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Uwe Seeler: „Stadt verliert Stück von sich selbst“ – Stimmen zu seinem Tod

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Von: Christian Einfeldt

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Uwe Seeler ist gestorben – eine Meldung, die nicht nur in der Fußball-Welt große Wellen schlägt. Das sind die Reaktionen auf den Tod des beliebten Hamburgers.

Hamburg – Hamburg ist in tiefer Trauer: HSV-Legende Uwe Seeler ist gestorben. Die Hansestadt zeigt sich betroffen, die Fußball-Welt und Prominenz nimmt Abschied. Abschied von einer Person, die bereits zu Lebzeiten als Vorbild galt. Er gilt als einer der besten Spieler der deutschen Fußballgeschichte. „Tore und Seeler, das war eine untrennbare Verbindung“, schreibt etwa die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ in einem Nachruf. Seit 1972 war er der Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft, erhielt 1970 als erster Sportler überhaupt das Große Bundesverdienstkreuz und 2003 den Status als Ehrenbürger Hamburgs.

Es sind nur Auszüge seiner Erfolge, die vermuten lassen, dass Uwe Seeler weit mehr war, als nur ein guter Fußballer. Fußballerisch war er eine Koryphäe. Seine herzliche, bodenständige Art machten ihn jedoch auch menschlich zu einem Vorbild. Einem Menschen, der laut HSV-Manager Boldt für alles stehen würde, „was einen guten Menschen auszeichnet“. Vor ihm verneigt sich die Welt jetzt ein weiteres Mal.

Fußballspieler:Uwe Seeler
Geboren:5. November 1936, Hamburg
Verstorben:21. Juli 2022, Norderstedt
Größe:1,7 m

Uwe Seeler ist gestorben: Fußballegende und Vorbild geht von uns

Für den HSV war er eine Legende, eine Ikone für ganz Hamburg. Seine einstigen Stürmer-Qualitäten bringen Fußballfans noch heute ins Schwärmen. Seinen bescheidenden wie sympathischen Charakter zeigte er dabei immer wieder. Der am 5. November 1936 in Hamburg geborene Seeler spielte seine gesamte Profi-Laufbahn für den Hamburger Sportverein. Im Jahr 1946 begann seine Fußballkarriere in der HSV-Jugendabteilung. Es dauerte sieben Jahre, bis er am 5. August 1953 im Alter von 16 Jahren sein Senioren-Debüt feiern durfte.

Abgesehen von einem kurzen Gastspiel beim irischen Club Cork Celtic im Jahre 1978 spielte er auf Vereinsebene nur für die Hamburger. Andere Vertragsangebote lehnte er aus Verbundenheit und seiner norddeutschen Loyalität ab. Selbst, wenn sie wie im Falle eines Angebots von Inter Mailand gut dotiert waren. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, hätte der damalige Inter-Coach Helenio Herrera noch nie erlebt, wie ein Spieler freiwillig auf so viel Geld hätte verzichten können. Es ist nur eine von vielen Geschichten, die zeigt, welchen Charakter Uwe Seeler auch außerhalb des Fußballfeldes hatte.

Uwe Seeler war der „größte HSVer aller Zeiten“: Hamburger Sportverein nimmt Abschied

Vor seinem Tod hatte Uwe Seeler immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die Meldung vom 21. Juli 2022, dass der beliebte Hamburger verstorben ist, kam für viele dennoch überraschend und macht betroffen. Anteilnahme gibt es von Fans, Prominenten und Wegbegleitern – national wie international. Allen voran sein Herzensverein trauert. Weit über die Grenzen Hamburgs ist bekannt, was für einen Stellenwert Seeler für den Hamburger Sportverein hat. Er war der „größte HSVer aller Zeiten“, der „Inbegriff des HSV“, sind sich Verein und HSV-Manager Jonas Boldt einig. „Uwe Seeler steht für alles, was einen guten Menschen auszeichnet“, schreibt Boldt und meint damit „Bodenständigkeit, Loyalität, Lebensfreude“.

