Baugenehmigungen vs. Grünflächen

Trotz Wohnraum-Mangel: Klimaschützer wollen weniger Wohnungen in Hamburg

  • vonSabine Schmidt
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Klimaschützer vom Verein BUND fordern vom Hamburger Senat ein Umdenken in Hamburgs Wohnungsbau-Politik. Denn: Zu viele Bauten mindern Grünflächen.

Hamburg – Der Berliner Verein Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert den Hamburger Senat unter dem ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Er stuft die von 2011 vereinbarte Zielmarke von jährlich 10 000 Baugenehmigungen für Wohneinheiten in Hamburg, als „verantwortungslos“ ein. BUND-Vorsitzende Christiane Blömeke sagt, „Natur- und Artenschutz dürfen nicht länger der Bauwut untergeordnet werden“. Sie sehe eine Minderung an Grünflächen, was den Klimaschutz und die Artenvielfalt gezielt gefährde. 2020 wurden 10.007 Baugenehmigungen erteilt.

Bezirk / GebietGenehmigte Wohneinheiten 2020
Hamburg-Mitte1 464
Altona 924
Hamburg-Nord1 728
Vorbehaltsgebiete (HafenCity, Mitte Altona) 539
Eimsbüttel1 383
Wandsbek2 102
Bergedorf 825
Harburg1 042

Der Hamburger Senat und die Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) planen eine Neuauflage des Bündnisses für das Wohnen aus 2011. Mit dem damals beschlossenen Abkommen haben Senat, Wohnungswirtschaft und Mietvereine eine Zielmarke von 10.000 (früher 6000) Genehmigungen für Wohneinheiten vereinbart, um gegen den Mietenanstieg in Hamburg zu wirken. Die jährlich geplanten Neubauten sollten den Mietenspiegel in Hamburg regulieren. Nach dem Mietenspiegel aus 2019 liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete bei 8,66 Euro pro Quadratmeter und hat sich um 22 Cent, also um 2,6 Prozent erhöht. Für Stapelfeldt setze sich der Preistrend in Hamburg abgeschwächt fort und liege unterhalb der Entwicklung des Verbraucherpreisindex.

Mit Blick auf Neubauten in der Hamburger Hafen-City sprechen sich Klimaschützer für mehr Grünflächen aus.

Klimaschützer von BUND fordern eine Aussetzung der Neubaugenehmigungen im frei finanzierten Wohnungsbau und ein „Netto-Null-Prinzip“ bei weiteren Genehmigungen. Laut dem Umweltverein, seien von den 2011 bereits genehmigten 106 000 Wohnungen nur 70 000 Wohneinheiten gebaut worden. Bevor weitere Freiflächen bebaut werden, müssen andere Flächen entsiegelt werden, damit Hamburg klimafreundlich bleibt.

Klimaschützer fordern „Netto-Null-Prinzip“ im Hamburger Wohnungsbau

Ausreichende Grünflächen für Klimaschutz und Artenvielfalt sind nur durch eine „planerische Gesamtsteuerung der Stadt“ zu erreichen, so die Klimaschützer. Sie plädieren für moderne Wohnmodelle mit durchschnittlich weniger Wohnfläche, wie das Züricher Projekt mit Wohneinheiten von 35 Quadratmeter. SPD-Fraktionschef, Dirk Kienscherf ist empört über die Forderungen von BUND und hält mit seiner Partei am Wohnungsbau fest. Nach Kienscherf sind „sowohl Hamburgs Wohnungsbaupolitik als auch Bodenpolitik sozial gerecht. Ein Stopp beim Wohnungsbau wäre absolut fahrlässig. Beide Aufgaben, Wohnungsbau und Naturschutz*, müssen für zukünftige Generationen gemeinsam und nicht gegeneinander gelöst werden.“

Grünen-Fraktionschef orientiert sich an klimagerechtes Bauen gegen Wohnraum-Mangel

Die Hamburger Grünen halten am Koalitionsvertrag mit der SPD fest. Laut dem Grünen-Fraktionschef Dominik Lorenzen, haben sich SPD und Grüne „auf klimagerechtes Bauen festgelegt, wozu selbstverständlich auch die Bekämpfung von Flächenverbrauch gehört. Flächeneffizienz ist daher ein eigener Abschnitt im Vertrag. Insofern stehen wir zu den Zielmarken des Koalitionsvertrags“. Die CDU-Stadtentwicklungsexpertin, Anke Frieling, empfindet die Forderung von BUND als unverantwortlich und spricht sich gleichzeitig für eine höhere Zielmarke als 10 000 Baugenehmigungen aus, um den Wohnraum-Mangel in Hamburg zu verbessern.

„Was wir nicht brauchen, ist ein BUND, der Klimaschutz und Stadtentwicklung als einen Gegensatz aufbaut. Wir setzten stattdessen auf das Miteinander.“

CDU-Stadtentwicklungsexpertin, Anke Frieling

SPD erteilt Absage an die die Klimaschützer

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) erteilt den Forderungen von BUND eine Absage und sieht auch keine Gespräche mit den Klimaschützern in Betracht. Laut dem Hamburger Abendblatt, sagte sie „gezielter, stetiger Wohnungsneubau ist ein wichtiges und wirksames Instrument, um genügend bezahlbaren Wohnraum für alle Hamburgerinnen und Hamburger zu schaffen“. Die Hamburger SPD sieht sich erfolgreich in ihrer 10-jährigen Wohnungsbaupolitik in Hamburg und denkt nicht an ein Umdenken, wie das von BUND vorgeschlagene „Netto-Null-Prinzip“. SPD-Finanzsenator Andreas Dressel twitterte dazu, „Baustopp heißt Wohnungsnot“. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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