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HVV: U5 vor dem Aus – Linke wollen Straßenbahn statt neuer U-Bahn

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Von: Kevin Goonewardena

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Steht das umstrittene Jahrhundertprojekt U5 vom Aus? Eine Studie sagt: Die Wiederbelebung des Straßenbahnnetzes in Hamburg ist die bessere Alternative.

Hamburg – Die Pläne einer neuen, fünften U-Bahnlinie für Hamburg sind schon lange bekannt. Auch die Vorbereitungen für den Bau laufen trotz fehlender Baugenehmigung und Klagen für Anwohner bereits. Zwar ist die Fertigstellung des Mammutprojekts erst für Ende der 2030er Jahre geplant, doch bereits 2028 soll mit dem Abschnitt Bramfeld – City Nord der erste von mehreren Abschnitten der neuen Linie in Betrieb gehen und Bramfeld sowie die Großwohnsiedlung Steilshoop erstmals an das städtische U-Bahn-Netz im HVV angeschlossen sein.

Der Bau der neuen U-Bahnlinie hat im Herbst 2021 begonnen. Zuletzt gab es Vorwürfe aus der CDU-Fraktion der Hamburgischen Bürgschaft, dass der Bau der U5 zu langsam voran kommen würde. Jetzt gibt es neuen Ärger um die geplante Linie U5 des HVV.

Name:U-Bahn-Linie U5
Baustart und Bauende:2021, Ender der 2030er Jahre (Gesamtstrecke)
Länge:etwa 24 Kilometer
geplante Stationen:23

U5 Hamburg: Linienführung am Bedarf der Menschen vorbei

Insgesamt 23 Stationen, darunter auch Winterhude im Bereich Kampnagel, das UKE, das Grindelviertel oder die Arenen (Volksparkstadion/BarclayCard-Arena) und damit insgesamt mehr als 250.000 Menschen erhalten durch die rund 24 Kilometer lange Strecke der HVV-Linie U5 erstmals einen U-Bahn-Zugang. Die Anzahl der zu erwartenden Fahrgäste war zuletzt deutlich nach oben korrigiert worden. Doch immer wieder wird auch die Wiederbelebung des in den 1970er Jahren eingestellten Straßenbahnverkehrs ins Spiel gebracht. Jetzt hat die „Die Linke“ ein Gutachten vorgelegt, was in nie da gewesener Detailschärfe den Nutzen der HVV-U-Bahnlinie U5 in Frage stellt.

Visualisierung der U5 Station City Nord
Eine Visualisierung der geplanten U5-Station „City Nord.“ Zwischen Bahnsteig und Zug befinden sich Türen, die sich nach Halt der Bahn automatisch öffnen. © HOCHBAHN

Auf 52 Seiten dröselt das Gutachten die Nachteile des bisher geplanten Streckenverlaufs der U5 auseinander. So nennt das Hamburger Abendblatt etwa den Umstand, dass die meisten Fahrgäste an Haltestellen der Metrobuslinie 5, etwa am Grindelhof (Uni Hamburg) in Rotherbaum oder Bahnhof Dammtor umsteigen würden. Die U5 des HVV allerdings umfahre diese Bereiche nicht zuletzt wegen des geplanten Schwenks zum UKE . Mit Bussen sei zurzeit auch die Großwohnsiedlung Steilshoop besser angeschlossen. Zwar begrüßen die Linken den erstmaligen Anschluss der Siedlung, in der rund 10.000 Menschen leben, an das Hamburger U-Bahn-Netz.

Doch den heute sieben Bushaltestellen stünde lediglich eine geplante U-Bahn-Station auf der neuen HVV-Linie der U5 gegenüber. Das hätte zur Folge, dass manche Bewohner bis zu einem Kilometer laufen müssten, um die neue U5-Haltestelle Steilshoop zu erreichen. Oder noch mal vom Bus in die U-Bahn umsteigen müssten.

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U5 des HVV in Hamburg: Klima, Bauzeit, Kosten, Behinderungen – viele Kritikpunkte an U5-Neubau

Trassenführung am Bedarf vorbei, nicht unbedingt kürzere Reisezeiten von Tür zu Tür, längere Bauzeit, höhere Baukosten und Behinderungen während der Entstehung, etwa durch Sperrungen oder den Abtransport des Aushubs, auch die Klimatauglichkeit steht immer wieder infrage – die Studie von Linken-Politikerin und Verkehrsexpertin Heike Sudmann und den Autoren Dieter Döge und Jens Ode, die am 16. Juni 2021 im Hamburger Rathaus vorgestellt wurde, kommt zu einem für die U5 vernichtenden Ergebnis: Ein Straßenbahnnetz wäre die dem Neubau der HVV-U-Bahn-Linie U5 überlegenere Alternative.

Straßenbahn Hamburg: Alternative zu HVV-LInie U5 in kürzerer Zeit und zu „Bruchteil der Kosten“

Das Straßenbahnnetz könne „in erheblich kürzer Zeit und für einen Bruchteil der Kosten“ errichtet werden und dort verlaufen „wo es Bedarf und Potenziale gibt“ und wäre „barrierefrei und leicht zugänglich ist.“ Als Vergleich wurde ein 109 Stationen umfassendes Tram-Netz mit fünf Linien konzipiert, aber auch eine Reduzierung auf den Bereich der geplanten U5 würde mit noch 66 Haltestellen für ein dichteres Netz, kürzere Wegen und eine geringeren Notwendigkeit des Umsteigens bedeuten.

Sollten die Zahlen stimmen, ist der Hamburger Senat gut beraten, sorgsam abzuwägen, ob das Konzept der Stadtbahn nicht deutlich besser ist als die bisherige U5-Planung

Petra Ackmann, die Landesvorsitzende des Bundes der Steuerzahler Hamburg

Kritik an Neubau für HVV-Linie U5 in Hamburg: „Welche Argumente, Zahlen und Fakten müssen noch auf den Tisch?“

Die Kritiker der HVV-Linie U5 reagierten bereits. Das Hamburger Abendblatt zitiert aus dem Kreis derer, die den Bau bereits vor der Veröffentlichung der neuen Studie abgelehnt haben: „Welche Argumente, Zahlen und Fakten müssen noch auf den Tisch, damit Bürgermeister und Senat begreifen, dass die U5 total überdimensioniert ist?“ Gegen den Bau der U5 laufen bereits mehrere Klagen.

HVV: Straßenbahn Hamburg als Ergänzung zum U5-Neubau?

Linken-Politikerin Sudmann sieht laut Abendblatt die Studie als Möglichkeit, dass die Fraktionen der Hamburgischen Bürgerschaft wieder ins Gespräch über den geplanten Bau der HVV-Linie U5 und mögliche Alternativen kommen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind deswegen an die Abgeordneten weiter gegeben worden. Dass der bereits begonnene U5-Bau gestoppt wird, erwartet Sudmann nicht.

Vielmehr sieht sie die Straßenbahn als Ergänzung des U-Bahnnetzes, zu dem auch der perspektivische Ausbau der Linie U4 bis nach Wilhelmsburg gehört. Ob als alleinige Alternative zu den neuen U-Bahn-Plänen oder Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Netzes – die SPD-Mehrheit in der Bürgerschaft müsste ihre grundsätzliche Ablehnung gegenüber der Straßenbahn ablegen. Mittlerweile hat Bürgermeister Tschentscher ein Machtwort in Sachen Straßenbahn in Hamburg gesprochen.

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