Debatte um Lockerungen

Corona: Wie gut bin ich nach der ersten Impfung geschützt?

  • Leonie Zimmermann
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Debatte um Corona-Impfungen: Wer die zweite Impfstoff-Dosis bereits erhalten hat, der bekommt Freiheiten im Lockdown. Wäre das auch für Erstgeimpfte möglich?

Hamburg – Deutschland erlebt den Impf-Hype: 37 Prozent der Deutschen haben bereits ihre Erstimpfung gegen das Coronavirus* erhalten, die Impfbereitschaft ist auf einem Höchststand. Und wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht, dann darf ab dem 7. Juni 2021 jeder Impfwillige einen Termin für die Corona-Spritze machen. Mit dem Ende der Priorisierung* könnten die Impfraten im Sommer ordentlich nach oben schießen. Aber kehren mit steigenden Erstimpfungen auch unsere Freiheiten zurück – oder müssen wir warten, bis jeder seine zweite Dosis Impfstoff bekommen hat? 

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Streit über Freiheiten im Lockdown: Erste Lockerungen bereits nach Corona-Erstimpfung?

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dazu eine klare Meinung: „Wer mit Astrazeneca geimpft wird, sollte schon drei Wochen nach der ersten Dosis mehr Freiheiten bekommen“, sagte der CDU-Politiker der „Berliner Morgenpost“. Der Schutz durch den Vektor-Impfstoff sei bereits nach der ersten Dosis ausreichend. 

Viele Deutsche schwänzen die zweite Corona-Impfung.

Ganz anders sieht das der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Er warnt im „Tagesspiegel“ geradezu vor Lockerungen für Erstgeimpfte: „Dies ist medizinisch nicht haltbar und auch nicht sinnvoll.“

Wie gut schützt die Erstimpfung mit Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus? Das sagen Experten

Aber wie gut schützt die erste Corona-Impfung vor einer Infektion? Generell gilt, dass der Impfstoff in keinem Fall direkt nach dem Pieks wirkt. Das liegt daran, dass die Vakzine den Aufbau von Antikörpern im Körper erst anregen müssen. Das dauert nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) einige Tage bis Wochen.

Und trotzdem gibt es gute Nachrichten für Erstgeimpfte: So zeigen aktuelle Daten der US-Arzneimittelbehörde FDA, dass der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits nach der ersten Dosis vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen kann. Das trifft laut einer Mitteilung der Behörde selbst auf ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen zu. Eine Studie aus Israel weist darauf hin, dass bereits zwei bis vier Wochen nach der ersten Impfung ein Schutz von 85 Prozent möglich ist. Klinische Studien bestätigen dem Impfstoff insgesamt eine Wirksamkeit von etwa 95 Prozent ab dem siebten Tag nach der zweiten Impfung.

Erstimpfung mit Astrazeneca – wie sicher bin ich vor einer Corona-Infektion?

Ähnlich wie Biontech ist auch Moderna ein mRNA-Impfstoff. Laut klinischen Studien schützt Moderna ab dem 14. Tag nach der zweiten Spritze zu 90 Prozent vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Nach Angaben des Pharmakonzerns besteht nach der ersten Impfung ein leichter Schutz vor einer Infektion – wie hoch dieser ist, dazu gibt es keine belastbaren Zahlen. 

Der Vektor-Impfstoff von Astrazeneca verspricht einen Impfschutz von 80 Prozent ab der zweiten Woche nach der zweiten Impfdosis. In einer Studie der Universität Oxford in Kooperation mit der britischen Statistikbehörde ONS und dem Gesundheitsministerium gab es hoffnungsvolle Erkenntnisse für Erstgeimpfte: Drei Wochen nach der ersten Impfung sank das Risiko einer Corona-Infektion bereits um etwa zwei Drittel. Das trifft laut den Forschern aber nicht alleine auf Astrazeneca zu, sondern betrifft auch Biontech und Moderna*. 

Impfung in Hamburg: 2000 Menschen schwänzen Impftermin alleine in der Hansestadt

Eine kleine Einschränkung gibt es aber: Nach der ersten Impfung kann das Coronavirus noch übertragen werden. Die Probanden hatten zwar selbst weniger Symptome, haben das Virus aber trotz Impfung an andere weitergegeben. Das Fazit des beteiligten Wissenschaftlers Koen Pouwels: „Es ist sehr wichtig, die zweite Dosis zu bekommen.“

Das sehen nicht alle so. Impf-Schwänzen ist längst kein amerikanisches Phänomen mehr. Alleine in der Hansestadt Hamburg haben am vergangenen Wochenende rund 2000 Menschen ihren zweiten Impftermin im Impfzentrum einfach sausen lassen.

Warum Genesene nur eine Impfstoff-Dosis gegen Corona brauchen

Aber braucht wirklich jeder zwei Impfdosen gegen das Coronavirus? Nicht unbedingt – es gibt zwei Ausnahmen: Menschen, die sich mit Johnson&Johnson impfen lassen. Dieser entfaltet bereits nach der ersten Spritze die volle Wirksamkeit. 

Und Genesene? Diese sollten sich nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission frühestens sechs Monate nach ihrer Coronavirus-Erkrankung einmalig impfen lassen. „Aufgrund der bestehenden Immunität nach der Infektion kommt es durch die einmalige Impfung zu einer sehr guten Immunantwort“, heißt es dazu vom RKI.

Wird die zweite Corona-Impfung unsere letzte sein?

Aber auch wenn die Erstimpfung einen gewissen Schutz vor einer Corona-Infektion bietet, bleibt die zweite Dosis des Impfstoffes für die meisten Deutschen notwendig, um einen sicheren Schutz vor einer Covid-19-Infektion sicherzustellen. Experten gehen zudem davon aus, dass die Impfung nochmal aufgefrischt werden muss. „Grundsätzlich müssen wir uns darauf einstellen, dass möglicherweise im nächsten Jahr alle ihren Impfschutz auffrischen müssen*“, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, der Funke Mediengruppe.

Wie es mit den Corona-Impfungen in Deutschland weitergehen soll, darüber entscheiden Bundesregierung und Ministerpräsidenten beim nächsten Impfgipfel am 27. Mai 2021. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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