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Verdreckt, verwahrlost, zu wenig Geld für Pflege: Verkommt Planten und Blomen?

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Von: Jan Knötzsch

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Eigentlich ist es so etwas wie die „grüne Oase“ der Stadt. Doch Planten un Blomen in Hamburg wird immer dreckiger und maroder. Warum tut die Stadt nichts?

Hamburg – Der Ruf, der der Hansestadt Hamburg vorauseilt, ist nicht neu: Hamburg ist wegen des Hamburger Hafens nicht nur das Tor zur Welt. Nein, Hamburg ist auch die schönste Stadt der Welt. Sagen zumindest viele, die hier leben. Sagen aber auch die Touristen, die sich Jahr für Jahr in Hamburg einfinden – wenn nicht gerade die Coronavirus-Pandeme ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Spätestens zum Hamburger Hafengeburtstag, der im September 2022 stattfinden soll, werden die „Touris“ wieder in Scharen kommen.

Doch wer in Hamburg genauer hinschaut, der wird erkennen: Auch die vermeintlich schönste Stadt der Welt hat ihre Makel – und damit sind nicht der HSV oder der FC St. Pauli gemeint, die aktuell ja auch ziemlich gut spielen, sondern eher verdreckte, weil immer gut besuchte Orte wie die Reeperbahn. Aber auch ein Fleckchen Erde, das stellvertretend für die ganze Schönheit Hamburgs steht, scheint zum Makel zu werden: Planten un Blomen. Verkommt der Park?

Park in Hamburg:Planten un Blomen
Adresse:Marseiller Straße, 20355 Hamburg
Eröffnung:1930
Fläche:rund 47 Hektar

„Vorzeige-Park“ Planten un Blomen braucht mehr Pflege und Sanierungen: „Verbesserungswürdig –da gibt es keine zwei Meinungen“.

„Verbesserungswürdig – da gibt es keine zwei Meinungen“. Klarer kann man es nicht formulieren, wenn es um Planten un Blomen mitten in Hamburg – unweit der Messehallen oder aber des Stadtteils St. Pauli – geht. Die Worte stammen von Ralf Neubauer, dem Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte. Gesagt hat er sie gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Und der Anlass ist ein trauriger, wie nicht wenige Hamburger finden. In erster Linie geht es dabei um den Zustand von Planten un Blomen, wo nach zwei Jahren Pause nun wieder die Wasserlichtspiele stattfinden – dies ist aber nach Meinung vieler auch das einzig schöne an dem Park im Hamburger Stadtzentrum, der im Winter mit einer Eisbahn lockt.

Im Hintergrund die Hamburger Parkanlage Planten un Blomen, auf zwei kleinen Bildern eine gesperrte Treppe und ein zu voller Mülleimer.
Planten un Blomen: Der „Vorzeige-Park“ im Herzen von Hamburg wird immer mehr zum Schandfleck – wegen Müll, ramponiertem Rasen, gesperrten Treppen und ähnlichen Ärgernissen. (24hamburg.de-Montage, Symbolbild) © Westend61/Ralf Pollack/Frank Sorge/imago

Doch gerade jetzt, wo der Sommer anscheinend verfrüht schon einmal Einzug hält und in Hamburg im Mai bis zu 28 Grad drin sein sollen, ist in Planten und Blomen nicht alles Gold was glänzt. Vielmehr: Es glänzt eigentlich gar nicht mehr so viel in diesem Park, der so ein schönes Aushängeschild der Stadt sein soll – und es auch sein könnte. Wenn da nicht dieses große „Aber“ wäre, das derzeit fast schon unumgänglich in den Mund genommen werden muss, wenn man von Planten un Blomen spricht. Denn statt tollem Grün erblicken all die, die durch Planten un Blumen spazieren, dort ramponierte Rasenflächen. Von etlichen Baugittern, verdreckten und gesperrten Wegen oder aber überquellenden Mülleimern ganz zu schweigen.

