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Vorbild Singapur: Müssen ungeimpfte Corona-Patienten Behandlung bald selbst zahlen?

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Von: Kevin Goonewardena

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Corona-Patienten, die sich hätten, impfen lassen können, müssen in Singapur bald Kosten für ihre Behandlung übernehmen. Eine Idee auch für Deutschland? Experten äußern sich.

Hamburg – Der asiatische Stadtstaat Singapur ist weltweit für seine strikten Regeln bekannt. Bei Drogenkonsum oder -handel droht die Todesstrafe, astronomische Bußgelder werden beim sorglosen Wegwerfen von Kaugummi oder Zigarettenstummeln auf öffentlichen Straßen und Plätzen fällig. Nun geht Singapur auch bei der Bekämpfung von Corona eigene Wege: Ab dem 08. Dezember werden alle ungeimpften Corona-Patienten die Behandlungskosten in Rechnung gestellt.*

Zumindest teilweise. Der Gedanke dahinter: Die Infizierten hätten durch eine Impfung einen schweren Verlauf verhindern können und sind bei ausbleibender Impfung eben Mitschuld daran, dass sie medizinisch behandelt werden müssen. Dabei ist die Impfquote mit 87 Prozent in dem Sechs-Millionen-Einwohner Staat erheblich höher als in Deutschland. (aktuell rund 67 Prozent). Dennoch: Ist das Singapur-Modell auch eines für Hamburg oder Deutschland?

Name:Singapur
Fläche:728,6 km²
Einwohner:5,704 Millionen
Corona-Impfquote:Rund 87 Prozent

Übernahme von Behandlungskosten durch ungeimpfte Corona-Patienten: Das sagen Experten

Gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ äußerten sich nun verschiedene Experten zu dem Weg, den Singapur nun beschreiten wird. Der Wettbewerbsexperte Justus Haucap, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, kann sich zwar auch vorstellen, dass Ungeimpfte ihre Behandlung selbst zahlen müssen. Doch mehr als das ist für den Experten eine prozentuale Kostenbeteiligung von freiwillig Ungeimpften bei Erkrankung an dem Coronavirus vorstellbar. Haucap nennt in dem Blatt die beispielhafte Zahl von 20 Prozent.

Auf einer Intensivstation wird ein Patient wegen des Coronavirus behandelt.
Müssen ungeimpfte Corona-Patienten ihre Krankenhausrechnung bald selbst zahlen? © imago

Der Ökonom Jan Schnellenbach gibt in der „Welt“ zu Bedenken, dass es gegen das Prinzip der Krankenversicherung laufen würde, bei der Kostenübernahme die Frage zu stellen, ob ein Patient selbst für seine Krankheit verantwortlich sei. „Herzkrank und adipös, Rückenschmerzen wegen Bewegungsmangel, Skiunfälle? Wo hören wir da auf?“, fragt Schnellenbach und verdeutlicht ein weiteres Problem: Die Frage wäre ein Fass ohne Boden und kaum zu klären.

Übernahme von Behandlungskosten durch Ungeimpfte: Kein geeignetes Mittel für höhere Impfquote

Auch der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts IMK, Sebastian Dullien, äußerte sich zu der Idee, Ungeimpfte selbst für ihre Behandlung zahlen zu lassen. Er sähe in dem Vorschlag nur einen Vorteil, wenn die drohende Kostenübernahme die Ungeimpften dazu bringen würde, sich impfen zu lassen. Doch das, so Dullien, sei zweifelhaft. Gegenüber der „Welt“ erklärt er auch warum.

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„[...] weil unter den Ungeimpften zwei Gruppen besonders stark vertreten sind: jene, die Wahrscheinlichkeiten und Risiken unrealistisch einschätzen, und jene, die schlecht informiert sind. Beide Gruppen dürften sich kaum durch die Drohung der Übernahme von Behandlungskosten zur Impfung bewegen lassen.“ Ob die Idee in Deutschland breiter diskutiert oder sogar in Zukunft umgesetzt, ist damit jedoch noch nicht gesagt. *24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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