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Welle kracht in Elbfähre – Passagierin: „Musste erst realisieren, was passiert ist“

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Von: Sebastian Peters

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Eine Welle zerschlägt die Scheiben einer Fähre auf der Elbe in Hamburg. Passagiere werden durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Betroffene berichten.

Hamburg – Für die Fahrgäste der Fähre „Tollerort“ war Donnerstag, der 17. Februar 2022, ein Tag, der nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Die gelbe Hafenfähre, die mit der Werbung eines Hamburger Musicals bemalt war, fuhr am Donnerstagmorgen von dem Anleger „Teufelsbrück“ rüber zum Werk des Flugzeugbauers Airbus.

Gegen etwa 8:40 Uhr geriet die Fähre in stärkeren Seegang. Das Schiff wurde durch die meterhohen Wellen immer wieder hoch und runter geschleudert. Immer wieder schlägt das Schiff mit dem Bug auf das Wasser. Zu diesem Zeitpunkt durften bereits größere Schiffe, wie auch das Kreuzfahrtschiff Aida Prima nicht in den Hamburger Hafen einlaufen. Der Grund: zu viel Wind!

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Doch die Elbfähre der HADAG hielt ihren Betrieb aufrechte. Ein Passagier sagte gegenüber 24hamburg.de: „Die Hafenfähren fahren immer. Das ist in Hamburg jedem bekannt.“ Doch diesmal schienen die Wellen und der starke Wind zu viel für die gelbe Fähre. Es kam zum schweren Unfall. Eine enorm große Welle zerschlägt die Frontscheiben des Schiffes. Mit einem lauten Knall werden die 30 Milimeter dicken Scheiben, die aus Sicherheitsglas bestehen sollen, regelrecht zersprengt. Das Video des Vorfalls geht um die Welt. 24hamburg.de hat mit zwei Fahrgästen, die auf der Fähre saßen, gesprochen.

Monika Petersen, Passagieren der Hadag-Elbfähre in Hamburg.
Monika Petersen fährt erst einmal nicht mehr mit der Fähre. © Sebastian Peters

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit. Jeden morgen fahre ich mit der Fähre zur Arbeit und dachte, dass ich heil ankomme“, sagte nun die 47-Jährige, die auf dem Werkgelände des Flugzeugbauers Airbus arbeitet. Auch 24 Stunden später sitzt ihr der Schock tief in den Knochen. Auf die Frage, wie die 47-Jährige heute zur Arbeit gefahren ist, antwortet sie: „Ich bin heute mit dem Bus gefahren. Ich habe überlegt, ob ich mit der Fähre fahren sollte. Mir steckt das ganze noch in den Knochen. Vorerst fahre ich keine Fähre mehr.“ Dabei schaut Monika Petersen immer wieder auf ihre Hände, die durch herumfliegendes Sicherheitsglas der Fähre Schnittverletzungen aufweisen.

Der Moment, als die Welle das Schiff traf und die Sicherheitsscheiben zertrümmerte, steckt ihr in den Knochen. Monika Petersen erinnert sich: Als die Welle in das Schiff eindrang, mussten alle Passagiere zunächst überlegen, was hier gerade passierte. „Wir saßen noch ein paar Sekunden. Man musste erst mal realisieren, was gerade passiert ist“, sagt Monika Petersen gegenüber 24hamburg.de.

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Auch ein zweiter Fahrgast, der ebenfalls auf dem Airbusgelände in Finkenwerder arbeitet, berichtet über den Vorfall. Markus Müller (Namen geändert) benutzt die Pendelmöglichkeit zwischen den beiden Elbseiten täglich. Noch nie hat er einen vergleichbaren Zwischenfall erlebt, berichtet er 24hamburg.de. Er sagt: „Dass Wasser gegen die Scheibe der Fähre schlägt, kommt häufiger vor. Aber mit dieser Kraft habe ich nicht gerechnet.“ Als die große Welle die Frontscheibe zerschmetterte, wurde er von Glassplitter getroffen. „Nass wurde ich natürlich auch“, sagt er zusätzlich.

Elbfähre in Hamburg: Sogar in seinen Hosentaschen befanden sich Glassplitter der Frontscheibe.
Sogar in seinen Hosentaschen befanden sich Glassplitter der Frontscheibe. © Privat

Er kam komplett durchnässt an seinem Büroarbeitsplatz an und musste sich dort erst mal umziehen. Zu Hause hat Markus Müller erst mal seine Sachen getrocknet. Beim Abspülen seiner Klamotten fand er noch zahlreichen Glassplitter. Er hat sich nach dem Unfall eigenständig an die HADAG gewandt. Knappe 24 Stunden später nehmen bei ihm nun allerdings Schmerzen im Rücken zu. „Ich gehe heute zur Sicherheit noch mal zu einem Arzt“, sagt er 24hamburg.de.

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Die Fahrgäste berichten zudem, dass der Kapitän der Hafenfähre nichts von dem Zwischenfall auf dem Schiff mitbekommen haben soll. Der Kapitän, der das knapp 30 Meter lange und acht Meter breite Schiff allein steuerte, musste erst von den komplett durchnässten Fahrgästen auf den immensen Schaden an dem Schiff aufmerksam gemacht werden, berichten sie. Der genaue Hergang ist derzeit Gegenstand polizeilicher Ermittlungen.* 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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