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Oligarchen Hamburg: Verwirrung um angebliche Beschlagnahmung von Yacht!

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Von: Jakob Koch

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Bis vor kurzem lag die Yacht von Wladimir Putin in Hamburg, die anderer Oligarchen befinden sich noch im Hafen. Was passiert mit ihnen?

Hamburg – Verwirrung um die Yachten der Oligarchen in Hamburg: Die Aufregung war groß, als am Dienstag, 1. März 2022, Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) vorgeprescht war und über den Hamburger Hafen behauptet hatte: „Sie können davon ausgehen, dass ab jetzt keine Yachten mehr herausgehen.“ Westhagemann bezog sich dabei auf das Aussetzen der automatischen Überlassung von Waren nach Russland, was jedoch etwas anderes ist als Sanktionen gegen Oligarchen. Denn das bedeutet nur, dass Waren, die nach Russland gehen oder von dort kommen, nun beim Zoll angemeldet werden müssen.

Doch da war es schon zu spät. Weltweit schossen Spekulationen ins Kraut, dass nun die erste Yacht russischer Oligarchen in Deutschland beschlagnahmt worden ist – auch das „Forbes“-Magazin wollte das erfahren haben (siehe Update vom 3. März 2022). Der Hamburger Zoll ging erst einmal auf Tauchstation, verwies auf das Bundeswirtschaftsministerium, das seinerseits zunächst im Ungefähren blieb. „Was die Yachten betrifft, so kann ich über den Sachverhalt hier natürlich nichts sagen, weil er im Einzelnen geprüft werden muss“, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Oligarchen Hamburg: Yacht laut Wirtschaftsbehörde „nicht beschlagnahmt worden“

Am Donnerstag, 3. März 2022, dann schaffen das Bundesministerium und die Hamburger Wirtschaftsbehörde Klarheit. „Nach unserer Kenntnis ist die Yacht nicht beschlagnahmt worden“, sagt die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. Bislang gebe es auch keine derartige behördliche Anordnung. Gleiches ist aus dem Bundesministerium zu hören.

Was die Beschlagnahme von Yachten russischer Oligarchen anbelangt, hat Frankreich gegenüber Deutschland nun die Nase vorn. Der französische Zoll hat in der Nacht zu Donnerstag die Yacht eines Unternehmens festgesetzt, dessen Hauptaktionär den Angaben zufolge auf der Sanktionsliste steht. Das Schiff habe zu Beginn der Zollkontrolle an der Mittelmeerküste unweit von Marseille noch auslaufen wollen, hieß es. (Update vom 4. März 2022)

WerftBlohm + Voss
Gründungsdatum:5. April 1877
Mitarbeiterzahl:Circa 600 (Stand 2019)
Hauptsitz:Hamburg-Steinwerder

Update vom 3. März 2022:

Einem Bericht des „Forbes“-Magazins zufolge sollen die Behörden nun offenbar die 540-Millionen-Euro-Yacht „Dilbar“ des russischen Milliardärs Alischer Usmanov beschlagnahmt haben! Eine offizielle Stellungnahme des Hamburger Senats oder der Werft Blohm + Voss gibt es aber noch nicht.

Ursprungs-Version des Artikels vom 2. März 2022:

Geht jetzt alles ganz schnell? In Hamburg liegen derzeit die sündhaft teuren Luxus-Yachten russischer Oligarchen. Angesichts des Kriegs in der Ukraine werden nun Forderungen laut, die Schiffe festzusetzen – und tatsächlich hat der Hamburger Senat reagiert. Doch zunächst der Reihe nach: Laut übereinstimmenden Medienberichten liegen derzeit mehrere Schiffe in Hamburg, die russischen Oligarchen gehören sollen. So etwa die „Dilbar”, die dem Bergbau-Mogul Alischer Usmanow zugeschrieben wird. Außerdem die „Luna“, die Öl-Milliardär Farkhad Akhmedov einst vom scheidenden FC Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch kaufte.

