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Hunderte Tiere herzlos „entsorgt wie Müll“ – Hamburger Tierschutzverein zieht Horror-Urlaubsbilanz

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Von: Christian Domke Seidel

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Die Sommerferien sind im Norddeutschland vorbei. Für viele Tiere war das eine schlimme Zeit – wenn nicht sogar die schlimmste ihres Lebens. Hamburger Tierschutzverein zieht eine erschreckende Bilanz der Sommerferien, klärt auf und zeigt herzlose „Tierentsorger“ direkt an.

Hamburg – Auf dreiste Art und Weise hat sein Besitzer den Mischlingshund Tay ausgesetzt. Der Mann band das Tier einfach vor dem Tierheim an, aus dem er den Hund im Jahr 2017 gerettet hatte. Schlau war das nicht. Denn der Halter ist der Einrichtung natürlich bekannt. So hat auch die Tierschutzberatung des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) Anzeige gegen die Person gestellt. Es war nur eines von 254 ausgesetzten Tieren während der Ferienzeit.

Tierschutzorganisation in HamburgHamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.
AdresseSüderstraße 399, 20537 Hamburg
Telefon040 2111060

Tierschutzverein Hamburg: Ferienzeit für Tiere ein Qual – „entsorgt wie Müll“ für entspannenden Urlaub

Das ist die traurige Bilanz des HTV. Insgesamt 254 Tiere wurden in der Ferienzeit von ihrer Familie verstoßen. 98 Tiere hatten das Glück, dass die Besitzer sie ins Tierheim brachten. 156 Tiere wurden mitunter „wie Müll entsorgt“, wie es der HTV in einer Presseaussendung ausdrückt.

In der linken Bildhälfte schleicht eine mehrfarbige Glückskatze. In der rechten Bildhälfte steht ein schwarzer Hund und hebt den Kopf.
Katze Maja wurde in einer Transportbox im Wald ausgesetzt. Mischling Tay wurde vor dem Tierheim angeleint. Gegen seinen Besitzer wird Anzeige erstattet. (24hamburg.de-Montage) © Tierschutzverein Hamburg von 1841 e.V.

„Es ist immer wieder erschütternd, wie skrupellos Halter*innen mit den ihnen anvertrauten Tieren umgehen. Dass Ferien oder Urlaub einen höheren Stellenwert haben als die Versorgung des eigenen Schutzbefohlenen, ist mir unbegreiflich“, zeigt Janet Bernhardt, die erste Vorsitzende des HTV, Unverständnis für solche Aktionen

Tiere aussetzen: Höchststrafe von bis zu 25.000 Euro Strafe, wenn es überlebt – drei Jahre Knast, wenn es stirbt

Ein Tier zu verstoßen ist kein Kavaliersdelikt. Das besagt Paragraf drei des Tierschutzgesetzes. Es ist verboten, ein Tier auszusetzen, dass sich in der Obhut von Menschen befindet. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit, die bis zu 25.000 Euro Strafen kosten kann. Kommt das Tier zu Tode, wird aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat, auf die bis zu drei Jahre Gefängnis steht.

Deswegen differenziert der HTV auch in der Statistik zwischen Tieren, die im Tierheim abgegeben werden und denen, die oft nur durch Zufall entdeckt und durch die Finder vorbeigebracht werden. Die Dunkelziffer der Tiere, die es gar nicht bis ins Tierheim schafft, ist entsprechend hoch. Lässt sich aber vom HTV nur schwer schätzen. Unter den Haustieren, die in der Ferienzeit abgegeben werden, sind mitunter sogar sehr exotische Tiere.

 Diese 156 Tiere wurden in der Ferienzeit in Hamburg ausgesetzt

Die Tiere wurden von den Familien ausgesetzt und später im Tierheim nicht wieder abgeholt. Die geringe Zahl an Hunden führt der HTV auf die eingeführte Chip-Pflicht zurück. Besitzer lassen sich dadurch leicht ermitteln.

Ein weißes Axolotl mit rot schimmernden Fühlern schwimmt in einem Aquarium.
Sogar zwei Axolotl wurden beim Hamburger Tierschutzverein abgegeben. © Jan-Peter Kasper/dpa-tmn/picture allaince

Anzeige gegen Besitzer: Hamburger Tierschutzverein verfolgt grausame Fälle

Wer ein Haustier einfach aussetzt, der spielt mit deren Leben. „Wenigstens den Gang in das nächstgelegene Tierheim sollte ein Mensch unternehmen, der sein Tier nicht mehr versorgen kann oder möchte, um Schlimmeres zu verhindern und damit seiner Verantwortung gerecht zu werden“, appelliert Janet Bernhardt. Das kann auch für die Besitzer von Vorteil sein. Denn die besonders grausamen Fälle verfolgt der HTV, um Anzeige zu erstatten.

So wie den Fall der Kaninchen Krümel und Klara. Die beiden weißen Tiere mit schwarzen Flecken setzte deren Besitzer auf einer Autobahnraststätte in der Lüneburger Heide aus. Der Karton, in dem die Tiere vegetierten, war blutverschmiert. Eines der Tiere musste der HTV einschläfern, da ein riesiger Tumor zwischen den Vorderpfoten aufgeplatzt war.

Hahn Farin und Kaninchen Krümel und Klara: Eines der Tiere musste eingeschläfert werden

Auch Hahn Farin entsorgten seine Halter auf besonders grausame Weise. Das schwerkranke Tier mit beschnitten Schwingen warf einfach jemand über den Gartenzaun der Finderin. Er sei „wie Müll entsorgt“ worden, schreibt der HTV. So lieblos würde Judith Rakers mit ihren Hühnern* niemals umgehen.

In der linken Bildhälfte ist ein weißer Hahn mit rotem Kamm zu sehen. In der rechten Bildhälfte zwei Kaninchen in einem braunen Karton mit einem Blutfleck an der Innenseite.
Hahn Farin und die Kaninchen Krümel und Klara wurden auf grausame Weise in der Ferienzeit „entsorgt wie Müll“. (24hamburg.de-Montage) © Tierschutzverein Hamburg von 1841 e.V.

Dabei gibt es zahlreiche Tipps, wie sich auch mit Haustier ein entspannter Urlaub* unternehmen lässt. Wer sie nicht beachtet, der riskiert ein Drama. So wie am Samstag, 8. August 2020. Ein Passant rettete einen Hund aus einem völlig überhitzten Auto*. Doch auch, wenn das Tier in den Urlaub mitkommt ist Vorsicht geboten. An der Ostsee starben mehrere Hunde*, weil sie vergiftetes Wasser getrunken haben. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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