Trotz Nachlieferung von Biontech

Ungerecht! Senat und Ärzte gefrustet über Hamburgs langsames Impf-Tempo

  • Yannick Hanke
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Die Impfungen gegen das Coronavirus schreiten bundesweit rasant voran. Doch Hamburg hinkt deutlich hinterher. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) übt Kritik.

Hamburg – Gesundheitsminister Jens Spahn hat verkündet, dass die Impfpriorisierung ab Montag, 7. Juni 2021, fallen sollen. Ein Grund zur Freude auch für die Einwohner und Einwohnerinnen der Hansestadt Hamburg. Schließlich darf in diesem Fall jeder beim Hausarzt gegen das Coronavirus geimpft werden. Das einzige Problem: es muss natürlich ausreichend Impfstoff verfügbar sein. Hier fängt das Dilemma bereits an.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Vorwahl:040

Corona-Impf-Tempo in Hamburg: Hausärzteverband beklagt Impfstoff-Mangel

Denn wie die dpa berichtet, können die Hausärzte in Hamburg aufgrund eines Impfstoff-Mangels* kaum noch Termine für eine Erstimpfung anbieten. „Wir bekommen wenig bis gar keinen Impfstoff für Erstimpfungen“, heißt es von Jana Husemann. Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg spricht über eine prekäre Situation.

Das Schnecken-Tempo bei den Corona-Impfungen in Hamburg macht Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wütend. (24hamburg.de-Montage)

„Es gibt auch Praxen, die nicht einmal ausreichend Impfstoff für die anstehenden Zweitimpfungen bekommen haben“, sagt Jana Husemann gegenüber der dpa. Sowohl das Planen von Impfungen als auch das Einbestellen von Patienten sei deshalb fast unmöglich. Vor sechs Wochen, ausgehend vom 27. Mai 2021, haben die Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen begonnen. Zweitimpfungen mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna* sind nun fällig.

Corona-Impfstoff: Ausgleich-Lieferung von Biontech

Laut NDR 90,3 soll es allerdings eine Nachlieferung von Biontech zum Ausgleich für fehlende Impfdosen aus dem März geben. Bundesländer, die an ein Land mit hohen Corona-Inzidenzen angrenzen, hatten damals mehr Impfstoff bekommen. Die Hansestadt deshalb im Frühjahr zurückstecken. Dieses ungerechte Defizit soll nun ausgeglichen werden - allerdings nur mit 23.000 Dosen. Diese Zahl will NDR 90,3 aus dem Bundesgesundheitsministerium erfahren haben.

Falsche Impf-Hoffnungen: Impfwillige sitzen auf dem Trockenen

Bei AstraZeneca* beträgt der Abstand zwölf Wochen. Indes würde der Bund die Erwartung schüren, „dass alle bald ein Impfangebot bekommen, was mit dieser geringen Menge an Impfstoff momentan sicher nicht eingehalten werden kann“, merkt Jana Husemann an. Gleichzeitig steigt der Druck durch Urlaubsplanungen für den Sommer und die Wiedererlangung von Grundrechten durch Geimpfte*.

Die Impfwilligen „machen schon sehr deutlich, dass sie jetzt sehr bald geimpft werden wollen“, berichtet Husemann. Beschimpfungen seien „Einzelfälle, kommen aber auch leider vor“. Die Verteilung der Vakzinen sorgt vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstagnachmittag, 27. Mai 2021, auch bei Hamburg Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher für Unmut. Der SPD-Politiker kritisiert, dass sein Bundesland 40.000 Impfdosen zu wenig erhalten habe.

Ungerechte Impfverteilung in Deutschland: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher übt Kritik

„Die Impfverteilung in Deutschland ist ungerecht“, heißt es von Peter Tschentscher gegenüber dem „Spiegel“. Die Benachteiligung würde jede Woche größer werden, „es muss jetzt zügig einen Ausgleich geben“. In seinen Ausführungen verweist der Hamburger Senat auf das Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Die digitale Plattform vom BMG bietet Informationen rund um das Thema Corona-Schutzimpfung.

Bis zum 25. Mai 2021 seien knapp 1,1 Millionen Impfdosen nach Hamburg geliefert worden. Das seien jedoch 44.500 Dosen weniger, als das Bundesland entsprechend seinem Anteil an der Bevölkerung erhalten sollte. Peter Tschentscher warnt vor einem Ausgleich durch das BMG, da ansonsten im Hamburger Impfzentrum bereits im Juni keine Erstimpfungen mehr erfolgen könnten. Doch überwiegt die Skepsis beim Ersten Bürgermeister Hamburgs.

Geplante Liefermenge von Corona-Impfstoff wird verfehlt – Hausarztpraxen müssen Impfstoff abgeben

„Die vom Bund bis Ende Juni anvisierte Liefermenge von über 90 Millionen Impfdosen wird voraussichtlich deutlich verfehlt“, heißt es von Peter Tschentscher. Und: „Geliefert wurden bisher rund 51 Millionen Dosen“. Den größten Kritikpunkt sieht Tschentscher in dem Umstand, dass „neue Bevölkerungsgruppen zur Impfung aufgerufen [werden] und gleichzeitig die Priorisierung aufgehoben wird“. Die Hoffnung auf eine schnelle Impfung würde größer werden, die Enttäuschung aber auch.

„Was zusätzlich für Unmut sorgt ist, dass die Impfung von Kindern und Jugendlichen* schon fest eingeplant ist, obwohl es noch nicht einmal eine Zulassung beziehungsweise Einschätzung der (Europäischen Arzneimittelbehörde) EMA und (Ständigen Impfkommission) Stiko dazu gibt“, wird Jana Husemann von der dpa zitiert. Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Hamburg spricht von einer „Verschärfung und Mangelverwaltung“.

Ein Resultat angesparter Impfstoffdosen, die aus dem Impfstoffkontingent der Hausarztpraxen abgezogen werden*. In der Woche ab Montag, 24. Mai 2021, hätte Hamburg laut einem Behördensprecher rund 55.000 Impfdosen erhalten. Bis Ende Juni 2021 würde sich an der wöchentlichen Liefermenge nicht mehr allzu viel ändern. Quo vadis, Hamburg?
Transparenzhinweis: Die Information der Biontech-Nachlieferung von 23.000 Impfdosen wurde diesem Artikel am 27.5.2021 nachträglich hinzugefügt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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