Irrer Reichtum

Trotz Corona-Krise: Alle 27 Sekunden ein neuer Millionär

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Die Corona-Krise produziert nur Verlierer? Keinesfalls! So viele Millionäre gab es weltweit noch nie, wie eine Studie zeigt. Doch wer profitiert?

Hamburg – Wirtschaftsflaute, Kurzarbeit oder Jobabbau: Seit eineinhalb Jahren hält die Corona-Pandemie die Welt scheinbar im Würgegriff und bedroht viele Existenzen. Doch das scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Denn in der Krise gibt es nicht nur Verlierer. Im vergangenen Jahr erreichte die Anzahl der Millionäre einen Rekordstand. Weltweit schafften es insgesamt 1,2 Millionen Menschen zum Dollarmillionär, wie aus dem „Global Wealth Report“ hervorgeht, über den die „Welt“ zuerst berichtete. Dies bedeute, so heißt es in dem Bericht, dass es alle 27 Sekunden ein Mensch auf der Welt zum Millionär schafft. Potzblitz.

Anzahl der Millionäre weltweit:20,8 Millionen
Zuwachs im Jahr 2020: 6,3 Prozent
Vermögen der Millionäre:79,6 Billionen US-Dollar

Die Ergebnisse der Studie überraschen durchaus. Zwar war die Zahl der Reichen in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Doch wegen der Corona-Pandemie, in der viele Betriebe Kurzarbeit verhängten oder im Lockdown monatelang geschlossen waren, hatten Analysten nicht unbedingt mit einer Fortsetzung des Trends gerechnet. Insgesamt leben nun aber 20,8 Millionen Menschen auf der Erde, die ein Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar angehäuft haben. Mit 6,3 Prozent fiel der Zuwachs besonders kräftig aus.

Neuer Reichtumsbericht: Anzahl der Millionäre ist weltweit auf Rekordstand – trotz Corona-Krise

Doch wie ist das möglich? Experten haben für diese Entwicklung nur eine Erklärung: „Das liegt an dem überproportionalen Anteil von Investments am Aktienmarkt“, sagte Klaus-Georg Meyer, der bei dem Beratungsunternehmen Capgemini die Studie mitverantwortet hat. Zwar schrumpfte die globale Wirtschaftsleistung laut der „Welt“ im vergangenen Jahr coronabedingt um knapp drei Millionen US-Dollar. Doch der Aktienmarkt erholte sich schnell – auch dank staatlicher Hilfen und Geld, das Regierungen und Notenbanken in den Markt pumpten.

Meine Yacht, mein Geld: Die Zahl der Millionäre ist trotz Corona-Krise weltweit gestiegen. (24hamburg.de-Montage)

Besonders in den USA, aber auch in Japan und Deutschland profitierten Anleger sehr deutlich. Zwar liegt die Bundesrepublik hinter den beiden anderen Staaten nur auf Platz drei. Doch ob mit oder ohne Aktiengeschäfte: Hierzulande übersprangen 69.000 Menschen die magische Einkommensgrenze, sodass nun insgesamt 1,5 Millionen Deutsche zum internationalen Klub der Millionäre* gehören, die insgesamt ein Vermögen von 79,6 Billionen US-Dollar gehortet haben.

Zahl der Millionäre steigt: Deutschland belegt international Platz drei – Steuerreform gefordert

Wie viel sie von ihrem Geld aber übrig behalten dürfen, das hängt auch vom Ausgang der anstehenden Bundestagswahl im kommenden September ab. So haben bereits alle Parteien den Deutschen eine Steuerreform versprochen. Doch während ein weitgehender Konsens bei der Entlastung untererer Einkommensgruppen besteht, sehen die Pläne von SPD, CDU, Grüne, FDP und Linkspartei durchaus unterschiedliche Ansätze bei der künftigen Besteuerung von Topverdienern* vor.

Nach einer Berechnung des Instituts für Wirtschaft (IW) für das „Handelsblatt“ will vor allem die Linkspartei die Spitzenverdiener stark zur Kasse bitten. Hier müssten die Millionäre mit einer zusätzlichen Belastung von 129.500 Euro rechnen. Bei der SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der sich selber als vermögend bezeichnet*, wäre die zusätzlich geplant Belastung mit 27.440 Euro oder bei den Grünen mit 26.498 Euro noch vergleichsweise ein Schnäppchen. Die CDU hingegen hält von diesen Plänen nichts. Sie will die Millionäre sogar schonen und mit 710 Euro im Jahr entlasten. Aber am Ende entscheidet das der Wähler. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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