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Wegen Nazi-Verbindung: Diese Straßennamen benennt Hamburg um

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Von: Kevin Goonewardena

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In Hamburg sollen in den nächsten Jahren fast ein Dutzend Straßen wegen Verstrickungen ihrer Namensgeber in die Nazizeit umbenannt werden. Um diese Straßen geht es.

Hamburg – Die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße sorgte 2020 bundesweit für Schlagzeilen. Aus Rassismusgründen stand der Straßenname zur Disposition, wie es etwa auch Begriffe wie Zigeunerschnitzel respektive Zigeunersauce und ähnliche tun. Für manche Bürger und Bürgerinnen ein längst überfälliger Schritt, für andere eine unnötige Veränderung der Vergangenheit.

Eine ähnliche Diskussion könnte es jetzt um die Umbenennung von Straßen in Hamburg geben, deren Namensgeber eine unterschiedlich geartete NS-Vergangenheit hatten. Eine Expertenkommission hat nun die Namen von 11 Straßen vorgelegt, bei denen eine Umbenennung empfohlen wird.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:rund 1,9 Millionen (Stand Dezember 2021)
Hamburger Zwangsarbeiter:bis zu 500.000 zwischen 1939-1945 auf Hamburger Stadtgebiet

NS-Vergangenheit: NSDAP-Mitgliedschaft alleine reicht für Straßenumbenennung in Hamburg nicht aus

Wie der NDR berichtet, reicht die bloße NSDAP-Mitgliedschaft der Namenspatronen nicht als alleiniger Grund für die Empfehlung zur Aberkennung des Straßennamens aus. Vielmehr ging es der Expertenkommission um die Frage, ob und wenn ja, inwiefern sich die betreffende Person nach Ende des Zweiten Weltkriegs von der eigenen NS-Vergangenheit distanziert hat. Aus diesem Grund wurde die Empfehlung etwa nicht für den Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof Hamburg, benannt nach der beliebten Hamburger Volksschauspielerin (1914-20220) ausgesprochen.

Allerdings empfiehlt die Kommission in solchen Fällen die Ergänzung des Straßennamens durch eine zusätzliche kritische Dokumentation der Person in Form einer Stehle, einer Tafel oder eines QR-Codes. Die Kommission hatte im Auftrag der Kulturbehörde von Senator Carsten Brosda seit 2020 Hamburger Straßennamen und deren Herkunft untersucht.

Hamburger NS-Vergangenheit: Diese Straßennamen sollen umbenannt werden

Die insgesamt 11 Straßen verteilen sich über sechs der sieben Bezirke der Hansestadt, nur Eimsbüttel ist nicht vertreten. Mit sechs Empfehlungen zur Umbenennung finden sich die meisten im Bezirk Hamburg-Nord.

Mitte: Högerdamm
Altona: Julius-Brecht-Straße
Nord: Walter-Bärsch-Weg, Heynemannstraße, Oehleckerring, Paul-Stritter-Brücke/Paul-Stritter-Weg, Strüverweg
Wandsbek: Reinckeweg
Bergedorf: Elingiusplatz, Schorrhöhe
Harburg: Albert-Schäfer-Weg

Hamburger NS-Vergangenheit: So begründet die Kommission die Empfehlungen zur Umbenennung

Umbenannt soll wegen einer NS-Vergangenheit etwa der nach Fritz Höger benannte Högerdamm in Hamburg-Hammerbrook. Höger ist unter anderem Architekt des Chilehauses und schon seit 1933 bekennender Nationalsozialist gewesen. Er äußerte sich noch nach 1945 antisemitisch. Auch der Reinckeweg in Wandsbek soll umbenannt werden. Jener ist nach dem ehemaligen Direktor des Staatsarchivs Heinrich Reincke benannt, der, laut NDR, als bekennender Nazi persönlich Juden der Gestapo meldete.

Das Straßenschild „Julius-Brecht-Straße“ in Hamburg
NS-Bezug: in Hamburg sollen mehrere Straßen umbenannt werden. Darunter auch die „Julius-Brecht-Straße“. (24hamburg.de-Montage) © Waldmüller/imago

Zur Empfehlung der Kommission, den nach dem Vorstand der Phoenix AG benannten Albert-Schäfer-Weg in Eißendorf um zu benennen, äußert sich die Kommission wie folgt „Schäfer war als Vorstandsvorsitzender verantwortlich für den Zwangsarbeitereinsatz bei den Phoenix-Werken. Mit den Zweigwerken in Riga und Prag, in denen jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, beteiligte sich das Unternehmen aktiv an der nationalsozialistischen Ausbeutungspolitik in den besetzen Gebieten in Osteuropa.“ Das berichtet das Portal Besser-im-Blick.de. Schäfer stand dem Konzern von 1933 bis 1946 vor, Reparationszahlungen leistete er erst, nachdem sein jüdischer Geschäftspartner nach Ende des Krieges sie erstritten hatte.

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NS-Vergangenheit: So viele Straßen in Hamburg wurden bereits umbenannt

Seit 1986 wurden in Hamburg 17 Straßen umbenannt, deren Namensgebern eine schwerwiegende Belastung durch die Nazi-Zeit in aufwendigen Einzelverfahren attestiert wurde. *24hamburg.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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