1. 24hamburg
  2. Hamburg

UKE: Professor sicher – geht es so weiter, ist ein „Lockdown unausweichlich“

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Der Intensiv-Chef des Hamburger UKE äußerte sich nun zu einem möglichen Lockdown, 2G, Gründen für eine Nicht-Impfung und zu Maßnahmen, die er für am effektivsten hält.

Hamburg – Die vierte Corona-Welle ist in vollem Gange und sie ist heftiger, als alle Wellen zuvor. Schon jetzt knackt der Inzidenz-Wert täglich neue Negativrekordmarken, erste OPs in Kliniken deutschlandweit mussten verschoben, Patienten in andere Kliniken oder sogar Bundesländer verlegt werden* und auch das Gespenst der Triage geistert seit Wochen durch die Presse. Auch der Leiter der Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, kurz UKE, äußerte sich diesbezüglich besorgt. Nun nahm er gegenüber der Mopo in einem Interview Stellung zur Corona-Lage in Hamburg und warnte vor einer Welle weiterer Corona-Toter.

Name der Klinik:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Adresse:Martinistraße 52, 20251 Hamburg
Anzahl Mitarbeitende:14.100
Anzahl Betten:1738 (davon 210 im Universitären Herzzentrum Hamburg und 68 in der Martini-Klinik)

UKE: Intensiv-Chef Kluge sieht Hospitalisierungsrate und 2G skeptisch

Im Interview mit der Hamburger Zeitung äußerte sich der Chef der Intensivmedizin am UKE, Professor Stefan Kluge, skeptisch auf die Frage, ob 2G und die Hospitalisierungsrate, die nun als weiterer Wert zur Bestimmung der Corona-Lage und damit Bewertung der gegenwärtigen Corona-Maßnahmen herangezogen werden soll, ausreichen werde. In Niedersachsen steht die Zahl der Klinikeinweisungen bereits kurz vor einem kritischen Level*.

Stefan Kluge
Stefan Kluge spricht über einen möglichen Corona-Lockdown. (Archivbild) © Axel Heimken/dpa

Die Hospitalisierungsrate, so der Mediziner, sei ein Instrument aus der Vergangenheit, die Neuinfektionen dürfe man dabei nicht aus den Augen verlieren. Ob 2G ausreichen werde, auch da sei er skeptisch, so Kluge. Für am effektivsten hält er eine andere Maßnahme.

UKE: Intensiv-Chef Kluge sicher – „Lockdown das effektivste Mittel“

Einen erneuten Lockdown, wie gegenwärtig in Österreich*, sieht Stefan Kluge als das effektivste Mittel in der Pandemie-Bekämpfung an, wie er der Mopo gegenüber sagte. Doch der Mediziner weiß auch um das Image dieser Maßnahme und sieht aufgrund dessen Deutschland noch nicht bereit für einen neuerlichen Shutdown. Er warnt jedoch vor der Unvermeidbarkeit des wenig populären Schrittes:

Wenn wir alle gemeinsam die hohen Zahlen nicht bremsen, ist ein Lockdown unausweichlich.

Prof. Stefan Kluge, Leiter Intensivmedizin am UKE

UKE-Intensiv-Chef kritisiert Umgang mit der Pandemie

Obwohl wir alle impfmüde seien, so der Mediziner, der sich möglicherweise selbst mit einschließt, gelte es sich noch einmal zusammenzureißen. Besorgt zeigte er sich darüber, dass viele Bürger den Ernst der Lage für das Gesundheitssystem hierzulande offenbar nicht erkannt hätten. Debatten über einen sogenannten „Freedom Day“, das heißt, der Tag, an dem die Pandemie vorbei ist, oder das In-Frage-Stellen der Belastung der Krankenhäuser durch die Corona-Patienten, würden überhaupt nicht weiter helfen, so Kluge. Doch auch das Zusammenreißen klappe aktuell nicht.

24hamburg.de Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

UKE-Intensiv-Chef Kluge äußert sich zu ungeimpften Patienten auf der Intensivstation

Angesprochen auf die ungeimpften Corona-Patienten auf der Intensivstation des Klinikums, äußerte sich der Kluge zu den Gründen für die fehlende Impfung, die das Personal der Abteilung so fern möglich erfragen würde. Viele hätten Angst vor „obskuren Nebenwirkungen“, so der Mediziner oder davor, dass die Impfstoffe noch nicht ausreichend erprobt seien.

Knapp die Hälfte, so Kluge weiter, sei jedoch einfach zu „träge einen Termin zu machen“ oder gebe an, kein Impfangebot erhalten zu haben. „Eine relevante Anzahl“ spreche zudem kein Deutsch – gemachte Impfangebote kämen bei dieser Gruppe Mitbürger schlicht nicht an.

Die Coronazahlen sind sowohl in Hamburg (209, 5 und damit erstmals über 200), als auch in Gesamtdeutschland (386,5) am Wochenende auf neue Höchstwerte geklettert. In Niedersachsen haben bereits zehn Landkreise eine Inzidenz von über 200* erreicht. Möglich also, dass die Politik um einen Lockdown bald nicht herumkommt. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare