Kultureller Hilferuf

Alarmstufe Rot in Hamburg: Udo Lindenberg mit „flammendem Appell“ – Night of Light 2020

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Die „Night of Light 2020“ lässt deutsche Großstädte wie Hamburg, Berlin und Leipzig in rotem Licht erstrahlen. Hinter dieser Aktion steckt ein Hilferuf der Veranstaltungsbranche, die vom Coronavirus-Sars-CoV-2 arg gebeutelt ist.

Hamburg – Das Coronavirus-Sars-CoV-2* schränkt das gesellschaftliche Leben enorm ein. Supermärkte können nur noch mit Atemschutzmasken betreten werden, Abstandsregeln und Desinfektionsmittel bestimmen den Alltag. Arg betroffen von der Pandemie ist auch die Veranstaltungsbranche, die ums Überleben kämpfen muss. Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen, wurde in der Nacht zu Dienstag, 23. Juni 2020 die Aktion „Night of Light 2020“ initiiert. Buchstäblich wurde hiermit auf die „Alarmstufe Rot“ hingewiesen. Und die Aktion mit Udo Lindenberg hatte Erfolg. Schmidts Tivoli hat mit dem Panik-Rocker* nach fast vier Monaten Zwangs-Lockdwon wieder die Türen geöffnet.

Ereignis:Night of Light
Datum:Mo., 22. Juni - 8:00 PM MESZ
Ort:VON GREIFSWALD, Berlin

„Night of Light 2020": Deutsche Großstädte wie Hamburg, Berlin und Leipzig in rotes Licht getaucht - Hilferuf der Veranstaltungsbranche

Ob Konzerte, Messen oder Clubveranstaltungen - Ereignisse dieser Art sind seit rund drei Monaten entweder gar nicht oder nur stark eingeschränkt umzusetzen. Die Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise macht es nahezu unmöglich, einen geregelten Kulturbetrieb durchzuführen. Eine der wenigen Ausnahmen stellt das Reeperbahn Festival* dar, das trotz der Pandemie vom 16. bis zum 19. September 2020 in Hamburg-Sankt Pauli stattfinden* soll.

Grundsätzlich sehen sich jedoch nahezu alle Veranstalter, ob im kulturellen Bereich oder Ausrichter von Großveranstaltungen wie beispielsweise Spielen in der 1. Fußball-Bundesliga, mit einem Scherbenhaufen konfrontiert. Wann dieser beiseite gefegt werden kann und peu á peu wieder Zuschauer zugelassen werden können, ist nicht absehbar. Definitiv sicher ist, dass Großveranstaltungen in Deutschland bis Ende Oktober verboten sind. Ein Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel* und den Ministerpräsidenten der Länder, wodurch das Zusammenkommen von mehr als Tausend Personen untersagt ist.

Dies stellt nicht zuletzt im kulturellen Bereich eine Vielzahl an Menschen vor extremen Problemen, da diese nun kein geregeltes Einkommen mehr haben. Um darauf aufmerksam zu machen, wurde die „Night of Light 2020“ ins Leben gerufen, an der sich viele deutsche Städte beteiligten. In Hamburg wurden beispielsweise Wahrzeichen wie die Elbphilharmonie* oder der Fernsehturm in rotem Licht beleuchtet.

Auf der größten Partymeile der Hansestadt, der Reeperbahn*, waren hunderte rote LED-Lampen sowie Strahler installiert. Diese tauchten Gehwege, Klubs und Theater in rotes Licht, das symbolisch für die „Alarmstufe Rot“ stand. Der „Spielbudenplatz“ auf Sankt Pauli* hielt gar eine kleine Show mit Feuer, Licht- und Nebeleffekten bereit. Der Appell von „Night of Light“-Initiator Tom Koperek, Vorstand der LK-AG Essen, ist ähnlich feurig. „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht! Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich“, resümiert Koperek.

Der Heinrich-Hertz-Turm, kurz Hamburger Fernsehturm, wird im Rahmen des kulturellen Hilferufs „Night of Light 2020“ rot beleuchtet.

„Night of Light 2020“: Gemeinsam gegen die Coronavirus-Krise - Kulturbetrieb benötigt Hilfspakete

Konkret fordern die Vertreter der Veranstaltungsbranche den Dialog mit der Politik, um zusammen Pläne zu erarbeiten, die einen Weg raus aus der Krise skizzieren. Es sind jedoch nicht nur die Veranstalter selbst, die mit finanziellen Einbußen, teilweise in Millionenhöhe, zu kämpfen haben. Ebenso sind Spielstätten, Zulieferer, Dienstleister á la Technikfirmen, Bühnen- und Messebauer, Ausstatter, Caterer und Logistiker sowie Künstler und Einzelunternehmer von der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise betroffen.

