Anwohner stinksauer! 

„Urin, Kot und Kotze“: Rücksichtsloses Partyvolk bringt Chaos in die Schanze

Ohne Scham und Rücksicht randalieren Partymacher im Schanzenviertel in Gärten und Hauseingängen. Anwohner fühlen sich im Stuch gelassen – und wehren sich selbst.

Hamburg – Die Anwohner der Sternschanze wehren sich jetzt gegen das wütende Partyvolk. Zerbrochene Glasscherben, lautes Gegröle und menschliche Fäkalien in den Vorgärten – klingt zu ekelhaft, um wahr zu sein? In der Schanze ist dieser Zustand aber bittere Realität und die Anwohner haben im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll.

Seitdem das Schanzenviertel nach dem Lockdown mit einigen Einschränkungen wieder geöffnet hat, ist der Frieden, den die Anwohner für kurze Zeit genießen konnten, dahin. Zwar gibt es Auflagen, Regeln und Versuche der Politik, die Ruhestörung und den Vandalismus einzuschränken. Die Einwohner sehen darin aber noch wenig Erfolg und werden nun selbst aktiv.

StadtteilSternschanze
BezirkAltona
Einwohner8092 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte13.487 Einwohner/km²
Fläche60ha

Hamburger Schanzenviertel: Party-Gänger vandalieren in den Vorgärten

Ein ganzes Jahr war es coronabedingt still in der Hamburger Sternschanze. Seit dem Ende des Lockdowns darf im Schanzenviertel wieder gefeiert werden. Bis 23 Uhr können Party-Gänger in dem hippen Viertel in Bars und Clubs wieder essen, trinken und feiern – und das tun sie ohne jede Scham. Scheinbar aufgestaut hat sich die Lust nach Party, die nun vor allem die Anwohner mit voller Breitseite trifft.

Die wachen morgens – wenn nicht schon nachts durch Gegröle und zerschellende Bierflaschen geweckt – zu einem erschreckenden Anblick auf: Urin auf den Straßen, Kot in den Vorgärten, Erbrochenes im Hauseingang. John Rosenau, der ein Wohnhaus in der Rosenhofstraße bewohnt, empört sich gegenüber der MOPO: „Die vögeln auch in den Hauseingängen.“

Mit menschlichen Fäkalien musste sich der Anwohner ebenfalls schon auseinandersetzen: „Irgendjemand hat mir sogar mal auf meinen Rasen gekackt. Sie können sich nicht vorstellen, wie ekelig es ist, menschlichen Kot weg zu machen.“

Partygänger erleichtern sich in den Straßen: Anwohner der Sternschanze sind verärgert

Betrunkene werden gewalttätig – Anwohner müssen sich körperlich wehren

Auch Anwohner Frank, der ebenfalls in der Rosenhofstraße wohnt, kennt diese Probleme. Mit den schuldigen Vandalieren ist er sogar schon ein paar Mal zusammengestoßen. „Ich hatte vergangenes Jahr drei körperliche Auseinandersetzungen, weil ich mehrere Jugendliche in der Nacht darum bat, meinen Hauseingang zu verlassen.“

Angst vor Gewalt müssen die Anwohner also auch haben und Frank fühlt sich vor allem durch die Polizei Hamburg in Sachen Hilfestellung im Stich gelassen. Der Anwohner klagt gegenüber der MOPO, dass er die Polizei in der Vergangenheit schon oft verständigt habe. Mittlerweile habe er allerdings das Gefühl, dass diese es nicht mehr für nötig halte, für diese Zwecke ins Schanzenviertel zu kommen.

Kiosk-Besitzer Tuncay Simsek will mehr Einsatz von der Polizei sehen - nicht nur bei illegalen Corona-Partys. Nachdem seine 13-jährige Tochter von Betrunkenen belästigt wurde, fordert er Info-Stände der Polizei, bei denen Anwohner oder belästigte Besucher Hilfe bekommen können.

Mehr Unterstützung: Anwohnern reichen die Aktionen von Polizei und Politik nicht

Der Politik ist das Party-Problem in der Hamburger Sternschanze natürlich nicht unbekannt, doch die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen den Anwohnern nicht aus. „Um der Verschmutzung entgegenzuwirken, ist 2018 eine öffentliche Toilette aufgestellt worden“, erklärt Mike Schlink, Sprecher des Bezirksamts in Altona, gegenüber der MOPO. Für die Anwohner Karin und Peter, die schon seit den Neunzigern im Schanzenviertel leben, ist das aber nur ein trauriger Versuch – und für die Massen an Party-Gängern nicht ausreichend. Natürlich wolle nach ein paar Stunden niemand mehr auf diese Toiletten gehen. Nachbars Vorgarten riecht ja auch viel besser.

Auch das aktuelle Alkoholverbot ab 23 Uhr und regelmäßige Ordnungswidrigkeits-Kontrollen scheinen wenig zu helfen. Die Feienden verstecken sich laut Karin dann einfach in ein paar Nebenstraßen und feiern und trinken dort ungesehen weiter.

Stefanie von Berg, Bezirksleiterin in Altona, ist sich des Problems bewusst: „Anwohner sehnen sich nach Ruhe in ihrem Wohnquartier, während Gastronome auf möglichst viele Gäste hoffen. Und dann gibt es noch die Gruppe junger Menschen, die das Viertel als Treffpunkt auserkoren haben. Unsere Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Nutzungsansprüche der einzelnen Personengruppen so zu ermöglichen, dass ein Miteinander und kein Gegeneinander in der Schanze stattfinden kann.“ Eine richtige Lösung wurde bisher aber nicht gefunden.

Hamburger Schanzenviertel: Anwohner werden jetzt selbst gegen Partyvolk aktiv

Weil sie sich von Politik und Polizei im Stich gelassen fühlen, werden die Anwohner nun selbst aktiv. John Rosenau aus der Rosenhofstraße hat sich mit einigen Mitbewohnern zusammengetan und gemeinsam hat die Hausgemeinschaft in einen Flutlichtstrahler für ihren Vorgarten investiert. „Sobald nun jemand das Grundstück betritt, wird es unangenehm hell für die Person.“ Ein klein wenig sauberer sei der Vorgarten schon geworden.

Auch Karin und Peter sind kreativ geworden. Statt Strahlern hängen sie Plakate auf, auf denen sie mit Messages wie „Wenn du an die Wände Pee machst, ist es noch kein Streetart“ zu mehr Ordnung aufrufen. Die Plakat-Aktion erstreckt sich mittlerweile durch das Viertel und hat schon viele Beteiligte gefunden. „Die Maßnahmen des Bezirksamts reichen nicht aus“, erklärt Karin die Aktion, die dennoch wenig Wirkung zeige. Den Betrunkenen seien die Plakate egal. Die Kontrollen und das Alkoholverbot hätten die Lage zwar aktuell ein wenig gebessert, nach der Corona-Pandemie müsse aber noch immer eine andere Lösung gefunden werden. Eins steht fest: Den Anwohnern stinkt der Zustand ihres Viertels gewaltig. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hanno Bode/IMAGO & Waldemar Boegel/IMAGO & Dean Pictures/IMAGO

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