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Twindemie in Hamburg: Schlagen Corona und Grippe gemeinsam zu?

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Von: Steffen Maas

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Die Inzidenz in Hamburg steigt. Doch weil auch Influenza und andere grippale Infekte auf dem Vormarsch sind, könnte es zur „Twindemie“ kommen. Viele Kinder betroffen.

Hamburg – Nieselwetter, mehr Treffen in Innenräumen, kaum Schutzmaßnahmen mehr: Vor einer Rückkehr der Corona-Pandemie im Herbst und Winter wurde schon im lauen Sommer gewarnt. Das Coronavirus scheint jedoch nicht die einzige Gefahr für die Gesundheit der Menschen zu sein. Trifft auch Hamburg bald die Twindemie?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Einwohner:1.904.444 (Stand 2021)
Fläche:755,2 km²

„Twindemie“: Die Angst vor dem Doppelpack aus Corona und Influenza

Das Wort „Twindemie“ ist dabei ein Kompositum, also ein aus mehreren Wörtern zusammengesetzter Begriff – in diesem Fall „Twin“ (engl.: Zwilling) und „Pandemie“. Die Wortneuschöpfung drückt also aus, dass zwei Viren gleichzeitig ihr Unwesen treiben und die Immunsysteme der Menschen attackieren. Aktuell warnen zahlreiche Experten vor der Kombination von Corona- und Influenza-Viren. Sie blicken dabei nach Australien, wo zurzeit eine schwere Grippewelle grassiert.

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Gleiches könnte den Ländern der Nordhalbkugel auch ins Haus stehen. Dafür sprechen zum Beispiel die wegfallenden Corona-Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Maske, die in den letzten Jahren auch vor den Influenza-Viren geschützt haben. Doch nicht nur wird die Übertragung der Viren dadurch wieder wahrscheinlicher, auch das Wegfallen der Grippewellen in den vergangenen Jahren spielt eine Rolle – und trifft vor allem Kleinkinder.

Kinder in Not: Immunsystem hat keine Erfahrung mit Grippe-Viren

Die machen schon aktuell einen nicht unerheblichen Teil der Influenza-Fälle in Deutschland aus. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen, die nun durch Maske und Abstand vielleicht zwei Jahre Ruhe vor der nervigen Grippe hatten, hatten kleine Kinder und deren Immunsystem noch nie mit dem Virus zu tun. Dementsprechend einfach ist es für den Erreger, Krankheiten auszulösen.

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Viele Kleinkinder haben aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen auch keinen Kontakt zu grippalen Erregern gehabt. Die unvorbereiteten Immunsysteme sorgen nun dafür, dass viele Kinder krank werden. Eine Impfung hilft gegen Corona und die Grippe. (Symbolbild) © Sebastian Willnow/dpa

Das bestätigt auch Kinderärztin Dr. Charlotte Schulz gegenüber dem Hamburger Abendblatt: „Das Immunsystem kennt die Erregertypen nicht und hat mit einer Infektion mehr zu kämpfen. Die Anfälligkeit für Erkältungen ist somit deutlich höher.“ Grippale Effekte würden neben der „echten“ Grippe Influenza auch durch Rhino-, Adeno oder RS-Viren ausgelöst.

Corona in Hamburg: Inzidenz steigt nach Wiederbeginn der Schule

Davor sind eben auch die Kinder in der Hansestadt nicht geweiht. Im Gegenteil: Nach zwei Wochen Herbstferien kommt der Nachwuchs jetzt wieder in den Schulen und Kitas zusammen, wo im Kollektiv alles auf den viralen Grabbeltisch geworfen wird. Das wirkt sich auch bei Corona aus, wie ein Blick nach Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Dort ist anderthalb Wochen nach Schulbeginn die 7-Tage-Inzidenz um 78 gestiegen (Stand: 25. Oktober).

In 14 anderen Bundesländern sank die Inzidenz dagegen. Einzige weitere Ausnahme: Hamburg. Das offenbaren auch die Zahlen der Sozialbehörde unter Senatorin Melanie Leonhard: Die Behörde meldete am Dienstag, 25. Oktober, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 436, was einen Zuwachs von fast 24 Prozent bedeutet.

„Es ist überall eng“: Krankenhäuser in Hamburg kämpfen gegen Infekte – bei Patienten und Mitarbeitern

„Es ist überall eng. Wenn die Nachversorgung durch fehlendes Personal nicht gesichert ist, dann staut es sich eben auf den Stationen“, berichtet die Geschäftsführerin der Hamburger Krankenhausgesellschaft, Claudia Brase, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur über die Lage in den Krankenhäusern in Hamburg. Auch Kinderärztin Schulz unterstreicht gegenüber dem Abendblatt, die Kliniken seien „bis unter die Decke voll mit Patienten“ – insbesondere bei den U-5-Jährigen.

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Damit die jungen Patienten die medizinische Aufmerksamkeit bekommen, sollten Erwachsene durch das Beachten und Einhalten der bekannten Schutzmaßnahmen gegen Corona dabei mithelfen, dass sich die Lage nicht zur „Twindemie“ entwickelt – zum Schutz der Bevölkerung und des Fachpersonals. Und was bei Corona gilt, gilt auch bei der Grippe: Eine Impfung ist immer noch der beste Weg, dem Immunsystem beim Kampf gegen die Viren zu helfen.

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