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Gegen Moia: Elektronische Rettung für Hamburgs Taxi-Branche

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Hundert alte Diesel-Taxis will Rot-Grün in Hamburg gegen Elektro austauschen. Natürlich fürs Klima – und als Rettungs-Maßnahme für das Krisen-Gewerbe.

  • Über Hamburgs Straßen fahren über 3200 Taxis – die meisten mit Diesel
  • Rot-grüne Regierungsfraktionen wollen 100 Elektroautos fördern.
  • Initiative soll Krisen-Branche im Wettbewerb mit Konkurrent Moia stärken.

Hamburg – Für ein kriselndes Hamburger Gewerbe ist es eine gute Nachricht: Mit einem Förderprogramm sollen insgesamt 100 elektrisch betriebene Taxis zusätzlich auf die Straße gebracht werden. Diesen Vorschlag haben die rot-grünen Regierungsfraktionen in einem Antrag der Hamburger Bürgerschaft unterbreitet. Neben den Autos soll auch der Aufbau von dafür benötigten Ladestationen in der Stadt massiv vorangebracht werden. Damit wolle man „für die in der Corona-Krise arg gebeutelte Taxi-Branche gute Rahmenbedingungen schaffen, so dass die schrittweise Umrüstung der Fahrzeugflotte auch für die Betreiberfirmen attraktiv wird“, teilte SPD-Verkehrsexperte Ole Thorben Buschhüter mit.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster BürgermeisterPeter Tschentscher (SPD)

Den Angaben zufolge befahren insgesamt 3200 Taxis die Straßen der Hansestadt Hamburg. Ein Großteil der Autos wird aus Kostengründen noch mit Diesel betrieben. Im Durchschnitt legt ein Wagen 62.000 Kilometer pro Jahr zurück. Vor diesem Hintergrund erhofft sich die Branche eine starke Einsparung vom klimaschädlichen CO2. Bei der Größe der Flotte sei das Einsparpotential „beachtlich“, sagte Buschhüter.

Gewerbe in der Corona-Krise: Taxiunternehmer fürchten um Existenz

Der rot-grüne Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Im Oktober findet in Hamburg der ITS-Weltkongresses (Intelligent Transport Systems) statt, auf dem moderne und vielseitige Verkehrskonzepte und Mobilitätsinnovationen präsentiert werden sollen. Vor diesem Hintergrund arbeitet die Hansestadt Hamburg hart daran, zum weltweiten Schaufenster für umweltgerechte Mobilität zu werden.

Moia und klassische Hamburger Taxis kämpfen ums überleben. Wer übersteht die Corona-Krise? (24hamburg.de-Montage)

Für das Hamburger Taxigewerbe kommt die Initiative derweil zur rechten Zeit. Die Auswirkungen der Corona-Krise mit ihren vielen Kontaktbeschränkungen stellt für die Unternehmer eine schwere Herausforderung dar. Unter dem Aufruf „Finanzielle Unterstützung des Taxigewerbes“ machten viele Fahrer bei einem Demonstrationskorso quer durch die Stadt erst Anfang Dezember auf ihre angespannte Lage aufmerksam. Viele fürchten demnach um ihre Existenz.

Denn die üblichen Fahrten zum Theater, Restaurant oder Club fallen seit fast einem Jahr komplett weg. Für viele zählt auch die Fahrt zum Hamburger Flughafen oder Hauptbahnhof zur Haupteinnahmequelle. Da wegen Corona aber kaum Touristen in der Stadt sind, gibt es auch solche Fahrten kaum. In einem Brief an Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) bezifferten Vertreter die Initiatoren der Demonstration von einem Einbruch der Taxi-Nachfrage in Höhe von 80 bis 90 Prozent.

Zuletzt hatte den Taxiunternehmern auch die starke Konkurrenz durch neue Elektro-Fahrdienste wie Moia zugesetzt und für weitere Einnahmeverluste gesorgt. Allerdings leidet der Mitbewerber derzeit ebenso unter der Corona-Krise wie die Taxiunternehmen. Seit Weihnachten hat der Sammeltaxi-Ambieter seinen Dienst in Hamburg vorübergehend eingestellt. Damit reagiere man auf das aktuelle Infektionsgeschehen und die Bund-Länder-Beschlüsse zur weiteren Einschränkung des öffentlichen Lebens, hatte das Unternehmen in einer Mitteilung erklärt.

Förderprogramm: SPD und Grüne sehen Beitrag zum Klimaschutz

Die rot-grünen Regierungsfraktionen sind jedenfalls gewillt, die Taxi-Branche im Wettbewerb zu stärken. Der Umstieg auf Elektromobilität böte den Unternehmen eine Chance, Betriebs- und Wartungskosten zu senken und sich zukunftsfest aufzustellen, sagte der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion, Johannes Müller. Darin wolle man die Unternehmen unbedingt unterstützen.

Ob der Plan aufgeht, ist allerdings noch nicht klar. Weder zu Kosten noch zum Zeitpunkt der Einführung machten die beiden Parteien konkrete Angaben. Zuerst wolle man ein Gespräch mit Vertretern des Taxi-Gewerbes führen, hieß es. Beim Ausbau der Infrastruktur mit Schnellladesäulen müssten zudem auch die Vertreter anderer Verkehrsunternehmen angehört werden. Dabei gelte es, Synergieeffekte auszuloten, stellte SPD-Politiker Buschhüter klar.

Grundsätzlich zeigte sich Rot-Grün aber von ihrem Vorgehen überzeugt. „Der Verkehrssektor gehört zu den größten Emittenten von CO2 und stellt damit eines der wichtigsten Felder der Energiewende dar“, sagte Verkehrsexperte Müller. Die gute Nachricht dabei sei: „Elektromobilität wird immer attraktiver und ist zunehmend auch im großen Maßstab einsetzbar.“ *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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