Bitteres Gastro-Sterben

Restaurant-Sterben in Hamburg: Diese Betriebe gibt es seit Corona nicht mehr

  • VonUlrike Hagen
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Etliche Hamburger Restaurants und Bars hat der Corona-Lockdown das Genick gebrochen. Von Altona bis Winterhude mussten viele Betriebe zu machen.

Hamburg – Zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés in Hamburg haben wieder geöffnet. Fühlt sich erstmal gut an. Doch der Schein trügt: Denn nach dem monatelangen Lockdown sind die Umsätze der Gastronomen immer noch viel geringer als zuvor – mit auf der anderen Seite gestiegenen Kosten für Hygienemaßnahmen sowie Abstands- und Zugangskontrollen. Das Coronavirus in Hamburg haben nicht alle Restaurants, Bars und Kneipen überlebt.

Corona: Restaurants und andere Gastronomien in Hamburg haben Pandemie nicht überlebt

Nicht nur Tim Mälzer drohte durch Corona die Pleite – etliche Gastro-Betriebe sind betroffen: Zahlreichen Restaurants und Bars hat die Pandemie inzwischen das Genick gebrochen. Oder eine Wiedereröffnung steht aufgrund der bestehenden Verordnungen wie Ausschankverbot und Alkoholverbot schlicht in den Sternen. Und während am Winterhuder Kai ein echter Party-Krieg tobt, Diskos an der Stadtgrenze zu Hamburg in Schleswig-Holstein zur Party ohne Maske und Abstand einladen und sogar der Hamburger Dom wieder steigen darf, gucken viele Gastronomen weiter in die Röhre.

Das nahm für manche Hamburger Restaurants und Institutionen ein böses Ende. Dem Gastro-Sterben nach Corona sind in Hamburg bereits folgende Läden zum Opfer gefallen:

Die Bank Hamburg – Insolvenzverfahren lief schon 2020

Das Szenelokal „Die Bank“ an den Hohen Bleichen musste bereits Anfang des Jahres schließen, obwohl der Insolvenzantrag der Betreibergesellschaft schon während der ersten pandemiebedingten Schließung im April 2020 gestellt wurde. Mit einem Insolvenzverwalter sollte das Lokal gerettet werden, doch dann wurde die Immobilie verkauft; der neue Eigentümer lehnte einen Mietvertrag mit dem Investor ab.

Rock Our Kitchen Hamburg: Auch Lieferando konnte nicht retten

Die Restaurants an der Lilienstraße und am Grindelhof sind dicht. Auf der Website heißt es: „Update (Juni 2021): Wegen der Pandemie mussten wir unsere Restaurants leider schließen. Wir überlegen, wie es nun zukünftig mit Rock Our Kitchen weitergehen wird. Bis dahin wünschen wir Euch alles Gute und vor allem Gesundheit!“ Fans der innovativen Küche mit Pizza, Salat und Co. schauen nun erstmal in die Röhre.

Frau Larsson Hamburg – nie wieder Frühstück und Kuchen

Das kleine Café in Winterhude musste sich bereits im Oktober 2020 von seiner Stammkundschaft verabschieden: „Die Corona-Pandemie war und ist doch eine Nummer zu groß, bereits im Frühjahr war mir klar, dass ich nicht würde weiter machen können. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht und sind nun fündig geworden“, schrieb Geschäftsführerin von Frau Larsson Annika Roschitz damals.

Zum Storchennest Finkenwerder: Nach 15 Jahren das Aus

Nur eine Handvoll Gäste hatten Platz im Restaurant „Zum Storchennest“ in Finkenwerder. Das kleine Lokal, das Koch Mathias Voigt liebevoll gemeinsam mit seiner Frau Bianka 15 Jahre betrieb, hat dauerhaft geschlossen. Freunde von norddeutscher Hausmannskost und Fischspezialitäten haben nun einen Heimathafen weniger.

Der Gastronomie droht das Corona-Aus: Viele Restaurants und Lokale wissen nicht, wie es weiter geht.

