Gefährliches Hack

Keine Angst vor Würstchen-Lockdown – Corona-Fleisch für Hamburger ungefährlich

  • Enno Eidens
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Die Hamburger Gesundheitsbehörde gibt Entwarnung. Fleisch aus Corona-Schlachthöfen ist nicht gefährlich. Der Tönnies-Skandal reicht weit über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus. Das Land Schleswig-Holstein trifft Vorkehrungen, um Corona-Fälle in Norddeutschland zu verhindern.

  • Update: Corona-Fleisch für Hamburger ungefährlich.
  • Über 1.500 Tönnies-Mitarbeiter mit dem Coronavirus-Sars-CoV-2* infiziert.
  • Schleswig-Holstein und Hamburg* mit verstärkten Kontrollen.

Update vom 25. Juni, 9:30: Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat sich zum Thema Tönnies im Norden geäußert. Im Interview mit 24hamburg.de gibt es vor allem Entwarnung. Aktuell liegen „keine Informationen über einen Zusammenhang der gemeldeten positiv getesteten Corona-Fälle in Hamburg mit dem Ausbruchsgeschehen der Firma Tönnies vor“, sagt die Gesundheitsbehörde Hamburg.

Zudem stehe die Behörde im Austausch mit Schleswig-Holstein. Die Lage werde täglich beobachtet, entsprechende Maßnahmen ergriffen. Für mögliche Lockdown-Maßnahmen sei Hamburg allerdings nicht zuständig. Das liege im Zuständigkeitsbereich der Behörde in Schleswig-Holstein. Wie die auf das Tönnies-Drama in Nordrhein-Westfalen reagierte, hat 24hamburg.de an dieser Stelle bereits berichtet.

Hamburger Gesundheitsbehörde gibt Entwarnung: Fleisch vom Corona-Schlachthof ungefährlich

Eine weitere Entwarnung gibt die Hamburger Gesundheitsbehörde in Sachen Corona-Fleisch. Wer sich Sorgen um ein Infektionsrisiko bei Fleischkonsum gemacht hat, kann nun beruhigt sein. Die Behörde sagt generell: „Zum jetzigen Zeitpunkt sind uns keine Übertragungen des Coronavirus durch den Kauf oder Konsum von Lebensmitteln bekannt.“ Allerdings können „Coronaviren von einer infizierten Person auf Wurst oder Fleisch übertragen werden, wenn Hygieneregeln missachtet werden.“

Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, sich über eine Schmierinfektion von einer Wurstpackung oder ähnlichem anzustecken, denn „das Virus ist auf nicht lebendem Material, damit auch auf Lebensmitteln, instabil und nicht vermehrungsfähig“, versichert die Hamburger Gesundheitsbehörde. Wegen der Zeitdauer zwischen Herstellung und Konsum könne man das Ansteckungsrisiko auf diesem Wege als gering ansehen.

Wichtig: Fleisch vor dem Verzehr gründlich erhitzen.

Für Hamburger gibt es einen einfachen Trick, der auch in Zeiten ohne Coronaviren vor Infektionen durch Fleischprodukte schützt. Die Hamburger Gesundheitsbehörde empfiehlt das gründliche Erhitzen von Fleisch. Es reicht aus, dieses an allen Stellen für mindestens zwei Minuten auf mindestens 70 Grad Celsius zu erhitzen, „bis austretender Fleischsaft klar ist und das Fleisch eine weißliche (Geflügel), graurosafarbene (Schwein) oder graubraune Farbe (Rind) angenommen hat.“

Würstchen-Lockdown in Hamburg: Corona-Sorgen im Norden wegen Tönnies-Skandal

Ursprünglicher Beitrag vom 25. Juni, 14:40 Uhr: Hamburg/Kiel – Die Zahlen schockieren: über 6.500 Mitarbeiter von Tönnies-Betrieben und deren Familienmitglieder müssen in Quarantäne, mehr als 1.500 haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Im Norden steigt die Sorge vor einem Coronavirus-Ausbruch bei großen Schlachthöfen. Möglich ist es, das zeigen die Corona-Fälle im Vion-Schlachthof im Kreis Segeberg*. Das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein und die Kieler Landesregierung haben bereits reagiert und die Corona-Kontrollen verschärft. Hamburg könnte noch nachziehen.

