„Patienten liegen in Fäkalien“

Hilferuf aus dem UKE: Schreckliche Zustände auf den Intensivstationen

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Die Situation auf den Intensivstationen des UKE spitzt sich weiter zu. In einem Hilferuf des Pflegepersonals wird das Ausmaß der schlimmen Zustände deutlich.

Hamburg – Allerspätestens seit Corona weiß jeder, dass die Situation für Pflegepersonal in Hamburg und dem Rest von Deutschland enorm belastend ist. Personalmangel, zu viele Patienten, ausufernde Arbeitszeiten – geringer Lohn. Nun aber gelangt der Hilferuf der Intensivpfleger und Pflegerinnen des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an die Öffentlichkeit. Die dort geschilderten schrecklichen Zustände auf Intensivstationen übertreffen noch einmal alles bisher gehörte.

Krankenhaus in Hamburg:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Adresse:Martinistraße 52, 20251 Hamburg
Mitarbeiter:14.100
Betten gesamt:1738

UKE Pflegepersonal klagt an: Schreckliche Zustände auf den Intensivstationen – „Patienten liegen in Fäkalien“

In dem Hilferuf an die Chefetage, die einem Brandbrief gleicht, weisen die Mitarbeiter des UKE darauf hin, dass nicht nur die Situation für das Pflegepersonal immer schlechter wird, sondern auch die Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen inzwischen nicht mehr adäquat versorgt werden können. Das berichtet die Mopo, der der Brief der UKE-Mitarbeiter vorliegt.

Leider passiert es des Öfteren, dass Patient:innen eine beträchtliche Zeit in ihren eigenen Fäkalien liegen müssen.

Intensivpfleger des UKE in einem Brandbrief, Hamburger Morgenpost

Etwa ein Drittel der 300 Intensivpfleger des UKE fordern in dem Hilferuf, dass die Arbeitsbedingungen an die sogenannte „Pflegepersonaluntergrenzenverordnung“ angepasst wird. Diese besagt, dass ein Pfleger maximal für zwei Patienten eingeteilt werden soll. Im UKE sieht die Realität laut des Briefes jedoch anders aus.

Hilferuf aus dem UKE: Schreckliche Zustände auf Intensivstation – ein Mitarbeiter kommt auf vier Patienten

Derzeit betrage der Betreuungsschlüssel auf den Intensivstationen des UKE des Öfteren 1:4, heißt es in dem Bericht der Mopo. Bedeutet: Ein einziger Pfleger oder Pflegerin muss sich gleich um vier Patienten kümmern. Dies habe zur Folge, dass Medikamente nicht rechtzeitig ausgegeben werden, sich nicht ausreichend um die Patienten und Angehörigen gekümmert werden kann und dass Wunden nicht „in jeder Schicht“ versorgt werden.

Schreckliche Zustände im UKE: Intensiv-Pflegepersonal richtet Hilferuf an Chefetage. (24hamburg.de-Montage/Symbolbild)

Laut des Pflegepersonals tragen all diese Faktoren dazu bei, dass die Patienten länger im Krankenhaus behandelt werden müssen und das Sterberisiko ansteigt. Außerdem steige die Belastung für das Intensivpersonal extrem. Viele Kollegen verzichten laut des Berichts auf ihre Pausen, leiden unter Dauerstress und müssen während oder nach dem Dienst weinen. Das liege vor allem an „dem Gefühl, mehr zu leisten, als menschlich eigentlich möglich ist“, zitiert die Mopo aus dem Brief.

Hilferuf an die Chefetage des UKE: Pflegepersonal fordert bessere Arbeitsbedingungen nach gesetzlichen Vorgaben

Es ist übrigens nicht der erste Brief, den das Hamburger Pflegepersonal an die Chefetage des UKE geschrieben hat. Wie die Mopo berichtet, reagierte der Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Professor Stefan Kluge, nach einem Brief im August auf die Vorwürfe und sperrte auf jeder Intensivstation zwei von zwölf Betten. Wie ein Mitarbeiter der Mopo mitteilte, müsse jeder Pfleger jetzt „nur“ noch drei Patienten versorgen.

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Inzwischen hat das UKE auch auf weitere die Vorwürfe reagiert. Eine Sprecherin sagte der Mopo: „Wir haben bereits gemeinsam mit den Mitarbeitenden Lösungen erarbeitet“. Darüber hinaus sei man weiter mit den Pflegerinnen und Pflegern in Gesprächen, um „die Belegung der Betten bedarfsgerecht zu steuern, damit unsere Patient:innen bestmöglich versorgt und unsere Mitarbeitenden bestmöglich entlastet werden“, heißt es in dem Bericht.

Eine wirkliche Besserung erwarten die Intensivpfleger des UKE aber erst einmal nicht. Vielmehr fürchten sie weitere Kündigungen und eine weitere Verschärfung des Problems. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janssen/imago & panthermedia/imago

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