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Wegen Corona-Impfpflicht in Pflegeberufen: Vor diesen Problemen steht Hamburg

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Die Impfflicht für medizinisches Personal kommt und stellt Hamburg vor Sorgen. Damit müssen Ungeimpfte im Gesundheitswesen rechnen – gibt‘s Kündigungen?

Hamburg – Die Impfpflicht in den Gesundheitsberufen ist seit ein umstrittenes Thema. Jetzt, da sie Realität wird, kommen auch auf Hamburg immer mehr Probleme zu. Die Beschäftigten in Medizin und Pflege stehen ab dem 15. März 2022 vor Hürden. Ab dann ist es für Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Co. vorgeschrieben, vollständig gegen Covid-19 geimpft zu sein, um weiterhin ihrem Beruf nachgehen zu können.

Bestätigte Corona-Fälle in Hamburg272.679 (Stand 3. Februar 2022)
Doppelt-Geimpfte in Hamburg1.476.216 (Stand 2. Februar 2022)
Corona-Todesfälle in Hamburg2150 (Stand 2. Februar 2022)
Corona-Patienten im Krankenhaus in Hamburg521 (Stand 2. Februar 2022)
Corona-Patienten auf Intensivstationen in Hamburg77 (Stand 2. Februar 2022)

Impfpflicht in medizinischen Einrichtungen: Krankenhaus-Personal in Hamburg fast vollständig geimpft

Im Sommer hielt man die Impfpflicht für medizinische Berufe noch für unnötig – jetzt wird sie umgesetzt. In Hamburgs Krankenhäusern wird sie allerdings gar nicht so viele Menschen betreffen, wie vielleicht angenommen. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) meldete laut NDR dem Sozialamt, das bereits 99 Prozent der 14.000 Beschäftigten vollständig geimpft seien, in den Asklepios-Kliniken sieht es mit 98 Prozent schon vor der Impfpflicht ähnlich gut aus.

In der stationären Pflege sind die Zahlen etwas niedriger, „nur“ 90 Prozent des Personals haben dort einen vollständigen Impfschutz. Allerdings haben zumindest 63 Prozent auch hier schon die Booster-Impfung bekommen, berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Eine Impfpflicht würde also nur wenige ungeimpfte Beschäftigte betreffen.

Eine alte Dame und eine Pflegerin neben einem Impfbuch mit Booster-Impfung
Pflegekräfte brauchen demnächst verpflichtend eine Corona-Impfung, um ihren Job ausüben zu können. (24hamburg.de-Montage) © Michael Bihlmayer/imago

Der Betreiber der Pflegeheime Pflegen & Wohnen, Thomas Flotow, hat für seine fast 2.000 Beschäftigten genaue Zahlen und sieht die Lage, noch ehe die Impfpflicht in der Pflege in Kraft tritt, nicht dramatisch. „Ich hatte bisher für mich persönlich immer eine Größenordnung von fünf Prozent, die sich eventuell nicht wird impfen lassen. Wir haben das mittlerweile erhoben und es sind 56 Beschäftigte, die am 16. März 2022 nicht geimpft sein werden“, sagt der Betreiber gegenüber dem Hamburg Journal des. Hamburg sei also im Pflegewesen noch vergleichsweise gut aufgestellt.

Bald auch Booster-Impfung Pflicht – was bedeutet Impfpflicht für Beschäftigte in der Pflege?

Sollte allerdings, wie zuletzt oft debattiert, die Booster-Impfung auch Pflicht werden, stehen die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser vor einem neuen Problem. Bereits jetzt spricht das Robert-Koch-Institut (RKI) bei einer doppelten Impfung, mit der man vorher als „vollständig geimpft“ galt, nur noch von einer „Grundimmunisierung“. Bald könnte auch die dritte Impfung nötig sein, um auf dem Papier einen vollständigen Impfschutz zu haben.

In Folge einer solchen Regel-Änderung hätten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen dann wieder viel Personal, das noch nicht als vollständig geimpft gilt und aufgrund der geltenden Impfpflicht dann eventuell ausfallen würde. Für die seit Beginn der Pandemie ohnehin überlasteten Einrichtungen, in denen Personalmangel ein ständiges Thema ist, wäre das ein großes Problem.

Kündigung wegen fehlender Impfung? Arbeitsrechtler halten es für möglich

Wenn am 15. März 2022 die Impfflicht für Pflegeberufe in Kraft tritt, müssen Arbeitgeber der Sozialbehörde ihre nicht-geimpften Angestellten melden. Die Behörde wird dann vermutlich ein Betretungsverbot für diese Beschäftigten aussprechen, die daraufhin ohne Bezahlung zu Hause bleiben müssen und ihren Arbeitsplatz nicht mehr betreten dürfen. Je nachdem wie lange dieser unbezahlte „Zwangsurlaub“ dauern wird, könnte es aber ein Grund für Arbeitgeber sein, Kündigungen auszusprechen.

Arbeitsrechtler Maik Wünsche erklärte gegenüber dem Hamburg Journal des NDR: „Wenn dann über viele Monate die Regelung gilt – zunächst bis Ende 2022 –, dass die Leute nicht arbeiten kommen dürfen, weil sie dieses Betretungsverbot haben, weil sie nicht geimpft sind, dann kann es definitiv so sein, dass Arbeitgeber das nutzen für Kündigungen.“ Eine Rechtsgrundlage, die besagt, ob eine Kündigung zulässig ist oder nicht, gäbe es für solche Fälle allerdings noch nicht. „Das werden die Arbeitsgerichte dann zu prüfen haben, in jedem Einzelfall.“

Novavax als Impf-Anreiz: Sozialbehörde rechnet mit fast vollständiger Impfquote

Personalmangel und arbeitsrechtliche Verfahren sind natürlich weder von den Beschäftigten noch von medizinischen Einrichtungen gewünscht. Die Sozialbehörde hofft, dass die Impfpflicht und auch der neue Impfstoff Novavax – oft wird eben jener Novavax-Impfstoff fälschlicherweise oft als Totimpfstoffbezeichnet – den bisher ungeimpften Beschäftigten einen Anreiz zum Impfen geben. Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, erklärt dem NDR dazu, dass man mit einer fast 100-prozentigen Impfquote im Gesundheitswesen rechne.

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„Pünktlich zum kommenden Monat wird es außerdem einen weiteren, neu-zugelassenen Impfstoff der Firma Novavax geben. Der wird dann auch speziell für Beschäftigte im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen“, so Helfrich. Deshalb hoffe man, dass sich auch Personen, die bisher ungeimpft sind, noch vor der Impfpflicht den Immunschutz holen werden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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