UnternehmerClemens Tönnies
Geboren27. Mai 1956 (Alter 64 Jahre), Rheda, Rheda-Wiedenbrück
Vermögen2,2 Milliarden USD (2020)
EhepartnerinMargit Tönnies
KinderMaximilian Tönnies, Julia Tönnies
GeschwisterBernd Tönnies, Annette Hermann, Andrea Tönnies

Hamburg/Kiel: So will der Norden Corona-Fälle wie im Schlachthof von Clemens Tönnies verhindern

Der Fall Tönnies, der jüngst auch prominent bei Markus Land (ZDF) diskutiert wurde*, ist einzigartig. Nie zuvor haben sich so viele Mitarbeiter eines Schlachthofs mit dem Coronavirus infiziert. 1500 Coronavirus-Infektionen, 6.500 Menschen in Quarantäne. Der Münchner Merkur berichtet über die Corona-Fälle beim Tönnies-Schlachthof*. Bis zum Dienstag, 30. Juni 2020, wird der gesamte Landkreis Gütersloh nun unter einen Lockdown gestellt. Das hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstag, 23. Juni 2020, verkündet. Zudem sprechen ersten Länder Einreise-Quarantäne für Menschen aus den Corona-Gebieten aus. Dazu zählt auch Schleswig-Holstein.

Im Norden konnte man die Corona-Katastrophe in Schlachthöfen bisher abwenden. Beim Schlachthof-Betreiber Vion im Kreis Bad Segeberg* infizierten sich nur rund 140 Mitarbeiter. Schon im Mai hat die Landesregierung in Kiel angeordnet, dass alle Mitarbeiter der sechs größten Schlachthöfe in Schleswig-Holstein getestet werden. Clemens Tönnies gehören drei Schlachthöfe im nördlichsten Bundesland. Der Schlachthof in Kellinghusen ist gerade mal 65 Kilometer von Hamburg entfernt. Nun verschärft das Kieler Gesundheitsministerium die Corona-Vorschriften für Schlachthöfe.

Wie hoch ist das Risiko für Hamburger Wurstliebhaber?

Gesundheitsministerium: Harte Coronavirus-Regeln für Schlachthöfe in Norddeutschland - Angst vor Lockdown wie nach Tönnies-Fall

Das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein greift durch. In einem Erlass vom Dienstag, 23. Juni werden zwei Corona-Tests für neue Mitarbeiter festgeschrieben. Zwar wurden schon im Mai alle Mitarbeiter getestet, doch nun werden die Maßnahmen verschärft. Nötig sind für neue Mitarbeiter von Schlachthöfen in Schleswig-Holstein nun zwei negative Tests. Dazwischen müssen mindestens zwei Tage liegen. Diese Vorgaben werde man mit der staatlichen Arbeitsschutzbehörde „engmaschig kontrollieren“, so das Kieler Gesundheitsministerium.

Die Kieler Landesregierung beschließt zudem am Mittwoch, 24. Juni 2020, härtere Einreiseregeln für Menschen aus den Corona-Gebieten. Dazu zählt auch der Kreis Gütersloh, wo der Tönnies-Schlachthof mit den vielen Corona-Fällen steht. Die Quarantäne gilt für alle Reisenden aus einem Gebiet mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Der Kreis Gütersloh hat 361.828 Einwohner (Stand 2016), demnach wären hier maximal 181 Neuinfektionen erlaubt. Der Hamburger Senat hat bisher keine neuen Regelungen erlassen.

Hamburg: Wie gefährlich ist das Corona-Fleisch aus dem Tönnies-Schlachthof für Verbraucher?