Planten un Blomen: „Stoßen eher auf rotes Flatterband statt auf touristische Attraktionen und gepflegte Parkflächen“

Verdreckt, verwahrlost, zugemüllt – der „Vorzeige-Park“ verkommt mehr und mehr. Auch wenn die Zahl der Besucher nicht rückläufig ist, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Doch so richtig etwas tun will die Stadt Hamburg nicht gegen den Zustand. Zumindest nicht in dem Umfang, wie es sein müsste. Zwar hat eine sogenannte „kleine Anfrage“ der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft ergeben, dass die Erhaltung von Planten un Blomen eine hohe Priorität hat, doch das ist nur die eine Seite der Medaille: Die „kleine Anfrage“ der CDU hat ebenso offengelegt, dass „immer weniger Personal eingesetzt und weniger Budget verwendet wird“, wie das Abendblatt Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, zitiert.

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Laut Hamburger Senat waren bis 2013 noch 16 Mitarbeiter für die gärtnerische Pflege des Parks zuständig – heute sind es 13. Im Schnitt arbeiten dort acht Auszubildende. Zahlen und Zustände die Anke Frieling verständnislos zurücklassen. „Ich frage mich, warum sich diese Priorität nicht im Handeln niederschlägt. Wir stoßen in Planten un Blomen eher auf rotes Flatterband als auf touristische Attraktionen und gepflegte Parkflächen“, sagte sie jüngst dem Hamburger Abendblatt zur aktuellen Situation, die sich auch nicht großartig verändern wird. Sondern vielmehr allenfalls an ein paar Stellen.

Planten un Blomen immer dreckiger und maroder: Stadt Hamburg will Etat zur Pflege nicht erhöhen – wie schon seit Jahren nicht

Denn die Aussichten, dass er marode Park bald wieder in neuem Glanz erscheint und sozusagen eine Schönheitskur bekommt, sind gering. Und dem Bezirksamt Hamburg-Mitte, das für die Pflege von Planten un Blomen, wo es zuletzt ach ein Rattenproblem gab, verantwortlich ist, sind die Hände gebunden. Denn das Geld, das für die Pflege von Planten un Blomen dient, kommt von der Hamburger Umweltbehörde. Die hat – so Bezirksamtschef Neubauer gegenüber dem NDR – den Etat seit Jahrzehnten nicht in die Höhe geschraubt, auch wenn die Kosten gestiegen sind. Neubauer spricht von einer Herausforderung, sagt aber ebenso, er kenne die Haushaltslage der Stadt Hamburg.

So geht man nicht mit einer historisch bedeutsamen Parkanlage im Herzen der Stadt um.

CDU-Politikerin Anke Frieling im Hamburger Abendblatt zur Situation in Planten un Blomen

Die plant für 2023 und 2024 was die Pflege von Planten un Blomen inmitten des Herzens von Hamburg angeht, mit etwas mehr als 2,3 Millionen Euro pro Jahr. Klingt zunächst viel, ist es aber angesichts der Mängel, die Planten un Blomen aktuell eher zum verdreckten, vermüllten und verkommenen Schandfleck statt zum blühenden, begeisternden und beachtlichen Park machen, ganz offenbar zu wenig. „Ich frage mich, warum sich diese Priorität nicht im Handeln niederschlägt. Wir stoßen in Planten un Blomen eher auf rotes Flatterband als auf touristische Attraktionen und gepflegte Parkflächen“, hat CDU-Frau Anke Frieling zuletzt via Abendblatt treffend erklärt.

Planten un Blomen: Bezirksamt Hamburg-Mitte bemüht sich zumindest um kleine Veränderungen – und mehr Geld

Immerhin: Das Bezirksamt tut, was es kann und will sich in Sachen Panten un Blomen nun um zusätzliches Geld für die Sanierung undichter Wasserbecken bemühen. Darüber hinaus sollen zum Beispiel kleine Kanäle an den Wegen instand gesetzt werden. Es soll auch neuen Sand für die Spielplätze und neue Papierkörbe geben. Dennoch spricht CDU-Frau Anke Frieling im Hamburger Abendblatt das aus, was viele Hamburgerinnen und Hamburger denken: „So geht man nicht mit einer historisch bedeutsamen Parkanlage im Herzen der Stadt um.“

Schon gar nicht in der angeblich schönsten Stadt der Welt.

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