Vorreiter: Niedersachsen

Vollständig geimpft: So geht es schrittweise zurück ins Leben

  • Andree Wächter
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Bayern drückt aufs Gaspedal: Geimpfte sollen Menschen gleichgestellt werden, die negativ auf Covid-19 getestet wurden. Diese Regelungen für vollständig Geimpfte planen Hamburg, Bremen und Niedersachsen.

Beim Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag hatte es indes noch keine Beschlüsse zum bundesweiten Umgang mit Geimpften und Genesenen und möglichen Erleichterungen bei den Corona-Beschränkungen für sie gegeben. Die Bundesregierung will nach einer Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommende Woche einen Vorschlag machen, sodass eine Verordnung am 28. Mai vom Bundesrat beschlossen werden könnte.

Einige Bundesländer geht dies nicht schnell genug. Sie machen ihre eigenen Regeln. Nach einem Beschluss des bayerischen Kabinetts werden vollständig Geimpfte im Freistaat von Mittwoch an Menschen gleichgestellt, die negativ auf Corona getestet wurden. Auch andere Bundesländer wie etwa Rheinland-Pfalz und Hessen haben ihre Verordnungen bereits entsprechend angepasst. Niedersachsen war schon länger vorbereitet. Und auch in Bremen und Hamburg tut sich was.

Statt einem negativen Corona-Schnelltest können vollständig Geimpfte nun ihren Impfpass zeigen, um beispielsweise zum Frisör gehen zu können.

In Bremen waren bis Dienstag 55.151 Männer und Frauen oder 8,1 Prozent zweimal geimpft worden. In Hamburg waren es 114.562 (6,2 Prozent) und in Niedersachsen 524.992 (6,6 Prozent). In Deutschland waren 7,3 Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Nach dem Willen einiger Politiker sollen sie rasch ihr „normales“ Leben zurückbekommen.

Wer in Niedersachsen vollständig Geimpfte ist, ist laut der aktuellen Corona-Verordnung bereits von Schnelltestpflichten und Quarantäneauflagen befreit, betonte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). „Die ersten Schritte, die verantwortlich sind, haben wir in Niedersachsen bereits gesetzt, während andere Bundesländer noch darüber diskutieren.“

Die ersten Schritte, die verantwortlich sind, haben wir in Niedersachsen bereits gesetzt, während andere Bundesländer noch darüber diskutieren.

Gesundheitsministerin Daniela Behrens

Sie müssen zum Beispiel beim Friseurbesuch in Niedersachsen keine negative Testbescheinigung mehr vorlegen. In der Corona-Verordnung sei dies bereits seit dem 19. April geregelt, teilte die Staatskanzlei in Hannover mit. Die Voraussetzung: Die Corona-Schutzimpfung müsse mindestens seit 15 Tagen komplett abgeschlossen sein, dies sei durch den Impfpass oder die Impfbescheinigung zu belegen. Diese Regelung gelte auch für Hochinzidenzkommunen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, betonte die Staatskanzlei.

Dort muss sonst jeder auch beim Termin-Shopping, das bis zu einem Wert von 150 möglich ist, ein negatives Testergebnis vorlegen. Es genügt kein häuslicher Selbsttest, sondern das Ergebnis eines Schnelltests unter Aufsicht. In den Corona-Testzentren, die es in allen Kommunen gibt, kann sich jeder mindestens einmal in der Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Auch Apotheken testen mitunter und geben Zertifikate aus. Ungeimpfte benötigen in Niedersachsen einen negativen Testnachweis ebenfalls für den Besuch in Pflegeheimen, im Kosmetikstudio oder als Betreuungsperson von zulässigem Sport für Kinder.

Hoffnung für Geimpfte in Hamburg und Bremen

In Bremen gibt es noch keine Erleichterungen für vollständig geimpfte Personen. „Bei der Gesamtbetrachtung führt das zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bei nordbuzz.de*. Konkret bedeutet dies für Geimpfte zum Beispiel: Bei einem Besuch des Zoos am Meer in Bremerhaven müssen sie einen negativen Coronatest vorweisen.

Neidisch blicken die Hamburger ins Umland nach Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. „In Teilen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins bieten Kultur-, Freizeit- und Tourismusbranche schon wieder ein richtig schönes Stück Normalität“, schreibt das Portal 24hamburg.de*. Immerhin konnte das RKI am Mittwoch eine Inzidenz von unter 100 für den Stadtstaat vermelden. Mit 95,3 wies die Hansestadt den bundesweit zweitniedrigste Wert nach Schleswig-Holstein (70,3) auf. Insgesamt geht es bei mehr Freiheiten für Geimpfte in Hamburg eher schleppend voran, berichtet 24hamburg.de*.

Hoffnung, dass es in Hamburg ähnliche Regelungen geben könnte wie in Niedersachsen, machte Bürgermeister Peter Tschentscher. „Eine vollständig geimpfte Person kann sehr leicht gleichgestellt sein mit einer Person, die einen negativen Schnelltest hat“, sagte Tschentscher. Schwieriger sei es seiner Meinung nach bei der Frage, ob ein vollständig Geimpfter ohne Maske zum Frisör gehen könne.

Geimpfte spielen wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte Anfang April in einem Bericht an das Bundesgesundheitsministerium erklärt, „dass Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung wahrscheinlich keine wesentliche Rolle mehr spielen“. Die Einschätzung bezieht sich auf das Übertragungsrisiko „spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis“. Rechtsexperten sind sich schon länger darin einig, dass an einer schrittweisen Lockerung der Grundrechtsbeschränkungen für Geimpfte kein Weg vorbeiführt. * nordbuzz.dekreiszeitung.de, und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: PantherMedia / romrodinka

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