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An 81 Kitas in und um Hamburg soll es kein Fleisch mehr geben

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Von: Kevin Goonewardena

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81 Kitas in und um Hamburg sollen auf Fleisch und Fisch verzichten. Stattdessen soll es vegetarische Gerichte geben. Das sorgt für Kritik.

Hamburg – Die Kindertageseinrichtungen des Kirchenkreises Hamburg-Ost werden in Zukunft auf Fleisch und Fisch zu den Mahlzeiten verzichten und nur noch vegetarische Gerichte anbieten. Betroffen sind 81 Kitas des Trägers, in dessen Zuständigkeitsbereich Einrichtungen von Harburg bis Bargteheide, von Eimsbüttel bis Geesthacht und damit über die Stadtgrenzen hinaus fallen. Der Verzicht auf Fleisch und Fisch soll das Klima schützen.

Name:Kirchenkreis Hamburg-Ost
Gebiet:Hamburg / Schleswig-Holstein
Gemeinden gesamt:109
Mitglieder:mehr als 370.000

Vegetarische Ernährung bald in diesen Hamburger Kitas

Wann genau die Umstellung auf die Ernährung nach ovo-lakto-vegetarischen Grundsätzen stattfindet, das hänge maßgeblich von der Leitung der jeweiligen Kita-Einrichtung ab, schreibt das Hamburger Abendblatt. Für Einrichtung, die in die „Region D“ des Kirchenkreises fallen, greife die Umstellung allerdings bereits zum 01. Januar 2023. Zu dieser Region gehören alle fünf Kitas des Trägers in Geesthacht, außerdem Einrichtungen in Bergedorf, Nettelnburg, Lohbrügge, Vier- und Marschlande, Altengamme, Kirchwerder und Ochsenwerder auf Hamburger Stadtgebiet.

Vegetarisches Essen in Kitas des Kirchenkreises Hamburg-Ost: Klimaschutz als Begründung

Martin Kleinert, Bereichsleiter der Region D im Kirchenkreis Hamburg-Ost, begründet den Schritt mit dem Ziel bis ins Jahr 2025 CO2-neutral werden zu wollen. Dass in den Kindertagesstätten des Kirchenkreises für das Erreichen dieses Zieles zukünftig auf Fleisch- und Fischgerichte verzichtet wird, kommt nicht von Ungefähr. Der Maßnahme zur Umstellung auf vegetarisches Essen zugrunde liegt eine für alle Einrichtungen erstellte Klimabilanz, aus der hervorgeht, dass 42 Prozent aller freigesetzten Treibhausgase aus dem Lebensmittelverkehr im Allgemeinen herrühren, ein Großteil davon entfalle wegen der Futtermittelherstellung und Viehhaltung auf das verzehrte Fleisch.

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Viele Kitas servieren ihren Kindern Fisch und Fleisch – in einigen Hamburger EInrichtung wird darauf künftig verzichtet (Symbolfoto) © Zoonar / Imago

Vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern: Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen

Die Meldung, dass in allen Freiburger Schulen zukünftig nur noch vegetarische Mahlzeiten angeboten werden, hatte erst im vergangenen Monat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Argumente der Fleisch-Befürworter, die nach solchen Meldungen aufkommen, beruhen dabei stets auf längst widerlegten Mythen und einem falschen Verständnis der Aufgabe des Staates. Widerlegt ist der früher selbst durch die Deutsche Lebensmittelgesellschaft vertretene Annahme, Fleisch würde zu einer ausgewogenen Mahlzeit gehören und dementsprechend Menschen, insbesondere Kinder, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, an Mangelerscheinungen leiden.

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Eine aktuelle vergleichende Untersuchung zwischen Kindern, die sich von Mischkost, vegetarisch und vegan ernähren, konnte keine signifikanten Unterschiede in der Versorgung mit Hauptnährstoffen und Vitaminen klarstellen. Vegetarier und Veganer ernähren sich dahingehend sogar insgesamt gesünder: sie greifen nämlich weniger zu Fertiggerichten, Knabberzeug und Süßigkeiten.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, in Kitas und Grundschulen für eine gesunde Ernährung nur vegetarische Gerichte anzubieten. Man kann in dieser Altersklasse - einen abwechslungsreichen Speiseplan vorausgesetzt - den Nährstoffbedarf mit vegetarischer Ernährung decken.

Prof. Gertrut Winkler, Hochschule Albstadt-Sigmaringen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur

Kritik an vegetarischem Konzept vom Elternbeirat: „Viele Familien werden zu Billigfleisch greifen“

Die Entscheidung des Kirchenkreises Hamburg-Ost, nur noch vegetarische Gerichte anzubieten, stößt auch auf Kritik. Das Hamburger Abendblatt zitiert Kathrin Zühlke vom Elternbeirat der Kita Am Spakenberg in Geesthacht mit den Worten: „Viele Familien, die nun finden, dass ihre Kinder wenigstens zum Wochenende Fleisch essen sollten, werden zu Billigfleisch greifen, weil sie sich anderes nicht mehr leisten können.“ In der Kita gebe es ökologisch gutes Fleisch, sagt Zühlke.

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