Schwere Vorwürfe

Coronavirus-Tote im UKE: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

  • Laura-Marie Löwen
    vonLaura-Marie Löwen
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Die Lage im UKE spitzt sich weiter zu: Nachdem bereits drei Patienten auf der Krebsstation am Coronavirus gestorben sind, ermittelt nun die Hamburger Staatsanwaltschaft.

  • Im UKE gab es in jüngster Zeit vermehrte Coronavirus-Sars-Cov-2-Fälle auf der Krebsstation.
  • Drei UKE-Krebs-Patienten sind bereits an dem neuartigen Coronavirus gestorben.
  • Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt jetzt gegen das UKE wegen zwei eingegangener Strafanzeigen.

Hamburg - Die Fälle von Coronavirus-Patienten auf der Krebsstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben sich gehäuft. Bisher hat das UKE Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Doch jetzt muss das Universitätsklinikum mit Strafanzeigen kämpfen: Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) liegen der Hamburger Staatsanwaltschaft Strafanzeigen gegen Mitarbeiter des UKEs vor.

Coronavirus-Tote im UKE: Diese zwei Strafanzeigen liegen Hamburger Staatsanwaltschaft vor

Oberstaatsanwältin Nana Frombach spricht von zwei Strafanzeigen gegen das UKE, mit denen sich die Hamburger Staatsanwaltschaft derzeit beschäftigt. Zum einen wurde UKE-Verantwortlichen fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Zum anderen wurde eine Anzeige wegen versuchten Mords gegen eine Reinigungskraft des UKE erstattet. „Die vorgetragenen Sachverhalte werden von der Staatsanwaltschaft jetzt umfassend in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht geprüft. An die rechtliche Bewertung der Anzeigenerstatter sind wir dabei nicht gebunden.“ erklärte Frombach. Demzufolge könnten auch andere Tatbestände festgestellt werden.

Das UKE erklärte auf Anfrage des NDR, keine Informationen zu den Ermittlungen zu haben. Der „Spiegel" hatte zuvor berichtet, dass wohl eine Reinigungskraft für die Anfang April bekannt gewordene Infektion der rund 20 Patienten und 20 Mitarbeiter verantwortlich sein könne. Bisher wurde dieser Vorwurf von der Klinikleitung zurückgewiesen.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Coronavirus-Fällen auf der Krebsstation

Drei Krebs-Patienten sind im UKE bereits am Coronavirus gestorben

Erst am Montag bestätige das UKE den dritten Coronavirus-Todesfall auf der Krebsstation: Ein 47-jähriger Mann, der bereits an einer aggressiven Leukämieerkrankung litt, erlag den Auswirkungen des Coronavirus nach mehreren Schlaganfällen und schwerem Lungenversagen. „Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob Covid-19 ursächlich für den Tod des Mannes war“, erklärte das UKE. Zu den zwei weiteren Infizierten, die im UKE am Coronavirus verstarben, gehörten ein 80-jähriger Blutkrebspatient sowie eine 59-jährige Patientin mit Knochenmarkserkrankung.

Coronavirus auf der Krebsstation am UKE - gab es Lücken in den Meldeketten?

Mögliche Lücken im Informationsaustausch zwischen UKE und Gesundheitsamt werden bisher verneint: Auf einer Landespressekonferenz am Dienstagmittag sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, dass das Ausmaß des Coronavirus-Ausbruchs auf der Onkologie-Station des UKEs zunächst nicht abzusehen gewesen sei. Sie sei „fortlaufend vom Ärztlichen Direktor über das Infektionsgeschehen informiert worden“. Sie habe sich weiterhin darauf verlassen, dass die Meldeketten zwischen UKE und Gesundheitsämtern eingehalten werden. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks betonte auf der Pressekonferenz, dass das Gesundheitsamt nach der Meldung der Coronavirusfälle am 6. April auf der Onkologie direkte telefonische Vorgaben an das Klinikum übermittelt habe und die Einhaltung der Standards am 10. April auch vor Ort überprüft habe.

Nimmt das UKE die Coronavirus-Sars-Cov-2-Pandemie nicht ernst genug?

Erst kürzlich warnten UKE-Ärzte vor dem Ausbruch einer zweiten Coronavirus-Infektionswelle im Herbst, 24hamburg.de berichtete. „Für den Herbst sind wir unsicher“, erzählte Burkhard Göke, Internist, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE am 22. April. Die im Herbst beginnende Erkältungszeit könnte zu einer gefährlichen Mischung der normalen Grippe-Viren und dem Coronavirus beitragen. Den eigenen Warnungen zum Trotz sprachen sich UKE-Ärzte dann aber trotzdem für eine Lockerung der Coronavirus-Maßnahmen aus: „Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll wäre, dass wir Infektionen bei denen, die kein hohes Risiko haben, zulassen“, sagt der Klinikdirektor Ansgar Lohse.

Immer wieder wurde das UKE für zu lasche Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie kritisiert: Nach Informationen des Hamburger Abendblatts bemängelten Patienten und Mitarbeiter unter anderem den Infektionsschutz - beispielsweise sollen Abstände an Arbeitsplätzen in der Verwaltung nicht eingehalten worden sein. Vorgeworfen wird außerdem, dass Patienten bereits vor Bekanntgabe der Ergebnisse von Coronavirus-Tests verlegt wurden.

Das UKE kommuniziert hingegen, die Coronavirus-Lage im Griff zu haben: Am 23. postete das Klinikum ein Foto von einer genesenen Coronavirus-Patientin auf Instagram. „Sie kam mit einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion und konnte das UKE mit einem Lächeln verlassen“, heißt es unter dem Post.

Coronavirus in Hamburg: Das sind die jüngsten Entwicklungen

Während das UKE weiterhin versucht, die Ausbreitung des Coronavirus auf der Krebsstation zu verhindern, scheint sich die allgemeine Coronavirus-Lage in Hamburg ein wenig zu beruhigen. Auf einer Landespressekonferenz am Dienstagmittag sprach die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks von „sehr moderaten Zunahmezahlen“ und Bürgermeister Peter Tschentscher bezeichnete das Infektionsrisiko als „stabil“. Lediglich 24 Neuinfektionen wurden seit dem Vortag vezeichnet, insgesamt liege die Zahl der Fälle somit bei 4682 (Stand: 28. April 2020). Auch die seit Montag geltende Maskenpflicht werde von den Hamburgerinnen und Hamburgern weitestgehend akzeptiert, so Tschentscher. Alle weiteren Infos und Updates zum Coronavirus in Hamburg finden Sie in unserem Coronavirus-Ticker.

Deutlich positivere Signale abseits der Coronavirus-Krise sendete das UKE am 29. April: Womöglich könnte Wissenschaftlern am Klinikum bald ein Durchbruch in der Aids-Forschung gelingen.

dpa/lml

Rubriklistenbild: © Christian Charisius /dpa/picture alliance

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