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UKE-Intensivpflegende streiken wegen Überlastung: Ab sofort keine Extraschichten mehr

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Von: Ulrike Hagen

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In einem Brandbrief fordert das UKE-Personal Entlastung – und kündigt Extraschicht-Streik gegen die Überlastung der Intensiv-Pflegenden ab 17. Dezember 2021 an.

Hamburg – So wie in allen Kliniken Deutschlands brodelt es gewaltig am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Auch dort hat die Corona-Pandemie Zustände, die schon vorher grenzwertig waren, noch weiter verschärft, weil sich die Situation in den Kliniken durch die Corona-Krise dramatisch zugespitzt hat – bedenklich war sie schon zuvor. Nun fordern die Intensivpflegenden in einem Brandbrief an den UKE-Vorstand verbindliche Regelungen gegen die „ständige Überlastung“ und kündigen Streiks bereits ab dem 17. Dezember 2021 an.

Krankenhaus in Hamburg:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Adresse:Martinistraße 52, 20251 Hamburg
Mitarbeiter:14.100
Betten:1738
Gründung:19. Mai 1889[

UKE-Intensivpflegende streiken wegen Überlastung: Ab sofort keine Extraschichten mehr

Nachdem das Pflegepersonal bereits im September Hilferufe aus dem UKE wegen schrecklicher Zustände auf den Intensivstationen gesendet hatte, folgt nun der nächste verzweifelte und wohl ultimative Appell. Der hohe Arbeitsdruck, zitiert das Hamburger Abendblatt aus dem Schreiben, führe dazu, dass viele Pflegende die Klinik für Intensivmedizin in Hamburg-Eppendorf verlassen und es immer wieder zu Situationen komme, in denen Patienten „nicht mehr ausreichend pflegerisch versorgt werden und dadurch immens gefährdet“ seien.

„Wir können nicht länger warten!“ – UKE-Intensivpfleger kündigen Streiks ab Freitag an

„Wir können nicht länger warten, wir brauchen jetzt eine Entlastung auf den Intensivstationen. Wenn der Vorstand nicht handelt, müssen wir uns selbst schützen: Warum sollten wir freiwillig weitere Dienste übernehmen, die für uns im Voraus nicht geplant sind? Warum sollten wir unsere Überlastung weiter befeuern?“, kündigen die verzweifelten Pflegenden laut Abendblatt in dem Schreiben an das UKE-Vorstandsmitglied und Pflegedienstleitung Joachim Prölß ihren Warnstreik an.

Coronavirus - Patienten auf der Intensivstation
Pfleger am Limit: Intensivpfleger am UKE streiken wegen Überlastung und schieben ab Freitag keine Extraschichten mehr. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

UKE-Pflegepersonal klagt an: Schreckliche Zustände auf den Intensivstationen

Wie schon im September wiesen die Mitarbeiter des UKE darauf hin, dass die Situation unter dem hohen Arbeitsdruck nicht nur für das Pflegepersonal immer katastrophaler werde, sondern auch die Patienten auf den Intensivstationen nicht mehr adäquat versorgt werden könnten.

Extraschichten-Warnstreik der UKE-Intensivpflegenden vom 17. bis zum 31. Dezember

Bei Engpässen sprängen darum immer wieder kurzfristig Mitarbeiter ein, die eigentlich frei hatten. „So wird es nicht weitergehen, wenn unser Entgegenkommen nur dazu führt, dass eine Entlastungsvereinbarung ,verschleppt´ wird“, zitiert das Abendblatt den Brandbrief. Vom 17. bis 31. Dezember 2021 seien sie darum nicht mehr bereit, aus dem dienstfrei für Extraschichten einzuspringen, erklären die UKE-Pfleger darin .

Nicht nur am UKE: Corona-Pandemie verstärkt Missstände der Kliniken in Hamburg

Doch auch den vermeintlich besser gestellten Ärzten geht es in den Kliniken nicht besser: Eine Umfrage unter angestellten Medizinern, durchgeführt von der Gewerkschaft Marburger Bund, belegt, wie sehr auch Ärzte inzwischen an ihre Grenzen stoßen, sodass nach Corona der Exit droht. „Die Situation ist auch in Hamburg weit schlimmer als vor einem Jahr“, zitiert die Studie des Marburger Bundes einen der Befragten.

Brandbrief: Linksfraktion stellt Antrag in der Bürgerschaft auf verbindliche Belastungsvereinbarungen

Die Intensivpflegenden fordern nun also vom UKE-Vorstand verbindliche Regelungen zum Schutz vor der Überlastungen. Die Linksfraktion des Hamburger Senats bringt in dieser Woche einen Antrag zur Unterstützung dieser Forderungen in die Bürgerschaft ein.

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Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken: „Die Intensiv-Pflegekräfte im UKE machen seit Wochen auf ihre Not aufmerksam. Sie fordern, dass sie nur noch für zwei Patienten zuständig sind, statt für 2,5 oder teils bis zu drei Schwerkranke. Doch statt sie vor ständiger Überlastung zu schützen, vertröstet die Krankenhausleitung die Pflegekräfte und hält sie hin. Wir unterstützen die Intensiv-Pflegekräfte des UKE in ihrer Forderung nach einer verbindlichen Entlastungs-Vereinbarung.“

Bleibt zu hoffen, dass endlich etwas passiert – und die Maßnahmen wie auch der Corona-Bonus für Pflegekräfte von bis zu 3.000 Euro nicht am Ende viel zu spät kommen.  *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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