Einstimmiger Senats-Beschluss

Umbenannt wegen NS-Bezug: George-Bonne-Straße und Bonnepark in Hamburg

  • VonUlrike Hagen
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Die George-Bonne-Straße und der Bonnepark in Hamburg tragen nun die Namen zweier im Nationalsozialismus verfolgter Jüdinnen – statt eines Hitler-Anhängers.

Hamburg – Fällig war es schon lange, nun hat der Hamburger Senat es endlich beschlossen: Der Bonnepark in Hamburg-Bahrenfeld und die Georg-Bonne-Straße in Nienstedten werden endlich umbenannt. Sie tragen zukünftig die Namen zweier Frauen, die zur Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden: Sophie Rahel Jansen und Käthe Goldschmidt.

Grünanlage in Hamburg:Bonnepark
Bezirk:Altona
Fläche:ca. 2,2 ha
Erbaut: 1895 von Carl Friedrich Gayen

Umbenennung in Nienstedten und Bahrenfeld: Bezirk fordert schon lange neue Namen für Bonnepark und Georg-Bonne-Straße

Der Hamburger Senat, der sich gerade deutlich für die Aufnahme von Geflüchteten aus Afghanistan aussprach, folgt damit einem Vorschlag aus der Bezirksversammlung Altona, der die Umbenennung schon im letzten Jahr einstimmig beschloss. Hintergrund: Der Arzt Georg Bonne war ein überzeugter Anhänger der NS-Ideologie, Antisemit und glühender Hitler-Anhänger. Das ergab eine wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen, die der Historiker Dr. David Templin 2017 im Auftrag des Staatsarchivs erstellte.

Senat beschließt: Sophie-Rahel-Jansen-Straße und Goldschmidtpark statt Georg-Bonne-Straße und -Park

Bereits im September letzten Jahres wurde auch eine Kommission zum Umgang mit NS-belasteten Straßennamen einberufen, die einheitliche Entscheidungskriterien für den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg entwickeln und Empfehlungen zu möglichen Umbenennungen aussprechen soll. Die Georg-Bonne-Straße gehört zu den „Verkehrsflächen“, für die zu einer Umbenennung geraten wurde. Auch der Niedersächsische Landtag hatte in diesem Jahr bereits die Liste verbotener Autokennzeichen mit Nazi-Bezug erweitert*.

Endlich umbenannt: Erinnerung an Sophie Rahel Jansen und Käthe Goldschmidt, Verfolgte des Nationalsozialismus

Dr. Stefanie von Berg, Bezirksamtsleiterin Altona dazu: „Wir in Altona repräsentieren Vielfalt und treten für die Gleichwertigkeit aller Menschen ein. Dass der Name eines glühenden Antisemiten und Hitler-Verehrers ein für alle Mal aus dem Stadtbild verschwindet, ist für mich somit überfällig. Die Namen der Jüdinnen Käthe Goldschmidt und Sophie Rahel Jansen stehen beispielhaft für viele weitere Schicksale und Geschichten, an die wir uns stattdessen erinnern wollen.“

Sophie Rahel Jansen und Käthe Goldschmidt: beispielhafte jüdische Schicksale im Nationalsozialismus

Die vom Nienstedter Marktplatz bis zur Straße Am Internationalen Seegerichtshof verlaufende Georg-Bonne-Straße trägt zukünftig den Namen Sophie-Rahel-Jansen-Straße. Sie erinnert an die sozial engagierte Schriftstellerin Sophie Rahel Jansen (1862-1942), die 1913 mit ihrem Mann, dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Cäsar Max Jansen, nach Blankenese zog. Sie war 1908 die erste Frau, die als öffentliche Armenpflegerin bestellt wurde. Anfang Juli 1942 wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie sich 80-jährig das Leben nahm.

Der Bonnepark in Hamburg-Bahrenfeld, wie die George-Bonne-Straße bisher nach dem Hitler-Anhänger Georg Bonne benannt, wird endlich umbenannt und heißt zukünftig Goldschmidtpark.

Der Bonnepark im zukünftig durch den Autobahndeckel über der A7 noch grüneren Bahrenfeld heißt künftig Goldschmidtpark. Er soll an die Theaterwissenschaftlerin, Schauspielerin und Regisseurin Käthe Goldschmidt (1905-1990) erinnern, die in Altona aufwuchs. Goldschmidt wurde ebenfalls in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, überlebte aber und zog später mit ihrer Familie nach Blankenese. 1975 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen an das Ghetto Theresienstadt unter dem Titel „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“.

Umbenannte Georg-Bonne-Straße in Hamburg-Nienstedten: Frist bis Januar 2022

Insgesamt 210 Anwohnerinnen und Anwohner und 40 Gewerbebetriebe sind von der Umbenennung der Georg-Bonne-Straße betroffen. Zur Erleichterung der Umstellung auf die neue Adresse – Sophie-Rahel-Jansen-Straße – wird den Anwohnern nun eine mehrmonatige Frist bis zum 1. Januar 2022 eingeräumt.

Hamburg: Bereits über 6000 Stolpersteine Stolpersteine gegen das Vergessen des Nationalsozialismus

Schon seit 2002 erinnern in Hamburg an vielen Orten Stolpersteine an Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Steine, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit den Namen der Ermordeten tragen, werden vor deren einstigen Wohnungen der Opfer im Gehwegpflaster verlegt – inzwischen über 6000 Stück. Das 1996 gestartete Projekt des Künstlers Gunter Demnig ist mit über 75.000 Steinen in 24 Staaten Europas inzwischen das größte Mahnmal der Welt. Für 120 Euro kann jeder, der möchte, eine Patenschaft für einen Gedenkstein übernehmen. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus Tischler/Imago

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