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UKE: Suchtmediziner warnt Ampel-Regierung vor Legalisierung von Cannabis

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Von: Kevin Goonewardena

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Kiffen soll bald nicht mehr strafbar sein. Kinder- und Jugendmediziner laufen Sturm gegen die Pläne der Ampel-Regierung. Ein Mediziner aus dem Hamburger UKE warnt.

Hamburg – Es ist beinahe 20 Jahre her, da forderten TV-Entertainer Stefan Raab und der jamaikanische Musiker Shaggy in einem gemeinsamen Song „Gebt das Hanf frei!“ Nun wird der gleichlautende Ausspruch des Grünen-Politikers Hans Christian Ströbele, der dem Lied zugrunde liegt, wahr: Die Legalisierung von Cannabis ist im Koalitionsvertrag der Ampel festgeschrieben* – das Anliegen des Grünen-Ströbeles, der sich schon lange vor dem Song für die Freigabe von Cannabis einsetzte, ist damit durchgesetzt.

Dem Bund winken Dank der Steuern Milliarden-Einnahmen, viele Unternehmer wittern das große Geschäft. Doch vor allem Kinder- und Jugendmediziner protestieren. Darunter auch Prof. Dr. Rainer Thomasius, Leiter des Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Was genau fürchten die Mediziner und was fordern sie?

Rauschgiftdelikte in Deutschland 2020:365.753 polizeilich registrierte Fälle
Veränderung gegenüber dem Vorjahr:+ 1,7 Prozent
Meistgehandelte Droge 2020:Cannabis (58,8 Prozent aller gehandelten Drogen)
Am meisten verbreitete Staatsbürgerschaft Rauschgifthändler:Deutsch (74 Prozent)

Cannabis Freigabe: Mehr Jugendliche würden durch Freigabe öfter kiffen – was stört UKE-Professor daran?

Wie aus einem jetzt veröffentlichten Positionspapier der betreffenden Fachgesellschaften und Berufsverbände hervorgeht, über dass das Hamburger Abendblatt berichtet, waren die Wissenschaftler vor einer Entwicklung wie in den USA und Kanada wo der Besitz, Erwerb und Konsum von Cannabis in verschiedenen Bundestaaten seit einigen Jahren legal ist* ausgegangen. Das heißt, das Kiffen nicht mehr unter Strafe steht.

Alle Vorsätze, die Legalisierung mit einem bestmöglichen Jugendschutz zu verbinden, haben sich in vielen Legali­sierungsländern als Illusion erwiesen

Aus dem Positionspapier der Kinder- und Jugendmediziner

Konkret befürchten die Mediziner um den UKE-Medizinier Prof. Dr. Rainer Thomasius, dass nach einer Legalisierung mehr Kinder- und Jugendliche zum Joint greifen würden. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, die in dem Positionspapier zusammengefasst wurden, würden den erhöhten Konsum und die gestiegene Intensität des selbigen von Suchtmitteln nach dessen Freigabe belegen, so die Mediziner um den UKE-Arzt Prof. Dr. Rainer Thomasius.

Untersucht wurde dafür das Konsumverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ländern mit legalisierender und illegalisierender Gesetzgebung. Eine Suchtprävention funktioniere nur, so die Verfasser des Appels um den UKE-Arzt, bei gleichzeitiger Angebotsreduzierung. UKE-Mediziner Thomasius gehört zu den Mitinitiatoren des Papiers.

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Cannabis Freigabe: Folgeschäden bei Jugendlichen durch Kiffen enorm – UKE-Arzt gibt seine Einschätzung ab

Ein Verbot für Kinder und Jugendliche und eine generelle Prävention sei nach wie vor wichtig befinden die Ärzte um UKE-Mediziner Thomasius. Denn die Folgeentwicklung des Konsums von Cannabis wie etwa die Störung der Hirnentwicklung, das generelle Scheitern einer altersgerechten Entwicklung , aber auch depressive und Angststörungen, sowie Suizide unter dem Einfluss von Cannabis seien insbesondere bei Jugendlichen zu beobachten.

„Die Jugendlichen sind sehr viel sensitiver für diese Störungsbilder, weil die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist“, wird UKE-Mediziner Thomasius im Abendblatt zitiert. Auch Niedersachsens-Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatte erst kürzlich vor den Folgen der Freigabe für Kinder und Jugendliche gewarnt* und gegen die eigene Partei geschossen.

Drei Frauen ziehen an einem Joint
Cannabis soll bald freigegeben werden – das plant die neue Ampel-Regierung in Deutschland. Ein UKE-Suchtexperte spricht sich dagegen aus. © Paul Zinken/dpa

Cannabis Konsum in Deutschland auf niedrigem Niveau: Das sind die Zahlen –

Im europäischen Vergleich befindet sich der Cannabis-Konsum in Deutschland auf einem niedrigen Niveau. Nur 0,4 Prozent der Bevölkerung, so berichtet das Abendblatt, würden täglich Cannabis konsumieren. In den vergangenen 30 Jahren habe der Konsum hierzulande nicht signifikant zugenommen, wie Analysen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergeben, die seit drei Jahrzehnten repräsentative Konsummuster für Cannabis erhebt, so Thomasius. Der UKE-Arzt und seine Kollegen führen das auf die Drogenpolitik Deutschlands der Vergangenheit zurück.

Insofern besteht aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht überhaupt keine Notwendigkeit an diesem Erfolgskurs etwas zu ändern.

Prof. Dr. Rainer Thomasius, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Appell an die neue Ampel-Regierung: Cannabis Politik beibehalten – Kiffen soll weiter illegal bleiben

Die Appell-Verfasser fordern, dass Deutschland die bisherige Drogenpolitik weiterverfolgen soll – auch in Sachen Cannabis. Bei jener habe man bisher auf Suchtprävention, Behandlung und Schadensminimierung und auf Angebotsreduzierung gesetzt. Mit der Legalisierung und der damit verbundenen kontrollierten Abgabe an bestimmte Bevölkerungsgruppen würde letztgenannter Pfeiler der Drogenpolitik aufgeweicht werden.

Zudem sei die Suchtprävention, wie die eingangs erwähnten Untersuchungsergebnisse gezeigt hätten, nicht mehr in dem Maße erfolgsversprechend möglich. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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