Das Hamburger Kontor ist leider Geschichte

Fischraffinessen, aber auch deftige Steakgerichte standen auf der Speisekarte des Restaurants „Das Kontor“ in der schönen historischen Deichstraße. Das Lokal mit hanseatisch-maritimem Charme hat dauerhaft geschlossen. Die Webseite des Restaurants wurde gelöscht

Bastion Hamburg – wird es hier je wieder Hochzeiten geben?

„Die Bastion sagt auf Wiedersehen und in 4 Wochen sehen wir uns wieder!“ hieß es noch optimistisch am 1. November 2020 auf der Facebook-Seite des großen Gastronomiebetriebes am Holstenwall im Museum für Hamburgische Geschichte. Seitdem ist der szenige Brunch-Hotspot Bastion Hamburg, der auch als traumhafte Hochzeits-Location gebucht werden konnte, geschlossen.

Hamburger Kneipen-Legende Mutter: Rettungsversuch mit Soli-Ring

Seit über einem Dreivierteljahr ist die Bar am Neuen Pferdemarkt dicht. Keine Außenplätze, keine Öffnungsmöglichkeiten. Perspektive? Bei den vom Senat nicht in Aussicht gestellten Lockerungen düster: „Leider haben sich noch keine Lockerungen ergeben, die für uns Sinn machen würden. Insbesondere die frühe Sperrstunde verschiebt eine Öffnung der Mutter leider nach hinten. Wir bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Grüße und Küsse, Eure Mutter“ heißt es dazu auf Facebook. Immerhin: Bubblegumrings verkauft in einer Soli-Aktion „Mutter“-Ringe, deren Erlöse zur Hälfte an die bedrohte Bar gehen.

Roschinsky´s: Seit letztem November Schicht in der Hamburger Kiez-Eckkneipe

Wie zahllose andere Betriebe ist auch das Ecklokal auf St. Pauli seit letztem November geschlossen. „Ratlos stehen wir vor den Ansagen, das genau die Stadtteile, die Erfahrungen im Umgang mit einem hohen Menschenaufkommen haben, die schon immer für die Sicherheit ihrer Besucher sorgten, plötzlich zu Hotspots erklärt werden. Die unfreiwilligen Piraten lassen sich das feiern nicht nehmen. Sie weichen aus. In Stadtteile und an Orte, an denen es keine „Gästelisten“ gibt. An denen niemand für die Sicherheit sorgt“ ist auf der Facebook-Seite des Roschinsky‘s zu lesen. Baldige Wiedereröffnung? Unwahrscheinlich, wie für zahlreiche andere Gastronomien auf St. Pauli.

Gassenhaur – Restaurant und Beisl ohne Wiederöffnungstermin

Das Österreichische Restaurant und Beisl auf dem Hamburger Kiez ist seit letztem Jahr dicht. Wie es weitergeht mit dem Lokal Gassenhaur, das angeblich das beste Wiener Schnitzel in Hamburg brutzelt(e)? Ungewiss. Die Experten für Alpenlandspezialitäten und Kaiserschmarrnleckereien haben nun schon Monate „bis auf Weiteres geschlossen“.

Kunst fürs Klo – Rettungsversuch für die Hamburger Kiez-Gastronomie

Während Freizeitangebote wie der Tierpark Hagenbeck wieder offen sind, und viele Geschäfte wie Baumärkte von den neuen Regelungen profitieren, leiden eben vor allem die Kiezlokale ohne Außen-Gastronomie unter den immer noch strengen Corona-Maßnahmen. Ein Hilfs- und Kunstprojekt aus Hamburg, das Toilettenkunst in Locations fotografiert und verkauft, soll der gefährdeten Kiezkultur unter die Arme greifen: Der Erlös jedes Bildes der Aktion „Kunst fürs Klo“ geht jeweils direkt an die Location, in der die Toilettenkunst entstanden ist. Motto: „Unterstütze Cafés, Bars und Clubs in deiner Stadt“.

Wie vielen am Ende des Pandemie-Marathons dennoch die Puste ausgehen wird, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa & Angelika Warmuth/dpa

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