Kein Geld wegen der Pandemie

Wegen Corona: Hamburgs Selbstständige nutzen nun medizinische Armenversorgung

Seit einigen Monaten verändert sich die Klientel vom Hamburger Gesundheitsmobil: Neben Obdachlosen, Flüchtlingen und Drogenabhängigen kommen nun auch Selbstständige.

Hamburg – Offene Wunden versorgen, Medikamente für chronische Krankheiten verteilen, zu hohen Blutdruck behandeln - das Hamburger Gesundheitsmobil ist seit 2018 in der Hansestadt unterwegs, um Menschen ohne Krankenkassenkarte medizinisch zu versorgen. Bislang wurden von dem rund 23-köpfigen Team aus Ärzten aller Fachrichtungen vor allem Obdachlose, Prostituierte, Flüchtlinge und Drogenabhängige behandelt, wie der medizinische Koordinator des Gesundheitsmobils, Ronald Kelm, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte. Seit einigen Monaten jedoch verändere sich die Klientel.

Kein Geld durch die Pandemie – Selbstständige können ihre Krankenkasse nicht finanzieren

Ronald Kelm, Krankenpfleger und medizinischer Koordinator, steht vor dem Gesundheitsmobil auf der Reeperbahn.

„Da ist ein sehr starker Anstieg erkennbar. Wir sehen das Phänomen, dass wir plötzlich Selbstständige hier haben, die ihre Krankenkasse nicht mehr bezahlen können“, sagte Kelm. Seiner Meinung nach berge das Thema sozialpolitische Sprengkraft von einer enormen Dimension. Diese Entwicklung hat dem Krankenpfleger und Pflegedienstleiter zufolge nachvollziehbarerweise auch mit Corona zu tun. Konkrete Zahlen lagen ihm nicht vor. Auch die Kassenärztliche Vereinigung sowie das Statistikamt Nord hatten keine auswertbaren Versichertenzahlen vorliegen.

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Noch nie so viele Fälle – Immer mehr häusliche Gewalt

Die Coronakrise hat zudem anscheinend auch Einfluss auf die Art der Krankheiten und Verletzungen, die von dem Ärzteteam behandelt werden. „Das Thema häusliche Gewalt kommt mittlerweile häufiger vor. Wir haben zuvor noch nie so viele Fäden gezogen und Klammern entfernt wie im Moment“, so Kelm. Auch habe die Respektlosigkeit sowie die Gewalt gegen Obdachlose zugenommen.

Bluthochdruck und Herzschwäche: Chronische Krankheiten werden mehr

Außerdem seien die Art der zu behandelnden Krankheiten anders als noch vor Corona: „Die Ärzte behandeln weniger Atemwegserkrankungen. Bronchitis, Lungenentzündung, TBC - das haben wir vorher viel häufiger gesehen. Und wir sehen mittlerweile mehr Menschen, deren chronische Krankheiten wie Bluthochdruck oder Herzschwäche schlecht medikamentös eingestellt sind.“

Das Gesundheitsmobil wird vom Verein Cafée mit Herz betrieben. Zudem sind auch die Bergedorfer Engel am umgebauten Rettungswagen und unterstützen die Bedürftigen mit Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt

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