Dramatische Zahlen

Studie: 80 Prozent der Deutschen leiden psychisch unter Corona-Regeln

  • Matthias Udwardi
    VonMatthias Udwardi
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Die sozialen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wurden bisher unterschätzt. Eine Online-Befragung der Asklepios-Kliniken ergab nun, dass zwei Drittel der Deutschen mental unter den Maßnahmen leiden.

Hamburg – Lange Zeit wurde die psychische Belastung durch die Corona-Lockdowns vernachlässigt. Das Institut Toluna hat nun im Auftrag der Asklepios Kliniken, die sich nun auch zum Thema Impfpflicht für Pflegepersonal positioniert haben, eine Online-Befragung durchgeführt. Das erschreckende Ergebnis: Zwei Drittel der Deutschen leidet mental unter der Pandemie. Dazu wurden bundesweit bisher 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt.

Name:Asklepios Kliniken
Gründer:Bernard große Broermann
Gründung:1984
Rechtsform:GmbH
Anzahl der Beschäftigten:45.000
CEO:Kai Hankeln (1. Mai 2016–), Thomas Wolfram (1. Mai 2016–)

Besonders Familien mit Kindern und vor allem junge Menschen sind sehr von den Corona-Maßnahmen betroffen. In beiden Gruppen gaben rund achtzig Prozent an, mittelmäßig bis stark an der Pandemie zu leiden. Dr. Christoph Herborn, der Chief Medical Officer (CMO) von Asklepios zeigt sich aufgrund der hohen Zahlen besorgt. „Das muss jetzt untersucht werden, um künftig in solchen Situationen nicht nur die körperliche Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen.“, betont der Mediziner.

Corona-Umfrage: Welche Einschränkungen belasten die Deutschen am meisten?

Vor allem der Wegfall der sozialen Kontakte schlägt über vierzig Prozent der Deutschen aufs Gemüt. Zweiunddreißig Prozent beklagen sich darüber, dass sie ihre Familienangehörigen nicht besuchen dürfen. Die Maskenpflicht und der Wegfall von kulturellen Angeboten sind für dreißig Prozent der Bevölkerung belastend. Hingegen ist die Mehrheit der Deutschen mit der Wohnsituation, dem Homeschooling und mit der Arbeit im Homeoffice zufrieden*.

Studie: Corona-Einschränkungen setzen vielen Deutschen auch psychisch zu. (24hamburg.de-Montage)

Fast alle Tätigkeiten, die die Befragten als wichtig für ihr mentales Wohlbefinden einstufen, waren von den Corona-Einschränkungen betroffen. Das Treffen mit Freunden, Restaurant- und Cafébesuche sowie Reisen waren in den Lockdowns kaum bis gar nicht möglich. Hingegen vermissten deutlich weniger Befragte das Einkaufen, Sport und Fitnesscenter, den Präsenzunterricht oder ihren Arbeitsplatz.

Corona-Umfrage: Viele Eltern sind durch Homeschooling völlig überlastet

Knapp die Hälfte aller Personen, die von zu Hause aus arbeiten und gleichzeitig ihr Kind im Homeschooling betreuen, geben an, stark psychisch belastet zu sein. Für sie überwiegen die Nachteile des heimischen Unterrichts. Fehlende technische Geräte, eingeschränkte soziale Kontakte und Entwicklungsräume sowie mangelnde körperliche Betätigung würden den Kindern ebenfalls psychisch zusetzen und soziale Ungleichheiten weiter steigern*. Durch die Überforderung der Eltern sehen viele auch die Eltern-Kind-Beziehung stark belastet.

Doch viele Befragte sehen durchaus auch die positiven Aspekte des Homeschoolings. Viele glauben, das Lernen zu Hause sei entspannter und individueller. Die Kinder könnten in einem angenehmen Tempo arbeiten und wären weniger abgelenkt. Einige Eltern sind auch der Meinung, dass sich die zusammen verbrachte Zeit positiv auf die Beziehung mit ihren Kindern auswirkt.

Corona-Umfrage: Wie zufrieden sind die Befragten mit dem deutschen Gesundheitssystem?

Die Teilnehmer der Online-Umfrage wurden zudem gebeten, das deutsche Gesundheitssystem mit Schulnoten zu bewerten. Im Durchschnitt wurde die Note 2,8 vergeben. Der Einsatz der Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte wurde mit 1,8 bzw. 1,9 benotet. Die Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen bekamen die Note 2,2. Die Verfügbarkeit der Intensivbetten bewerteten die Teilnehmer mit der Note 2,4 und die Versorgung auf den Intensivstationen wurde mit 2,1 beurteilt.

Alle Befragten, die aufgrund von Corona in Krankenhäusern behandelt werden mussten, benoteten diese im Durchschnitt sogar noch höher. Christoph Herborn ist begeistert: „Die Ergebnisse zeigen einmal mehr deutlich, dass das Personal deutscher Kliniken in der Corona-Pandemie einen phantastischen Job gemacht hat – und das haben die Menschen gemerkt“, freut sich der Mediziner. 

Die aufschlussreiche psychologische Studie läuft aber noch weiter. Die steigenden Teilnehmerzahlen und erweiterten Coronadaten sollen längerfristig auch konkrete Statistiken für die einzelnen Bundesländer, darunter auch Hamburg, ermöglichen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Westend61/IMAGO & Rene Traut/dpa

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