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Wenig Booster, falsche Inzidenzwerte: Harte Vorwürfe an Peter Tschentscher

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Von: Kevin Goonewardena

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Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sieht sich zurzeit wegen seiner Corona-Politik unter Druck. Es geht um falsche Inzidenzwerte, langsames Booster-Tempo und zu wenig Impfstoff.

Hamburg – Die Coronapolitik des Hamburger Regierungschefs Peter Tschentscher (SPD) galt lange als vorbildlich. Hanseatisch unaufgeregt, sachlich und verdammt erfolgreich beschloss der Hamburger Senat unter Tschentschers Führung Maßnahmen und setzte sie um. Immer wieder in den letzten zwei Jahren preschten die Verantwortlichen der Hansestadt vor und führten vor allen anderen Bundesländern Regelungen ein; um die Bevölkerung zu schützen.

Im Bundesvergleich niedrige Inzidenzwerte und hohe Impfquoten gaben den Politikerinnen und Politikern Recht. Doch nun sieht sich Tschentscher erstmals schweren Vorwürfen in Zusammenhang mit der Coronapolitik ausgesetzt.

Name:Peter Tschentscher
Geburtstag und -ort:20. Januar 1966 in Bremen
Mitglied der SPD:seit 1989
Erster Bürgermeister Hamburg:seit 28. März 2018

Der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Hamburgischen Bürgschaft Dennis Thering kritisierte Tschentscher nun scharf. „Bürgermeister Peter Tschentscher und sein rot-grüner Senat leisten bei der Bewältigung der Corona-Pandemie mittlerweile handwerklich schlechte Arbeit“, konsternierte Thering im Hamburger Abendblatt.

Peter Tschentscher unter Druck: Falsche Inzidenz-Werte in Hamburg

Wie der Senat in der letzten Woche einräumen musste, hat die Sozialbehörde von Senatorin Melanie Leonhard über einen längeren Zeitraum falsche Inzidenzwerte geimpfter und ungeimpfter Personen kommuniziert*, indem die Behörde Patienten Hamburgs Kliniken, deren Impfstatus unbekannt war, zu den Ungeimpften zählte. Das ergab eine Antwort des Senats auf die Anfrage einer FDP-Abgeordneten der Hamburgischen Bürgschaft.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher schaut während einer Pressekonferenz genervt auf dem Podium. Im Vordergrund Coronaviren.
Mürrischer Gesichtsaudruck: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ist während der Coronavirus-Pandemie genervt vom Risiko, das von Ungeimpften ausgeht. (24hamburg.de-Montage) © Chris Emil Janßen/imago

Keineswegs handelte es sich dabei um ein paar wenige Fälle, wie Recherchen der Tageszeitungen Welt und der Süddeutschen Zeitung ergaben. Bei Stichproben kam heraus, dass bei bis zu zwei Dritteln der Patienten, die aufgrund von Corona zu dem Zeitpunkt in Hamburgs Kliniken behandelt worden waren, der Impfstatus unbekannt gewesen ist. Zu den Ungeimpften wurden sie dennoch gezählt.

Es liegt auf der Hand, dass der Hamburger Senat mit der getrennten Ausweisung der Inzidenz bei Geimpften und Ungeimpften zeigen wollte, dass das Risiko für Ungeimpfte höher ist, an Corona zu erkranken und medizinisch versorgt werden zu müssen. Für CDU-Fraktionschef Thering ein fataler Fehler.

Für alle Impfgegner und Verschwörungstheoretiker sind diese Zahlenfehler Wasser auf die Mühlen.

Dennis Thering, CDU-Fraktionschef Hamburg

Booster-Impfung: Nur Sachsen noch schlechter als Hamburg

Während 76,1 Prozent der Bevölkerung Hamburgs vollständig gegen Corona geimpft sind und sich damit nur in Bremen (82,1 Prozent) in Deutschland mehr Menschen die zweite Corona-Spritze abgeholt haben, rangiert Hamburg bei der Anzahl der bisher verabreichten Booster-Impfungen auf dem vorletzten Platz. Erst 21,4 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger haben bis zum 15. Dezember 2021 eine Auffrischungsimpfung erhalten.

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Obwohl seit Wochen bekannt sei, „dass Boostern der derzeit beste Schutz gegen die neue Virus-Variante darstellt“, so Thering gegenüber dem Hamburger Abendblatt, liege „Hamburg weiterhin auf dem vorletzten Platz beim Boostern“, wundert sich der CDU-Politiker. „Das bürokratische Festhalten an der Stiko-Empfehlung und unklare Haftungsfragen haben die Impfkampagne zurückgeworfen.“

Tschentscher wehrt sich gegen Vorwürfe: Impfstoff in Hamburg knapp

Gegenüber dem NDR nahm Peter Tschentscher nun Stellung zu den Vorwürfen. Tschentscher erinnerte daran, dass der Impfstoff in der Hansestadt weiter knapp sei. „Wir müssen den Impfstoff denjenigen zur Verfügung stellen, die ihn am dringendsten brauchen. Das sind entweder die, die Vorerkrankungen haben oder die, bei denen der vollständige Impfschutz jetzt länger zurückliegt“, sagte er in einem Interview mit dem Sender.

Falsche Inzidenzwerte in Hamburg: Tschentscher bedauert Fehler – FDP fordert Erklärung

Unterdessen äußerte der Bürgermeister sein Bedauern über die Verunsicherung, die bei der Bevölkerung aufgrund der Fehler in Zusammenhang mit den falschen Inzidenzwerten entstanden ist. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte er, dass ein Grund der Einsatz verschiedener IT-System zu sein scheint, die unterschiedliche Kategorien zum Impfstatus beinhalten würden.

Die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein forderte Tschentscher zu einer Erklärung auf. „Ich erwarte, dass Herr Tschentscher die Verantwortung für diesen schweren Fehler übernimmt und der Bürgerschaft darüber umgehend Rechenschaft ablegt. Am besten in einer Sondersitzung, spätestens aber in der nächsten regulären Sitzung Mitte Januar in einer Regierungserklärung“, sagte sie. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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