Auch bzw. vor allem auf diese Berufsgruppen soll mit der „Night of Light 2020“ aufmerksam gemacht werden. Die Bilder, nicht nur aus Hamburg, beeindrucken. Der Kölner Bahnhof war gänzlich in Rot getaucht, Berliner Kulturstätten wie das Maxim Gorki Theater und das Naturkundemuseum bekamen ebenfalls einen „neuen Anstrich“ verpasst. Rund 190 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, nahmen in Leipzig unter anderem die Oper, das Historische Stadtbad, die Alte Hauptpost und das Haus Auensee an der „Night of Light 2020" teil.

„Panikorchester“-Techniker Tom Kaczmarek (links) und „Chef“ Udo Lindenberg sind Teil der Aktion „Night of Light 2020“. (Screenshot)

Über 250 Städte in der Bundesrepublik beteiligten sich an der einzigartigen Aktion, infolgedessen Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke in Rot erleuchteten. Hamburg, gemessen an der Einwohnerzahl hinter Berlin die zweitgrößte Stadt Deutschlands, war mittendrin statt nur dabei. Denn nicht nur die Reeperbahn erstrahlte, mehr noch als sonst, in rotem Licht. Auch die Elbphilharmonie, das 866 Millionen Euro teure Konzerthaus der Hansestadt, beteiligte sich an der „Night of Light 2020“ und ließ Teile ihrer Außenfassade in rotem Glanz leuchten.

Selbiges gilt für den Hamburger Fernsehturm, die Fischmarkthalle, die Barclaycard Arena und die „Cap San Diego“, um nur einige der Gebäude respektive Schiffe zu nennen, die sich für rotes Licht entschieden. Bei all den schönen Momentaufnahmen darf jedoch nicht der Hintergrund dieser großflächig angelegten Aktion vergessen werden. Allein in Hamburg beteiligten sich 193 Firmen an der bundesweit veranstalteten „Night of Light 2020“, was nicht zuletzt die Dringlichkeit unterstreicht, entsprechende Hilfspakete für Arbeitende im Kulturbereich zu schüren.

„Night of Light 2020“: Ur-Hamburger Udo Lindenberg mit flammendem Appell

Darauf verweist auch der Ur-Hamburger Udo Lindenberg*, der seit nunmehr 52 Jahren überwiegend an der Elbe* lebt. Der mittlerweile 74-Jährige hatte unlängst mit der SpendenaktionFuck the virus* Gelder für das Flüchtlingscamp auf Lesbos gesammelt und ist auch bei der „Night of Light“ mit vollem Elan dabei. „Viva für unsere Branche, für unsere Kultur, der Rock ’n’ Roll ist Überlebensmittel und Powermotor für soooooo viele Menschen!“, heißt es unter anderem vom Rockmusiker.

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alarmstufe ROT‼️ eine ganze branche is in gefahr, hunderttausende arbeitsplätze, so viele menschen, die dafür brennen was sie tun, mit leidenschaft für den rocknroll, die große hochkultur, opernhaus und underground, clubkultur und theater, festivals und so viel mehr, was unser leben so schön bunt und abenteuerlich macht, was wir lieben und brauchen!! ey, das is ein flammender appell, freunde, politnasen und experten, die riesen veranstaltungs branche steht vor dem AUS,, da MUSS was passieren. 🚨🔥💥udo & friends!! ❤️ . . @night_of_light_2020 #nightoflight2020 #nightoflight #alarmstuferot #udolindenberg #udo #lindenberg #tineackefoto 📸 Pic by @tineackefoto

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Der kultige „Panikorchester“-Frontmann steht nicht allein auf weiter Flur. Eine Hamburger Gruppe an Unternehmern hatte sich zusammengetan, um die „Night of Light“ in der Hansestadt zu organisieren. Für die Beleuchtung des Fernsehturms und der Barclaycard Arena war der Hamburger Eventdienstleister „PRG“ zuständig.

„Ziel der Aktion ist es, unsere Branche in den Fokus der Politik zu rücken, um wirksame staatliche Unterstützung zu bekommen. Denn trotz der angekündigten ´Bazooka‘ und der beiden klugen Rettungspakete der Bundesregierung kommen die beschlossenen Maßnahmen bei vielen Unternehmen schlichtweg nicht an“, sagt PRG-Chef Jörn Kubiak.

Musiker:Udo Lindenberg
Geboren:17. Mai 1946 (Alter 74 Jahre), Gronau (Westfalen)
Alben:Stärker als die Zeit, Stark wie Zwei u.v.m.
MusikgruppePassport

Die Resonanz auf die „Night of Light 2020“ fiel überwiegend positiv aus. Ob hiermit nachhaltig etwas bewirkt werden konnte, wird die (nahe) Zukunft zeigen. Auch anderweitig engagiert sich der Panik-Rocker. Gemeinsam mit Greenpeace macht er sich gegen Billigfleisch stark* und attackiert dabei Schlachtriesen Clemens Tönnies und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner scharf. * 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Tine Acke Foto/Instagram/udolindenberg/Jonas Walzberg/dpa/picture alliance

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