1. 24hamburg
  2. Hamburg

Länger und flexibler: Medizinisches Notfallangebot über Feiertage ausgeweitet

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Aufgrund der Überlastung der Notaufnahmen forderten die Asklepios-Kliniken einen Krisengipfel mit dem Hamburger Senat. Der hat nun Ergebnisse gebracht.

Update von Mittwoch, 21. Dezember 2022: Längere Öffnungszeiten der Notfallpraxen, mehr Fahrzeuge des mobilen Besuchsdienstes und weitere Angebote in Planung: Über die Feiertage weitet die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) ihr Notdienstangebot aus. Das hat der Krisengipfel am Dienstag zwischen Hamburger Senat, KVH, Hamburgischer Krankenhausgesellschaft und der Feuerwehr ergeben, berichtet der Norddeutsche Rundfunk.

Mit Blick auf die besonders heikle virale Situation in der Hansestadt, sollen zudem Infektpraxen eingerichtet werden, die sich ausschließlich um Patienten mit Corona-, grippalen oder anderen Infekten kümmern. So hofft man, die regulären Praxen entlasten zu können. Laut NDR wollen die Hamburger Krankenhäuser zudem zusätzliche Kapazitäten in den Notaufnahmen schaffen.

Überlastete Notaufnahmen in Hamburg: Krisengipfel noch vor Weihnachten

Erstmeldung vom 17. Dezember 2022: Hamburg – Auf die angespannte Lage in den Notaufnahmen der Krankenhäuser der Hansestadt reagiert nun der Hamburger Senat. Auf Bitten des Klinikkonzerns Asklepios, Betreiber von sieben Hamburger Kliniken, hat die neue Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) einen Krisengipfel noch vor Weihnachten anberaumt. Bereits am Dienstag wollen sich Vertreter der Kliniken und der Hamburger Regierung treffen, um die Situation in den Notaufnahmen zu erörtern und Lösungen zu erarbeiten.

Name:Asklepios Kliniken Hamburg
Branche:Klinikbetreiber
Gründungsjahr1995 (ehemals Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg)
Anzahl Kliniken / Mitarbeitende7 / rund 15.000

Asklepios-Medizinvorständin greift Hamburger Haus- und Fachärzte an

Aktuell sei die Lage schlimmer, als zu Coronazeiten, war in Hamburger Medien zu lesen. Leichte Atemwegserkrankungen, die in Zusammenhang mit der abgeschwächten Corona-Pandemie in ihrer jetzigen Phase stehen; die Grippe-Welle, eine Häufung von Infektionen mit dem RS-Virus, aber auch der Fachkräftemangel – insbesondere in der Pflege – sorgen für die gegenwärtig angespannte Lage der Häuser. Dazu kommt, dass offenbar oft Patienten mit Erkältungs- oder Gruppe-Symptomen die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen würden, anstatt die Hausarztpraxis.

Asklepios-Medizinvorständin Dr. Sara Sheikhzadeh lässt kritisiert im Hamburger Abendbatt die niedergelassenen Ärzte „Einmal mehr werden die Krankenhäuser in die Verantwortung genommen, die Gesundheitsversorgung zu sichern, während niedergelassene Haus- und Fachärzte keinen zusätzlichen Anteil an der Versorgung der Notfälle – oder scheinbaren Notfälle – beitragen müssen.“

Asklepios Klinik Nord Heidberg in Hamburg
Der Asklepios-Konzern beklagt die Überlastung der Notaufnahmen in den sieben Hamburger Häusern – und macht den niedergelassenen Haus- und Fachärzten Vorwürfe. Die wehren sich. Ein Krisengipfel unter Führung des Senats soll es jetzt richten. © Waldmüller / Imago

Kassenärztliche Vereining konzert Kritik: Asklepios „soll ureigene Aufgaben erfüllen“

John Afful, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, teilt die Sicht Sheikhzadehs hingegen nicht. „Der Asklepios-Konzern soll bitte seine ureigenen Aufgaben selbst erfüllen und nicht versuchen, diese auf andere abzuwälzen“, so Afful. Der Krisengipfel unter Führung des Senats dient auch dazu, zwischen den Vertretern von Asklepios und den niedergelassenen Ärzten in Hamburg zu vermitteln.

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

Auch Kassenärztliche Vereinigung sicher: Reform des Notfallsystems muss her

Dass eine Reform des Systems hermuss, sieht man auch in der Kassenärztlichen Vereinigung so. Der Vorsitzende der dortigen Vertreterversammlung, Dr. Dirk Heinrich, sagte dem Abendblatt: „Wir brauchen eine Reform der Notfalldienste. Am Marienkrankenhaus konnten wir schon 60 Prozent der Patienten aus der Notaufnahme weglocken.“ 

Asklepios Hamburg plädiert für mehr Notfallpraxen und verlängerte Öffnungszeiten

Vielen Bürgern sei zudem der Arztruf 116 117 unbekannt. Oder es fehle das Wissen darüber, dass über diese Nummer sowohl Praxistermine als auch Hausbesuche vereinbart werden können. Die Einrichtung von weiteren Notfallpraxen und die Ausweitung der Öffnungszeiten bei den bestehenden Angeboten könnten laut Asklepios für Entlastung sorgen. Außerdem sollen die Rettungsdienste, so ein Vorschlag des Klinikkonzerns, diese Notfallpraxen der KV und die medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Hamburg ansteuern dürfen, damit dort Patienten versorgt werden können, die „absehbar einer ambulanten Behandlung bedürfen und nicht zwingend in eine voll ausgestattete zentrale Notaufnahme gehören“.

Das gelte zum Beispiel für Patienten mit kleineren und älteren Wunden oder Beschwerden, die zwar akut sind, allerdings schon seit längerem bestehen. Ob nach dem Notfall-Gipfel am Dienstag Lösungen für die vielfältigen Probleme und eine Aufweichung der verhärteten Fronten zwischen Asklepios und KV vermeldet werden kann, bleibt abzuwarten.

Auch interessant

Kommentare