Tücken beim Test

Hitze verfälscht Testergebnisse: Corona-Chaos im Sommer möglich

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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Jeder kennt sie. Jeder nutzt sie. Weil er wissen will, ob der am Coronavirus erkrankt ist oder nicht. Doch Corona-Tests könnten im Sommer im großen Chaos münden.

Hamburg – Sie sind wichtig. Weil jeder wissen will, ob er mit dem Coronavirus infiziert ist oder eben nicht. Und weil mancherorts laut gerade gültiger Verordnung ein negativer Corona-Test vorgelegt werden muss, wenn man in Zeiten der Coronavirus*-Pandemie Räume betreten will. In Hamburg beispielsweise beim Friseur-Besuch*. In Niedersachsen in Regionen mit Inzidenzen zwischen 35 und 50 beim Besuch der Innengastronomie*. Die Corona-Tests sind also nahezu unverzichtbar. Doch droht genau in diesem Punkt im Sommer ein großes Chaos? Nicht nur im Norden. Sondern deutschlandweit.

Virus:Coronavirus
genauer Name:SARS-CoV-2
Klassifikation:Viren
Krankheit:Covid-19 (Einstufung als Pandemie: 11. März 2020)
erstmals aufgetreten:Ende 2019 in Wuhan, China

Corona-Tests: Experte hält Wärme beim Testen für „ein großes Problem“ – sind fehlerhafte Tests so schon vorprogrammiert?

Durchaus denkbar. Sagt Dr. Andreas Bobrowski. Und der muss es wissen. Der Mediziner ist Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte. „Die Wärme ist beim Testen ein großes Problem“, erklärt er via BILD-Zeitung und präzisiert: „Wenn Tests zu großen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind oder zu warm werden, funktionieren sie nicht mehr richtig und es kann zu Fehlbestimmungen kommen.“ Heißt also: Wer gar nicht infiziert ist, dem kann der Test dennoch anzeigen, dass er am Covid-19-Virus erkrankt ist.

Droht im Sommer ein Problem mit Corona-Test? Wenn sie zu großen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind oder zu warm werden, funktionieren sie nicht mehr richtig.

Die Folge: Die Inzidenzwerte – sie sinken in Hamburg* und Niedersachsen weiter und ziehen Lockerungen* nach sich – würden wieder ansteigen, weil irrtümliche Infektionen gemeldet werden. Der eine oder andere Getestete würde ungläubig zusätzliche Tests machen – vielleicht ja bei einem Testcenter, wo ausgedachte Tests abgerechnet werden*. Und weiter gedacht: Im schlimmsten Fall könnte es bei zunehmenden Corona-Kranken und ansteigenden Inzidenzwerten mit den Lockerungen* bald wieder vorbei sein und stattdessen vielleicht neuerliche Beschränkungen wie die Ausgangssperre* geben.

Corona-Test: Testzentren auf Wiesen, Feldern oder Zelten ein Problem – droht Horrorszenario?

Ein unrealistisches Horrorszenario oder schon bald Wahrheit?„Die Tests haben bestimmte Reaktionsbedingungen. Die sind ganz unterschiedlich. Aber in der Regel empfehlen die Hersteller für ihre Schnelltests Raumtemperatur“, erläutert Experte Dr. Andreas Bobrowski. „In unseren Laboren sind alle Bereiche klimatisiert und wir halten uns sehr genau an die vorgegebenen Temperaturen für die Testungen. In Testzentren auf Wiesen, Feldern oder in Zelten kann es im Sommer viel zu warm zum Testen werden“, befindet der Mediziner.

Wir sollten uns überlegen, ob es wirklich Sinn macht, die Leute auf diese Art jeden Tag durchzutesten.

Dr. Andreas Bobrowski, Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte

„Liegen die Tests auch noch in der Sonne oder in einer Tasche im heißen Auto, dann sind sie so aufgeheizt, dass kein vernünftiges Ergebnis mehr dabei herauskommen kann“, stellt der Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte unumwunden fest und schiebt hinterher: „Die Corona-Tests funktionieren dann nicht mehr, zeigen entweder ein falsch negatives oder falsch positives Ergebnis an.“ Gehen die Inzidenzwerte hoch – dann wären Präsenzunterricht in Schulen* oder Kitas im Regelbetrieb* schnell wieder Geschichte.

Corona: Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte will Großteil der Testzentren schließen lassen – Impfen und Imperfassung wichtiger

Schnell- und Selbsttests, die positiv ausfallen, müssten immer mit einem Labortest (PCR) überprüft werden, so Der. Andreas Bobrowski in der BILD-Zeitung. Die Zahl habe zugenommen, verrät er. Allerdings habe sich „mehr als die Hälfte der Fälle als falsch positiv herausgestellt.“ Die Forderung des Experten ist eindeutig: Das Testverfahren verbessern. Und das Zulassungsverfahren verschärfen.

„Wir sollten uns überlegen, ob es wirklich Sinn ergibt, die Leute auf diese Art jeden Tag durchzutesten. Manchmal ist weniger mehr“, so der Chef des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, „meiner Meinung nach sollten wir einen Großteil der Testzentren schließen. Alle anderen brauchen im Sommer dringend klimatisierbare Container.“ Der Ratschlag des Experten: Steuergelder lieber fürs Impfen und eine kluge Impferfassung verwenden – „das ist die Zukunft und jetzt wirklich wichtig.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Spicker/imago images & NurPhoto/imago images

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