Für Hamburger Verbraucher stellt sich nun die Frage, ob der Konsum von Tönnies-Fleisch und Wurst weiterhin ungefährlich möglich ist. Zu den Tönnies-Schlachthöfen gehören viele bekannte Marken. Im Norden sind zum Beispiel die Böklunder Würstchen sehr beliebt, aber auch die kleinen Schnitzel namens Tillman’s Toasty dürften viele kennen. Der Münchner Merkur* berichtet auch darüber, dass das Corona-Risiko beim Tönnies-Fleisch* für Konsumenten nicht zu vernachlässigen sei.

Die Experten sind sich nicht einig. Manche schließen eine Infektion bei Verzehr der Fleischprodukte aus, weil Coronaviren hauptsächlich über die Atemwege und Aerosole übertragen werden. Der Verzehr von Fleisch aus Tönnies-Betrieben in Rheda-Wiedenbrück sei unbedenklich.

Andere Experten sehen die Situation kritischer und bemängeln, dass die aktuelle Produktion aus dem Schlachthof noch weiterverkauft wird. Die Kontamination sei auch über Oberflächen, beispielsweise in der Produktion, möglich. Zur Sicherheit solle man jedes Fleischprodukt gründlich erhitzen und auf keinen Fall roh verzehren. Auf Mettbrötchen müssen Hamburger Hackliebhaber also erstmal verzichten.

Corona-Fälle im Schlachthof: Tönnies ist kein Einzellfall – Problem Leiharbeiter

Im niedersächsischen Wildeshausen wurden nun ebenfalls Corona-Fälle in einem Schlachthof gemeldet. Bei einem Schlachthof der PHW-Gruppe* wurden 23 von 50 getesteten Mitarbeitern positiv auf das Coronavirus getestet. In Schleswig-Holstein sollen die verschärften Regeln einen Ausbruch wie beim Tönnies-Schlachthof oder dem in Niedersachsen verhindern.

Ein großes Problem, das nun bundesweit behandelt wird, sind die vielen Leiharbeiter in Schlachthöfen. Diese arbeiten oft unter dem Radar der Behörden, was es schwierig macht, ihren Wohnsitz und den angemessenen Arbeitsschutz zu überprüfen. Das kann schnell gefährlich werden, wie die Mietskasernen in Gütersloh und Bad Segeberg bei Hamburg zeigen.

Auf der Arbeits- und Sozialministerkonferenz im November 2019 haben die Länder den Bund aufgefordert, bundesgesetzliche Regelungen zu diesen Problemen zu treffen. Diese wurden nun teilweise in ein Eckpunktepapier aufgenommen, an dem es allerdings noch Nachholbedarf gibt, so Heiner Garg (FDP), Sozialminister von Schleswig-Holstein. Auch die Grünen kritisieren die Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen. Ein Gesetz zum Schutz der Mitarbeiter soll Tönnies versucht haben zu umgehen*.

Coronavirus in Hamburg und Schleswig-Holstein: Wie gefährlich sind Tönnies-Schlachthöfe für Hamburg?

Aktuell sind auf den Tönnies-Schlachthöfen in Norddeutschland keine Corona-Ausbrüche bekannt. Dennoch wurden die Kontrollen durch die Landesregierung verschärft. Zu Clemens Tönnies gehören in Schleswig-Holstein drei große Schlachthöfe: in Satrup, Böklund und Kellinghusen. Auch wenn ein Hamburger Arzt und YouTuber vor dem Fleischkonsum warnt*, eine aktuelle Corona-Gefahr geht von dem Tönnies-Fleisch aus Norddeutschland offenbar nicht aus.

Tönnies-Produkte erkennen Sie im Supermarkt anhand der folgenden Kennzeichen: NW 20202 EG, NW 20028 EG und NW 20045 EG. In diesen Marken wird Tönnies-Fleisch verarbeitet:

  • Böklunder
  • Könecke
  • Redlefsen
  • Schulte
  • Zerbster Original
  • Plumrose
  • Nölke (Gutfried)
  • Tillman´s

24hamburg.de hat beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)* nachgefragt, wie riskant der Konsum von Fleisch aus norddeutschen Schlachthöfen ist. Die Antworten haben uns bis zu Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht erreicht. Auch in der Gemeinde Hatten westlich von Bremen kam es zu einem Coronavirus-Ausbruch*. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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