Schock an der Zapfsäule?

Teures Benzin: Annalena Baerbock will höheren Benzinpreis fürs Klima

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Warum ist das Benzin teuer? Das fragen sich viele Autofahrer. Doch Annalena Baerbock reicht das nicht. Die Grünen wollen einen noch höheren Preis – für das Klima.

Hamburg/Berlin – Erst das Tempolimit, dann der Benzinpreis: Trotz eines Umfrageabsturzes setzt Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) ihren umweltpolitischen Kurs weiter unbeirrt fort. So strebt die Grünen-Parteichefin im Falle einer erfolgreichen Bundestagswahl die Erhöhung der Kraftstoffpreise* an. Der Preis für Benzin müsse mindestens um 16 Cent pro Liter steigen, kündigte Baerbock in einem „Bild“-Interview an. Sie begründete den Aufschlag mit einer höheren CO2-Bepreisung im Rahmen des neuen Klimaschutzpakets.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelle Ämter:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Bei Autofahrern dürfte die Ankündigung ein kleiner Schock sein. Denn seit Jahresbeginn fragen sie sich regelmäßig beim Tanken an der Zapfsäule: Warum ist Benzin gerade so teuer? Vor allem zwei Faktoren treiben die Kosten für Energie derzeit nach oben: So war wegen der Corona-Krise die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr gesenkt. Nun liegt sie wieder auf dem alten Niveau. Hinzu kommt, dass seit Anfang des Jahres 2021 eine Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid fällig ist, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Annalena Baerbock (Grüne): Kanzlerkandidatin will Preis für Benzin um 16 Cent pro Liter anheben

Das lässt die Preise fürs Heizen und Tanken nach oben klettern. Zum Jahreswechsel verteuerte sich der Benzinpreis dadurch schon um sechs Cent pro Liter. Dieser müsse nun in den kommenden Jahren „schrittweise weiter angehoben werden“, stellte Baerbock klar. Sie würde dies gerne in der nächsten Bundesregierung einführen. Ähnlich hatte sich zuletzt auch schon ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck geäußert.

Will einen höheren Preis für Benzin: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne). (24hamburg.de-Montage)

Die Chancen auf Umsetzung eines höheren Benzinpreises stehen nicht schlecht. Baerbock hatte zuletzt in den Umfragen gute Aussichten, bei der kommenden Bundestagswahl im September die Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu werden. Nachdem sie nach ihrer Nominierung drei Wochen lang die Meinungserhebungen angeführt hatte, liegt sie nun in einigen Analysen wieder hinter der Union mit Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU).

Mehrheit findet grüne Pläne zum Klimaschutz gut – doch warum ist Benzin jetzt schon so teuer?

Fehler bei nicht angegebenen Nebenverdiensten und Bonus-Zahlungen hatten Baerbock zuletzt einiges Ansehen gekostet. Inwieweit aber die Ankündigungen zur Umweltpolitik den Grünen einen zusätzlichen Stimmungsdämpfer kosten, bleibt abzuwarten. Das Thema Benzinpreis ist bei der Ökopartei allgegenwärtig. Legendär ist der Wahlkampf von 1998. Damals forderten sie eine Erhöhung des Preises auf fünf Mark pro Liter – was sie damals erhebliche Stimmenanteile kostete. Doch die Situation ist nicht mehr vergleichbar.

Neusten Umfragen zufolge ist für eine Mehrheit der Wähler die Umwelt- und Klimapolitik mittlerweile eine der wichtigsten Wahlentscheidungen. Dementsprechend forsch treten die Grünen um Baerbock auch auf. Vor der Benzinpreis-Forderungen stieß die 40-jährige Parteichefin auch schon eine Debatte über das Tempolimit 130 auf deutschen Autobahnen an. Zudem verlangte sie eine höhere Besteuerung von Kerosin, was Kurzstreckenflüge unattraktiver machen soll. Und dabei stehen die Grünen nicht alleine: So buhlt Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) bereits intensiv um grüne Wähler, indem er selber gleich eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autofahrer und einen Stopp von Billigflügen fordert. * 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa/picture alliance & Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

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