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Gegen Rassismus im Kinderzimmer: Hamburger bringt Schwarze Puppen auf den Markt

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Von: Kevin Goonewardena

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Als der Hamburger David Amoateng keine Schwarzen* Puppen fand, fing er kurzerhand an selbst welche herzustellen. Sein Anspruch: Mehr Diversität im Kinderzimmer.

Hamburg – Die Weltbevölkerung ist zwar nur in der Minderheit weiß, doch 90 bis 95 Prozent aller Spielzeugpuppen sind weiß, erzählt David Amoateng. Eine Puppe zu finden in der sich Menschen wie der Deutsch-Ghanaer wiederfinden, das war für den 35 jährigen Fachökonom in seiner Kindheit unmöglich und ist es auch heute nahezu geblieben. Erst 2018 in Folge des weltweiten Erfolgs des Marvel-Films „Black Panther“, der 3 Academy Awards gewann* und weltweit rund 1,32 Milliarden US-Dollar einspielte, kam die ersten schwarze Actionfigur auf den Markt. Ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nur drei Hersteller weltweit, wie Amoateng der Mopo gegenüber zählt, hätten zumindest teilweise seine Ansprüche erfüllt. Vor allem fand er rassistisches Spielzeug, etwas überzeichnete People of Colour in Lendenschutz. „Warum nicht selbst machen?“, zitiert die Zeitung den Grundgedanke Amoatengs.

Name:Black Panther
Erscheinungsjahr:2018
Länge:135 Minuten
Regie:Ryan Coogler
Darsteller und Darstellerinnen:Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Letitia Wright

Gegen Rassismus im Kinderzimmer: Hamburger gründet Puppenmanufaktur – Unterstützung der Unabhängigkeit von Frauen

„Little Ashé“ heißt die Puppenmanufaktur, mit der Amoateng und ein Team von mittlerweile acht Schneiderinnen seit 2019 Stoffpuppen produzieren, die mehr als nur verschiedene dunklere Hauttypen abdecken. Die Puppen und deren Zubehör sind aus fair gehandelten, nachhaltigen Biomaterialien in Ghana handgefertigt. Auf die Verwendung von Kunststoff wird gänzlich verzichtet, die Frauen verdienen faire Löhne und seien somit finanziell unabhängig, so Amoateng gegenüber der Mopo. Jede „Little Ashé“-Puppe sei zudem, ein Unikat, erzählt der Firmengründer.

Little-Ashé-Gründer David Amoateng und ein Kind freuen sich über zwei Modelle der Hamburger Puppenmanufaktur
Little-Ashé-Gründer David Amoateng freut sich gemeinsam mit einem Kind über zwei Modelle der von ihm gegründeten Puppenmanufaktur, die mit ihren Produkten für mehr Diversität im Kinderzimmer sorgen will. © Saskia Seide/Little-Ashé

Bevor Amoateng anfangen konnte mit „Little Ashé“ seinen Beitrag zu der von ihm selbst vermissten Diversität im Kinderzimmer zu leisten, nahm der Hamburger zuerst Privatstunden bei einer Puppenmacherin um ein Grundverständnis für das Puppenmacherhandwerk zu erlangen. Mit professionellen Schnittmustern für die Puppen und Prototypen die in Deutschland angefertigt wurden, sei er anschließend nach Ghana gereist, lässt der Puppenfabrikant gegenüber der Hamburger Tageszeitung die Anfänge von „Little Ashé“ Revue passieren.

Dort fand er nicht nur eine Schneiderin die ihm, bei der Umsetzung seines Vorhabens half, sie stellte auch die erste 300 Puppen her, da seine Idee sie so begeisterte.

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Gegen Rassismus im Kinderzimmer: Diverse Puppen unterstützen auch feministisches Empowerment

Als nächstes plant Amoateng in Ghana die Gründung einer Ausbildungsstätte für Schneiderinnen. Sein Ziel ist es 20 bis 30 Ausbildungsplätze zu schaffen, wie er der Mopo verriet, um noch mehr Frauen auf dem Weg in einen erlernten Beruf und finanzielle Unabhängigkeit zu unterstützen. Dabei richtet er sich speziell an Frauen, die sich eine – in Ghana sonst kostenpflichtige – Handwerksausbildung nicht leisten können, denn Amoateng möchte jene kostenlos anbieten und sogar irgendwann ein Ausbildungsgehalt zahlen können.

Ich möchte diesen Menschen die Möglichkeit geben, eine Schneider- und Puppenhandwerksausbildung zu machen – und das kostenlos

David Amoateng, Fachökonom und Gründer von „Little Ashé“

„Little Ashé“-Puppen ein voller Erfolg – Modelle oft ausverkauft

Modell Inama der Puppenmanufaktur Little-Ashé
45 Zentimeter hoch und wie alle Modelle aus Biomaterialien hergestellt ist „Inami“, die ein Kleid in traditioneller ghanaischer Kente-Musterung trägt © Saskia Seide/Little-Ashé

Die Modelle der Manufaktur hören auf Namen wie „Taya“, „Kwame“, „Henry“ und „Imani“, sind mal dunkler und mal von hellerem Hautton, tragen einfarbige, bunte oder Kleidung in traditioneller ghanaischer Musterung und sind ein voller Erfolg. „Mittlerweile sind wir oft ausverkauft, besonders ,Taya‘ erfreut sich großer Beliebtheit“, erzählt David Amoateng.

Schwarz statt farbig

„Bei dem Wort „farbig“ handelt es sich um eine Fremdbezeichnung und wird deshalb gerade im rassismuskritischem Kontext nicht mehr verwendet“, schrieb David Amoateng. Wir entsprechen seiner Bitte und verwenden in diesem Artikel stattdessen den Begriff Schwarz in Großschreibweise.

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