Uwe Seeler steht vor einer HSV-Fahne.
Der Tod von Uwe Seeler löste eine große Anteilnahme aus. © KBS-Picture/Imago

„Uwe Seeler war ein großes Idol. Und das sicher nicht nur in sportlicher Hinsicht“, sagt auch Felix Magath, der diese Saison mit einem HSV-Aufstieg rechnet. Gegenüber „Focus Online“ beschreibt Magath Uwe Seeler weiter als einen „besonderen Menschen, von dem man sehr viel lernen konnte“. Magath ist sich sicher: „Uns Uwe“ wird fehlen. „Ich bin unheimlich traurig. Wir haben uns beim HSV als Spieler um ein paar Jahre verpasst. Ich bin ihm dennoch für vieles sehr dankbar“, so Magath.

Als Reaktion auf den Tod hängen seit Verkündung der Meldung, die Fahnen vor dem Volksparkstadion auf halbmast. Dort, wo Uwe Seeler bereits vor mehreren Jahren eine Bronzeskulptur gewidmete wurde, legten bereits zahlreiche Fans zum Gedenken Blumen nieder. Zuletzt spielte der als glühende Werder Bremen-Fan bekannte Jan Delay einen Auftritt im Hamburger Volkspark. Es war der Tag, an dem Uwe Seeler starb. Auch der Musiker nutze den Anlass für eine Huldigung: „Uwe, du warst der Allerderbste!“, sagte Jan Delay laut Hamburger Abendblatt.

Nach Tod von Uwe Seeler: FC St. Pauli und Bayern München zeigen Anteilnahme

Der Verlust Uwe Seelers wiegt schwer. Das betont auch Oliver Kahn, heutiger Vorstandschef des FC Bayern. Auf Vereinsseite des Rekordmeisters aus Bayern erinnert Kahn an seine besondere Persönlichkeit. Er wäre einer der besten Fußballer gewesen. Doch in die Geschichte würde er aufgrund seiner Werte eingehen. „Seeler stand für ehrlichen Fußball, für Loyalität und Menschlichkeit, er war ein Spieler mit Herz und für die Herzen – wir werden ihn als einen der ganz Besonderen des Sports immer in Erinnerung behalten“.

Weitere Töne aus München verstärken den Eindruck, den Seeler der Welt hinterlassen hat. Laut Bayern-Präsident Herbert Hainer „trifft der Tod von Uwe Seeler die deutsche Fußballseele in ihrem tiefsten Inneren“. Auch der ewige Stadtrivale des Hamburger Sportvereins, der FC St. Pauli, trauert. „In den Farben getrennt, in der Trauer vereint“, beschreibt dahingehend die derzeitige Stimmungslage zwischen den beiden großen Fußballklubs aus Hamburg. Auf Twitter zitiert der offizielle St. Pauli-Kanal Präsident Oke Göttlich wie folgt: „Uwe war auch am Millerntor immer ein sehr gern gesehener Gast. Wir bedanken uns für alles, was er für den Fußball geleistet hat!“

Uwe Seeler: Internationale Presse feiert ihn als „eine der wichtigsten Persönlichkeiten Hamburgs“

Die Meldung, dass Uwe Seeler verstorben ist, löste innerhalb kürzester Zeit unzählige Meldungen des Mitgefühls aus. Gegenüber der „Bild“-Zeitung sagte Franz Beckenbauer: „Einen so tollen Menschen wie den Uwe gibt‘s kein zweites Mal. Er war mein ältester und bester Freund“. Auch außerhalb Deutschlands reagierten zahlreiche Fußballer und Funktionäre. So etwa auch Gianni Infantino, FIFA-Präsident, der „tief betroffen“ sei. „Er ist eine der größten Legenden des deutschen Fußballs. Seine Leistungen und Rekorde werden unvergessen bleiben“, wird er seitens der dpa zitiert. Nicht nur wäre er ein großartiger Stürmer gewesen, „sondern überdies ein Vorbild an Bescheidenheit und Bodenständigkeit“.

