Verfolgungsfahrt im Jenischpark

Irre Corona-Jagd: Beamte angezeigt – so sieht‘s der Polizeipräsident

Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer vor dem Polizeipräsidium. Im Hintergrund ein Streifenwagen.
+
Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer äußert sich zur Corona-Jagd von Beamten im Jenischpark. (24hamburg.de-Montage)
  • Johannes Nuß
    vonJohannes Nuß
    schließen

Polizisten brettern einen Teenie, der gegen Corona-Regeln verstößt, fast tot. Die Beamten sind angezeigt. Jetzt spricht Hamburgs Polizeipräsident über den Fall.

Update von Samstag, 6. März, 20:01 Uhr: Hamburg – Nach dem Polizeieinsatz gegen einen Jugendlichen, der wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Corona-Regeln im Jenischpark von Beamten mit einem Streifenwagen gejagt wurde und der anschließenden Anzeige gegen die am Einsatz beteiligten Polizisten, äußert sich Hamburgs Polizeipräsident zu den Vorkommnissen.

Dem Hamburger Abendblatt sagt Ralf Martin Meyer, dass die Verfolgungsjagd mit dem Streifenwagen durch den Park „taktisch ungeeignet, gefährdend und unverhältnismäßig“ sei. Zugleich vertritt Hamburgs oberster Polizist aber auch die Meinung, dass eine Verfolgung des Einsatzes mit strafrechtlichen Mitteln zu „falschen Erwartungen an die Strafrechtspflege“ führe. Aktuell ermittelt die DIE (Dienststelle für interne Ermittlungen).

Die Anzeige gegen die am Einsatz beteiligten Beamten soll laut Hamburger Abendblatt aus Berlin kommen. Aus Sicht von Polizeipräsident Meyer sei die „Anzeige wegen versuchten Totschlags völlig überzogen. Ich erwarte am Ende disziplinarische Konsequenzen, aber keine strafrechtlichen.“

Irre Corona-Jagd: Anzeige gegen Polizisten wegen versuchten Totschlags

Update von Freitag, 5. März 2021, 21:55 Uhr: Hamburg – Nach der wilden Verfolgungsjagd aus dem Jenischpark drohen den Beamten, die daran beteiligt waren, Konsequenzen. Der Jugendliche, der von einem Streifenwagen verfolgt wurde, hat eine Anzeige wegen versuchten Totschlags erhoben. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Das hat Staatsanwältin Liddy Oechtering der Bild-Zeitung bestätigt. „Aufgrund einer Anzeige eines Bürgers ist jetzt ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Nötigung anhängig. Der Sachverhalt wird aufgeklärt und rechtlich geprüft“, wird sie dort zitiert.

Laut der Sprecherin werden die Ermittlungen in diesem Fall bei der Staatsanwaltschaft gebündelt. Die Ermittlungen selbst werden vom Hamburger „Dezernat Interne Ermittlungen“ (DIE), das an die Innenbehörde der Hansestadt angebunden ist, geführt. Ein Sprecher der Behörde bestätigte dies der Bild-Zeitung: „Das DIE ermittelt in der Sache wegen Nötigung und prüft, inwieweit gegebenenfalls andere Tatbestände infrage kommen.“

Irre Corona-Jagd: Hamburger Polizei fährt Jugendlichen fast tot

Erstmeldung von Freitag, 26. Februar 2021, 10:59 Uhr: Hamburg – Was ist bloß mit diesen Beamten der Hamburger Polizei los? Polizisten sollen am Montag, 22. Februar 2021, gegen 16:25 Uhr einen Jugendlichen durch den Jenischpark gejagt haben, weil er gegen die Corona-Auflagen verstoßen haben soll, das berichtet die „Bild“-Zeitung am Freitag, 26. Februar, in ihrer Online-Ausgabe.

Auf einem Smartphone Video ist zu sehen, wie sich zunächst zwei Streifenwagen auf einer Grünfläche im Jenischpark in Othmarschen befinden. Eines der Fahrzeuge hat da bereits Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet und jagt zusammen mit zwei weiteren uniformierten Polizisten den laut „Bild“ 17-Jährigen.

Nicht nur, dass der Fahrer dabei fast seine beiden laufenden Kollegen mit dem hinteren Teil des Fahrzeugs abgeschossen hätte, auch dem Jugendlichen kommt das Fahrzeug gefährlich nahe. Im Video ist zu hören, wie kommentiert wird, dass das Auto den Jugendlichen berührt haben soll.

Doch damit nicht genug: Einen Augenblick später macht der Streifenwagen einen Satz nach oben, schlägt wieder auf die Rasenfläche auf und es ist zu sehen, wie ein großes Teil des Unterbodens abgerissen wird und durch die Luft fliegt. Der junge Mann verdrückt sich ins Gebüsch, wird aber von den anderen beiden Beamten weiterverfolgt. Der Streifenwagen nimmt den Fußweg.

Laut „Bild“-Zeitung wurde der junge Mann kurz darauf geschnappt. Und das alles nur wegen Corona! Der 17-Jährige war laut dem Bericht dabei beobachtet worden, wie er eine Corona-Regel gebrochen hatte. Er soll seine Freunde umarmt und eingeschlagen haben. Zudem trug er keinen Mund-Nasen-Schutz.

Als die Beamten ihn kontrollieren wollten, sprach er kurz mit ihnen und machte sich dann aus dem Staub. Polizeiintern soll der Vorfall jetzt aufgearbeitet werden. Den Jugendlichen erwartet eine Strafe von mindestens 150 Euro. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion