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Wahnsinn geht weiter: Mehr E-Bikes – noch mehr Chaos? „Brauchen klare Regeln“

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Von: Jan Knötzsch

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Hamburgs Straßen und - leider auch Gehwege - sind voll von E-Scootern, E-Bikes und E-Mopeds. Es werden noch mehr. Die Politik ist alles andere als „amused“.

Hamburg – Es liest sich zunächst einmal banal: Hamburg bekommt nach dem 25. Juli 2022 tausende neue E-Bikes. Dann startet der Anbieter „Bolt“ seine Flotte mit 500 E-Bikes. Klingt gut für all die, die in der Staustadt Hamburg aufs Auto verzichten wollen. Nur etwas mehr als eine Woche nach „Bolt“ gibt dann auch „Tier“ Gas – mit E-Bikes, versteht sich. Der Anbieter will, so berichten die Mopo und die Bild-Zeitung, 1500 E-Bikes in der Hansestadt Hamburg an den Start bringen. Beide beziehen sich auf ein Papier, das von der Hamburger Verkehrsbehörde kommt.

Des einen Freud ist dabei des anderen Leid: Nicht selten, nein: regelmäßig, „müllen“ E-Bikes, E-Roller und E-Scooter in Hamburg, wo selbst die Polizei auf E-Fahrzeuge setzt und E-Scooter für über 100 Beschwerden sorgten, die Gehwege voll. Stolperfallen auf den Bürgersteigen sind an der Tagesordnung, weil das Chaos regiert: Kaum jemand stellt die E-Roller, E-Bikes oder E-Scooter vernünftig weg. Von der Rücksichtslosigkeit, mit der die Fahrer dieser Gefährte unterwegs sind, einmal ganz zu schweigen. Die Politik wettert nun gegen das Vorhaben, noch mehr E-Bikes in Hamburg einzusetzen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1.852.478
Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Gehwegs-Chaos dank E-Bikes, E-Rollern und E-Scootern: So viele gibt es in Hamburg

Zuerst einmal zu den Fakten: Bei den neuen E-Bikes, die bald zum Bild auf den Straßen Hamburgs zählen werden, handelt es sich um Pedelecs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Sie werden in einer Kombination aus elektronischem Antrieb und Muskelkraft betrieben, und sollen an den bisherigen E-Scooter-Stationen angeboten werden. Auch ohne die Erweiterung der beiden Anbieter gibt es schon jetzt 17.000 E-Scooter auf Hamburgs Straßen, dazu 2000 E-Roller, berichtet die Bild-Zeitung, während die Hamburger Morgebpost bei den E-Bikes – Anfang des Jahres explodierte ein E-Bike in einer Siedlung – die Zahl 4500 des Anbieters „Lime“ nennt.

E-Bikes des Herstellers Tier stehen auf einem Gehweg herum.
Ein Bild, wie es in Hamburg nicht an der Tagesordnung ist: E-Bikes des Herstellers Tier stehen geordnet nebeneinander – in der Hansestadt werden sie ebenso wie E-Roller oft einfach wild liegengelassen. © Jürgen Ritter/imago

Dass die neuen E-Bikes, so wie geplant, an den E-Scooter-Stationen wieder abgestellt werden, hält Gabor Gottlieb für wenig realistisch – und dürfte damit nicht wenigen Hamburgern aus der Seele sprechen, für die wild auf den Gehwegen rumliegende E-Roller, E-Bikes – ein Jugendlicher flüchtete auf einem selbstgebauten E-Bike vor der Polizei – oder E-Scooter schon längst mehr als nur der berühmte Dorn im Auge sind, „Es kann nicht sein, dass Bürgersteige und Straßen immer weiter mit Fahrzeugen voll gestellt werden. In vielen Städten werden die E-Flotten längst wieder verkleinert“, sagt der Fraktionschef der Eimsbütteler SPD laut Bild-Zeitung.

Chaos in Hamburg wegen E-Bikes, E-Rollern und E-Scootern: Stadt muss verhindern, dass es zu „Wildwuchs ohne klare Regeln kommt“

Eine sogenannte Selbstverpflichtung der Anbieter, um genau dieses Chaos an E-Rollern, E-Scootern, die auch schon mal die Alster vermüllen, und E-Bikes auf Hamburgs Bürgersteigen in den Griff zu bekommen, hat bislang nichts gebracht. Schlicht und einfach, weil die Behörden in Hamburg es nicht kontrollieren. „Es darf in Hamburg nicht so weit kommen, dass private Anbieter den öffentlichen Raum vollständig kommerzialisieren“, poltert SPD-Mann Gabor Gottlieb aus Eimsbüttel, wo die dortige Bezirksversammlung gerade den Grundstein für das „Oben-ohne-Baden“ für alle gelegt hat und fordert: „Statt immer mehr Fahrzeuge, brauchen wir klare Regeln für die Benutzung und das Abstellen.“

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Etwas, das schon bei den E-Scootern nicht so richtig klappt. „Gerade angesichts des knappen öffentlichen Raums gilt: Gehwege sind für die Menschen da und dürfen nicht zweckentfremdet werden, erst recht nicht für gewerbliche Ziele“, sagt SPD-Mann Gabor Gottlieb und spricht davon, dass eine klare Strategie her müsse, die verhindert, dass es zu „einem Wildwuchs ohne klare Regeln kommt“. Seine Vorbilder für Hamburg? Städte wie Düsseldorf und Frankfurt, die das Angebot an E-Bikes, von denen in Hamburg eines schon mit der HVV-Linie U3 kollidierte, E-Scootern und E-Rollern mit Gebühren und Sondernutzungsgenehmigungen regulieren.

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