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„Wer im Stau steht, ist selber schuld“ – verkauft der Senat Autofahrer für dumm?

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Von: Jan Knötzsch

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Hamburg ist eine Stauhochburg. Dank des Baustellen-Chaos. Und: Das wird auf Jahre so bleiben. Äußerungen des Senats klingen dabei wie purer Hohn gegenüber Autofahrern.

Hamburg – Die Stadt ist groß. Ziemlich groß sogar, wenn man‘s genau nimmt. 755,2 Quadratmeter an Fläche hat Hamburg. Für manch einen schon unendliche Weiten. Sie wissen schon, liebe Leser, so wie die unendlichen Weiten im Universum, die im Vorspann des „Raumschiff Enterprise“ immer wieder erwähnt werden. Nur, dass man sich, anders als in der TV-Serie, in der Realität der Hansestadt Hamburg nicht von A nach B beamen kann. Fortbewegung in Hamburg – das geht nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Oder mit dem Auto.

Und in beiden Fällen braucht es Geduld. Mal kommen Bus und Bahn nicht, mal sind sie überfüllt. Von all den Staus und Bauarbeiten, die den Verkehr behindern, ganz zu schweigen. Und der Hamburger Senat? Der verhöhnt seine Autofahrer.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,841 Millionen
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Verkehr in Hamburg: Senator Anjes Tjarks zeichnet Horrorszenaro – so lange bleibt das Baustellen-Chaos noch

Gerade erst hat Anjes Tjark von den Grünen erklärt, dass Hamburg auf Jahrzehnte hinaus eine Dauerbaustelle bleiben wird. 700 Baustellen in der Stadt von Hamburger SV, Miniatur-Wunderland und Elbphilharmonie verursachen täglich Verkehrschaos. Eine aufgerissene Straße reiht sich an die nächste. Sie sind verengt. Oder gleich komplett abgesperrt. Überall nur Bagger und Baufahrzeuge. Und es wird nicht besser!

Der Verkehrssenator schockt mit der Aussage, dass das Hamburger Baustellen-Chaos noch bis 2030 so bleibt. Schaut man sich die aktuellen Baustellen in der Stadt an, kann man sich den Worten des Senators nicht verschließen. Und der weiß schließlich auch, was danach noch alles kommt.

Auf der linken Seite des Bildes sind ein Baufahrzeug und Baustelleschilder zu sehen. Im rechten Bildteil ein Autofahrer, der wütend schreit.
Stressfaktor Stau: Hamburgs Autofahrerinnen und Autofahrer sind genervt, der Senat ist sich keiner Schuld bewusst – und verhöhnt die Verkehrsteilnehmer. (24hamburg.de-Montage) © agefotostock/imago & Hanno Bode/imago

Aktuell ist damit begonnen worden, die Cremontbrücke abzureißen, wodurch die Willy-Brandt-Straße voll gesperrt ist. Stau-Chaos mitten in der Innenstadt. In Harburg droht den ganzen Herbst über ein ähnliches Dilemma. Auch an anderer Stelle geht bald nichts mehr: Im Frühjahr 2022 sollen Bauarbeiten im Wellingsbütteler Weg und der Wellingsbütteler Landstaße nahe des Ohlsdorfer Friedhofs, der Ruhestätte von Altkanzler Helmut Schmidt und Schauspiel-Ikone Jan Fedder, beginnen. Die Hamburger „Monster-Baustelle“ sorgt für Ärger – und fünf Jahre Vollsperrung.

Stauchaos in Hamburg: Hier gibt es in der Hansestadt überall Baustellen – und jede Menge Ärger

Noch nicht genug Beispiele? Da kann Abhilfe geschaffen werden – mit weiteren Straßenbaustellen, Staus und Sperrungen: Die A25 muss neu asphaltiert werden – die Folge: die Dauer-Baustelle sorgt für Verkehrsbehinderungen. Ein ähnliches Szenario kennt man von der Autobahn A7: massive Einschränkungen, zwei Wochen lang. Auch die Fuhlsbütteler Straße bleibt dicht – keiner kommt durch und das Stau-Potenzial in Hamburg erhält Zuwachs. Und auch, wenn es hier keine Staus gibt: Dass beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) Teile der U3-Strecke über Monate dicht sind, passt irgendwie ins Bild.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) sprach schon vor Monaten im 24hamburg-Exklusivinterview über das Verkehrschaos in Hamburg. Und müht sich auch aktuell, das Dilemma zu erklären. In einem Interview mit dem NDR macht er die in den zurückliegenden zehn Jahren stark gestiegene Verkehrsmenge für das Verkehrs-Chaos verantwortlich. Es gebe, so Tjarks, in Hamburg einfach „zu viele Autos auf einer zu kleinen Infrastruktur“. Auf die Baustellen angesprochen, auf denen nicht gearbeitet werde, rechtfertigt sch Tjarks damit, dass die Verspätungen bei den Arbeiten bei nur einem Prozent liegt.

Baustellen sorgen für Verkehrschaos in Hamburg: Das ist die unglaubliche Antwort der Behörden

Klingt im Vergleich zu dem, was andere in Sachen Staus Hamburg sagen, noch ganz nett. Denn der Hamburger Senat, so berichtet die BILD, verhöhnt seine Autofahrer nahezu, wenn es um den Stillstand in Hamburg geht. Als Antwort auf eine Anfrage der Bezirksfraktion der FDP, warum bei mehreren parallel eingerichteten Baustellen südlich der Elbe nichts mehr ging, heißt es da: „Wesentlicher Grund für die Wahrnehmung eines nicht optimalen Verkehrsflusses in der Stadt ist und bleibt die Überlastung des städtischen Straßennetzes. An zweiter Stelle liegen Sonderereignisse wie etwa Unfälle und Wetterlagen.“

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Erst dann, so heißt es in der Antwort, „folgt als Ursache Baustelle mit verkehrlicher Wirkung.“ Für Viktoria Ehlers eine Frechheit sondergleichen. „Soll wohl heißen: Wer im Stau steht, ist selber schuld“, zitiert die BILD-Zeitung die 29-jährige FDP-Fraktoinschefin in Harburg. Ziemlich kurios: Ein Koordinierungssystem mit Namen „ROADS“ soll mögloche Nadelöhre beim Verkehr verhindern – doch daran glaubt nicht einmal die Politik höchstselbst: „Die Annahme, Koordinierung würde Staus und Behinderungen grundsätzlich vermeiden, schätzt der Senat als unrealistisch ein.“

Baustellen, Staus und Verkehrschaos in Hamburg: Das wartet alles noch auf die Autofahrer

Dumm gelaufen, wenn man sich zu Gemüte führt, was Anjes Tjarks an kommenden Baustellen in und um Hamburg noch so aufzählt: „Auf der A7 wird die längste Autobahnbrücke Deutschlands südlich des Elbtunnels saniert. Auf der A1 müssen wir die Norder- und die Süderelbbrücke machen. Und wenn wir damit fertig sind, haben wir die Bahnbrücken. Und wir haben auch noch ein Thema mit der Freihafenelbbrücke.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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