr stille Örtchen.

Die Hamburger Stadtreinigung betreibt nach eigenen Angaben 133 Toiletten in der gesamten Stadt. Darunter seien Anlagen auf dem Kiez von St. Pauli, eine genderneutrale Toilette im Schanzenviertel und auch eine verpachtete Einrichtung in der „Strandperle“ an der Elbe, sagte ein Sprecher. Im Schanzenviertel gab zuletzt es immer wieder illegale Corona-Partys.

Öffentliche Toiletten in Hamburg: Bußgeld von 100 Euro fürs Windpinkeln

Zähle man die Toiletten auf Bahnhöfen und von anderen öffentlichen Anbietern hinzu, seien es insgesamt rund 200. Wer lieber in die Büsche geht, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Eine Verwarnung kostet nach früheren Senatsangaben 35 Euro, das Bußgeld beträgt 100 Euro. In Hamburg-Altona hat ein betrunkener Wildpinkler derweil Polizisten angegriffen.

Bereits vor gut einem Jahr hatte die CDU in einem Antrag gefordert, die öffentlichen Toiletten auch während der Pandemie offenzuhalten. SPD und Grüne hatten den Vorstoß abgelehnt.

Öffentliche Toiletten in Hamburg: Viele der Anlagen nur zu bestimmten Tageszeiten geöffnet

Die Not von Hamburger Parkbesuchern kann übrigens deutlich größer sein, als die Senatsantwort nahelegt: Nach Angaben der Stadtreinigung sind viele der 41 aufgezählten Anlagen nur zu bestimmten Tageszeiten geöffnet. Und eine der 41 Toiletten ist besonders schwer zu erreichen: Sie liegt auf der Insel Neuwerk im Wattenmeer. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken

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