Tag des Versuchtiers

Coronavirus-Online-Demo: Tierschützer steigen wegen grausamen UKE-Versuchen auf die Barrikaden – virtuell

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Es sind klare Fronten in Hamburg, wenn es um das Thema Tierversuche geht: Schon lange kritisieren Tierschutzverbände das UKE für die Tierversuchslabore. Am Freitag, 24. April, am Tag des Versuchtiers, vielleicht sogar noch einmal mehr als sonst.

  • Morgen, am 24. April 2020, ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche.
  • Ein Bündnis aus Tierschutzvereinen startet Proteste - wegen des Coronavirus aber nicht draußen, sondern im Netz.
  • Kritisert wird seitens der Tierschützer u.a. schon länger die Durchführung von Tierversuchen am UKE in Hamburg.

Hamburg – „Kein neues Tierversuchslabor am UKE!“ stand auf den Schildern, die Hamburger Tierschützer am 16. Dezember letzten Jahres vor dem Rathaus in die Höhe hielten. Fast schon skurril, dass die Demonstranten schon vor der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise und der Maskenpflicht mit Atemschutzmasken auf die Straße gingen. Anlass für das Tragen der Masken war aber zu diesem Zeitpunkt ein gänzlich anderer: Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ machte sich gegen Tierversuche am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) stark. Auch diesen Freitag, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche wären Menschen bundesweit im Kampf gegen die Tierversuche auf die Straße gegangen – wäre da nur nicht diese Coronavirus-Krise.

16. Dezember 2019: Tierschützer des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ demonstrieren in Ärztekitteln und mit Plakaten vor dem Hamburger Rathaus gegen Tierversuche am UKE.

Internationaler Tag des Tierversuchs: PETA und Co. starten große Online-Demo

Wo finden Demonstrationen in Zeiten der Coronavirus-Sars-Cov-2-Pandemie statt, wenn die Menschen nicht auf die Straße ziehen können? Fridays For Future hat mit seinem digitalen Klimastreik bereits gezeigt, dass Proteste auch ins Netz verlegt werden können. * Tierschützer machen es jetzt ähnlich: Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche startet – anstatt draußen zu demonstrieren- eine große Online-Kampage zum Thema Tierversuche. Startschuss der digitalen Protestaktion ist der morgige „Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche“. 

Tag des Versuchtiers: Tierschützer starten Petionen, Online-Vorträge und Hashtag-Aktion

Ein Teil der Online-Protest-Aktion sind mehrere Webinare verschiedener Kooperationspartner -darunter auch PETA- zum Thema „Ausstieg aus dem Tierversuch“. Morgen startet die Vortragsreihe mit einem Diskussionsbeitrag zum Thema Coronavirus und tierversuchsfreier Forschung. „Ziel ist es, sachlich und fundiert die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass ein Ausstieg aus dem Tierversuch nötig und möglich ist“ informiert der Verein Ärzte gegen Tierversuche.

Zusätzlich zur Vortragsreihe wurde im Rahmen der Kampagne „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ eine Petition beworben, die sich für die Abschaffung von Tierversuchen in Deutschland ausspricht. Der Verein Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. erinnert im Rahmen des morgigen Tag des Versuchtiers an eine Online „Silent-Line“: Unter dem Hashtag #tierversucheohnemich sollen User ein Foto von sich in den sozialen Medien hochladen, auf dem sie mit einem ausgedruckten Aktionsschild ihre persönlichen Argumente gegen Tierversuche öffentlich machen können. Mit diesem Aktions-Monat will der Verein „über den Irrglauben Tierversuch aufklären“.

UKE Hamburg vs. „Ärzte gegen Tierversuche“ – zwei langjährige Fronten

Erst vor ein paar Monaten sorgten aufgedeckte Tiermisshandlungen im Hamburger Forschungslabor LPT * für viel Aufschrei bei Tierschützern. Das UKE, welches nach Informationen der „Zeit“ jährlich etwa 30.000 bis 40.000 Tiere für Tierversuche verwende, zeigte auf diesen Skandal Reaktion. „Unser Ziel ist es, die Anzahl an Tierversuchen am UKE und in der Medizin insgesamt zu reduzieren und perspektivisch ganz abschaffen zu können“ äußerte sich Hamburgs zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, die gleichzeitig im Kuratorium des UKEs sitzt, dazu. Mit einer neuen Professur sollen nun alternative Forschungsmethoden angegangen werden. Bis zu einer endgültigen Abschaffung könne es aber noch dauern.

Auf der Website des UKEs werden Tierversuche allerdings derzeit noch als alternativlos dargestellt. „Diese Forschung braucht Tierversuche. Ohne diese ist sie nicht möglich.“ sagt das UKE. Die Tierversuche am UKE würden aber nur durchgeführt werden, wenn keine alternativen Verfahren zur Arbeit mit Tieren verfügbar seien. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert dieses Vorgehen stark und plädiert für tierleidfreie Forschungsmethoden wie „Bevölkerungs- oder Patientenstudien, Zellkulturen, Multiorganchips und Miniorgane wie Miniherz oder Minihirn aus menschlichen Zellen“. Morgen, am Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche, können die Tierschützer ihre Meinung aufgrund der Coronaviruskrise zwar nicht öffentlich auf der Straße kundtun, aber dafür vielleicht ja sogar umso lauter im Netz.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa

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