„Es geht einer der besten europäischen Stürmer aller Zeiten“, schreibt auch die italienische Fußballzeitung „Gazzetta dello Sport“. Darüber hinaus sei er „einer der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte Hamburgs“ gewesen. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ kennt die ewige HSV-Legende als einen Fußballspieler, der „die traditionellen Stärken des deutschen Fußballs repräsentiert“ hätte. Gemeint seien damit „Kraft, hohe Moral, Einsatz und ein unzähmbarer Wille zum Sieg“. In England und Italien war Uwe Seeler also kein Unbekannter. Auch dort schätzt man ihn als herausragenden Fußballer und fairen Sportsmann.

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Während Uwe Seeler mit dem HSV Deutscher Meister, Pokalsieger sowie mehrfacher Fußballer des Jahres und Torschützenkönig wurde, blieb ihm der Weltmeistertitel immer verwehrt. „Wenn ich schon bei vier Weltmeisterschaften dabei war, hätte ich auch gern einmal den Titel geholt. Aber ich hatte nicht das Glück“, sagte Uwe Seeler einmal. Dass es nichts mit einem WM-Titel wurde, liegt unter anderem am „Jahrhundert-Spiel“ 1970 und dem Finale 1966 von Wembley. Beide Male mussten sich Seeler und sein Team geschlagen geben. Gegner waren Italien und England. Dennoch schrieb Seeler WM-Geschichte: Neben Miroslav Klose, Pelé und Cristiano Ronaldo gelang es Seeler bei vier WM-Turnieren immer zu treffen.

Uwe Seelers Tod ist für Hamburg ein schmerzhafter Verlust: „So wie Uns Uwe möchten wir alle sein“

Uwe Seeler schaffte es immer seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden. Das bewundert auch Olaf Scholz. Bei Twitter schreibt der Bundeskanzler: „Deutschland trauert um „Uns Uwe“. Er war Vorbild für viele, Fussballlegende und natürlich Hamburger Ehrenbürger. Zu seinem 80. Geburtstag durfte ich die Tischrede halten: So wie #UnsUwe möchten wir eigentlich alle sein: selbstbewusst und bescheiden.“ Für Peter Tschentscher, der 2018 Scholz als Bürgermeister Hamburgs ablöste, war „Uns Uwe“ ebenfalls eine „außerordentliche hanseatische Persönlichkeit“.

„Mit Uwe Seeler verliert unsere Stadt ein Stück von sich selbst - bodenständig, ehrlich, hanseatisch“, fasst der SPD-Politiker die Trauer seiner Stadt zusammen. Andy Grote (SPD) beschreibt ihn als „Hamburger Original“, ein „Vorbild, weit über den Hamburger Sport hinaus“. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) blickt nach NDR-Angaben „mit viel Dankbarkeit an unsere Begegnungen zurück, wenn ich ihn, meistens mit seiner Frau Ilka getroffen habe.“ Fegebank hätte besonders seine humorvolle wie bodenständige Art bewundert.

Uwe Seeler: „Sein Sportsgeist und Werte leben weiter“ – Bürger können sich im Rathaus verabschieden

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bedauert ebenfalls den Tod von Uwe Seeler. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagt der CDU-Politiker: „Mit Uwe Seeler verliert die Welt einen einzigartigen Sportler und einen Menschen mit ganz besonderer Strahlkraft weit über den Fußball und weit über Norddeutschland hinaus“. Auch Schleswig-Holstein hätte für „Uns Uwe“ eine besondere Rolle gespielt. Unter anderem erinnert Günther an seinen letzten Wohnort in Norderstedt und den Uwe-Seeler-Fußball-Park, gelegen in Malente.

Es ist die zentrale Bildungsstätte des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes – dort, wo „sein Sportsgeist und seine Werte weiterleben und weitergegeben“ werden, ist sich Günther sicher. Dass Hamburg jedoch immer für Seeler Heimat bedeutete, zeigt nun auch folgende Aktion, die am heutigen Freitag, dem 22. Juli 2022, startet: Bürgerinnen und Bürger können sich zu Ehren Uwe Seelers im Rathaus in ein Kondolenzbuch eintragen, sich ein letztes Mal vom beliebten Hamburger verabschieden.

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