Krieg in der Ukraine: Linke fordert Hamburg auf, Oligarchen-Schiffe festzusetzen

Was wirklich im Dock der Werft Blohm + Voss vor sich geht, ist traditionell eher ein Geheimnis statt eines offenen Buches. „Wir bitten um Verständnis, dass wir hierzu keine Stellungnahme abgeben”, sagte ein Sprecher der Muttergesellschaft Lürssen gegenüber shz.de zum Stand der Dinge. Erst kürzlich war die Hamburger Werft von massivem Stellenabbau und extremer Umstrukturierung bedroht.

Die Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft forderte nun den Senat auf, diese Schiffe festzusetzen. „Wer die Putin-Administration treffen will, trifft am Besten die Mitglieder der Finanzelite, die seit Jahren Putins Unterstützer und Wegbegleiter waren und sind“, sagt Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir, die kürzlich am Flughafen festgehalten wurde, in einer Mitteilung der Fraktion. Die 34-Jährige fordert etwa, die „Dilbar“ in Beschlag zu nehmen. Der Besitzer wird seit kurzem auf der Sanktionsliste geführt.

Özdemir dazu: „Was liegt denn näher, als diese Oligarchen-Yacht in Beschlag zu nehmen? Mit einem Wert von über einer halben Milliarde Euro täte diese Sanktion auch richtig weh. Und es würde mit Usmanow einen Oligarchen treffen, der viele manipulierende und kreml-gesteuerte Medien besitzt – also genau den Richtigen“, sagt die Chefin der Hamburger Linksfraktion. In einer „kleinen Anfrage“ hat die Fraktion den rot-grünen Senat zur Festsetzung befragt. Die Antworten stehen noch aus. (Lesen Sie hier die Anfrage im Original als PDF: „Usmanow-Yacht ‚Dilbar‘ festsetzen“)

Die Luxusyacht Dilbar im Werfthafen in Hamburg
Die 800 Millionen Euro teure Yacht „Dilbar“ des russischen Milliardärs Alischer Usmanow liegt im Werfthafen von Blohm+Voss. © Hanno Bode/imago

Putins Yacht in Hamburg: „Graceful“ vor Beginn der Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine rausgeholt

Der Senat reagierte bereits auf die Lage, berichten Hamburger Medien übereinstimmend. Sie zitieren Wirtschaftssenator Michael Westhagemann: „Sie können davon ausgehen, dass keine Yacht mehr aus dem Hafen rausgeht“. Aber: Letztlich entscheidet das der Zoll. Einfacher ging es da noch Putins Yacht in Hamburg: Das gut 80 Meter lange und 2800 Tonnen schwere Schiff wurde Anfang Februar aus Hamburg ausgeführt – also noch vor Beginn der Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine.

Krieg in der Ukraine: Etwa 100 Schiffe der Welthandelsflotte laut Reederverband im Kriegsgebiet

Unterdessen befinden sich nach einer Schätzung des deutschen Reederverbandes noch etwa 100 Schiffe der Welthandelsflotte im Schwarzen und im angrenzenden Asowschen Meer. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) geht davon aus, dass darunter auch mehrere deutsche Schiffe sind, wie VDR-Präsidentin Gaby Bornheim am Mittwoch sagte. Details zu Namen der Schiffe und betroffenen Reedereien will der Verband aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

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„Wir fordern, dass alle Schiffe mit ihren Crews die Konfliktzone unbeschadet verlassen dürfen“, sagte Bornheim. „Russland muss die Freiheit der Schifffahrt respektieren. Unbeteiligte Handelsschiffe dürfen nicht angegriffen werden.“ Die Reederpräsidentin appellierte an die Kriegsparteien, „sicherzustellen, dass – neben der ukrainischen Bevölkerung die Männer und Frauen an Bord, gleich welcher Nationalität, nicht zu Opfern in diesem Krieg werden“.

Ukrainische und russische Seeleute stellen nach VDR-Angaben auch auf den Schiffen der deutschen Handelsflotte einen wichtigen Teil der Besatzungen. „Geschätzt insgesamt etwa 5000 Seefahrer aus beiden Ländern leisten ihren Dienst an Bord, aktuell teilweise auch an Bord desselben Schiffs“, berichtete der Verband. (mit dpa-Material) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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