„Völlig gaga“

Gender-Zoff um 460.000-Euro-WC an der Alster

  • VonUlrike Hagen
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Gender-Wahn absurd: Frauen müssen sich an der Alster das WC mit Männern teilen. Die Linken in Hamburg sind empört – und fordern das Frauen-Klo zurück.

Hamburg – Die Debatte über Gleichstellung und Gender-Neutralität treibt immer wildere Blüten. Während die SPD einen Antrag auf die „nicht-binäre“ WC-Ausstattung samt Mülleimer für menstruierende Männer gestellt hat und die Grünen einen eigenen Badetag für Transsexuelle fordern, sieht die Linke in Hamburg Frauen durch eine WC-Unisex-Umgestaltung deutlich benachteiligt: Um die gerade erst für 460.000 Euro neugestaltete öffentliche Toilette am Alsteranleger „Alte Rabenstrasse“ ist jetzt ein heißer Klo-Kampf entbrannt.

Fluss in Hamburg:Alster
Länge:56 km
Quelle: Henstedt-Ulzburg
Mündung:Elbe

Die öffentliche Toilette am Alsterufer sei „still, heimlich und unbemerkt von der Öffentlichkeit“ zum Unisex-WC umgebaut worden, sagt Peter Gutzeit, Abgeordneter der Linken in der Bezirksversammlung Eimsbüttel. Er fordert den Rückbau des Klos an der Alten Rabenstraße. Der Hintergrund: Wo vorher getrennte Eingänge zu Frauen- und Männer-Toilette mit Pissoirs und Sitzklo waren, gibt es in nur noch einen Zugang zu einem Raum mit drei Pissoirs und einem Unisex-WC, das Frauen, Männer und Diverse nun gemeinsam benutzen. 

Gender-Debatte und Zoff: „Frauen-Toiletten müssen Frauen-Toiletten bleiben. Basta!“

Gutzeit auf Twitter: „Frauen müssen sich jetzt Klos und inneren Vorraum mit Männern teilen. Männer haben dafür zwei Klos, einmal mit Urinal und einmal mit Frauen und Diversen. Meine kurze Befragung bei 10 Frauen ergab: 10mal NEIN.“ Die Linke-Fraktion hat darum jetzt einen Antrag auf Rückbau des Unisex-WCs zum Klo mit getrennten Toiletten in den Fachausschuss der Bezirksversammlung Eimsbüttel eingereicht – Antragstitel: „Frauentoiletten müssen Frauentoiletten bleiben. Basta!“

Im neuen 460.000-Euro-Unisex-WC an der Alster müssen Frauen und Männer sich ein Klo teilen. (24hamburg.de-Montage)

„Geschützte WC-Bereiche für Frauen“ werden gefordert

In Hamburg gibt es 133 öffentliche Toiletten, ohnehin schon zu wenig – und Wildpinkler machen sich breit, weil es an stillen Örtchen in der Hansestadt mangelt. Einige der WCs sind inzwischen als Unisex-Variante, sprich: gender-neutral, eingerichtet. Die Forderung des Linken-Politikers Gutzeit: „Gendertoiletten nur da, wo sie als Zusatzangebot wie im Bezirksamt Eimsbüttel geschaffen werden. Aber solange es Gewalt gegen Frauen gibt, muss es auch geschützte Toilettenbereiche für Frauen geben“, so Gutzeit, „diese unsinnige Umgestaltung eines Frauenklos zu einem nicht notwendigen Unisexklo am Alsterufer kann ich nur als völlig gaga bezeichnen.“ Dass es durchaus auch Gewalt gegen genau die Menschen gibt, für die es eine gender-neutrale Toilette überhaupt erst gibt – davon leider kein Wort.

Klo-Kampf der 460.000 Euro-Toilette geht in die zweite Runde

Dabei hatte die gerade erst abgeschlossene Sanierung für stolze 460.000 Euro des öffentlichen Klos am Alsteranleger zur nun barrierefreien Unisex-Toilette schon im Vorfeld für hitzige Diskussionen in der Bezirksversammlung Eimsbüttel gesorgt. Nun beschäftigt der WC-Kampf die Lokalpolitiker erneut – und geht in die zweite Runde. Man könnte fast meinen es ginge hier ähnlich um Leben und Tod wie beim Chaos-Gedränge auf der Alster, das Experten zufolge bald Todesopfer fordern wird.

Männer-Frauen-Unisex-WC: In Zukunft eine Grundsatzfrage?

Fragt sich, welche Haltung im Kampf ums Klo-Recht die Grünen zukünftig einnehmen: Schließlich hat Annalena Baerbock jüngst sogar eine Gender-Polizei gefordert, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Nur hat die wohl naturgemäß, sprich: biologisch, noch ihre Grenzen. Zum Beispiel das Gender Institute der Australian National University in Canberra schlägt dennoch vor, es solle nicht mehr Mutter oder Vater, sondern „Austragendes Elternteil“ und „Nicht-gebärendes Elternteil“ heißen und eine neue Erziehungsbewegung in den USA geht so weit, Kinder komplett gender-neutral und ohne Geschlecht aufwachsen zu lassen. Es geht eben längst nicht mehr um Biologie – sondern um Rolle(nzuschreibung) und Verständnis von Geschlecht als soziales Konstrukt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Schmies/sedatseven/IMAGO

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