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Tattoo-Farben-Verbot 2022: Umsatzeinbruch für Hamburgs Tätowierer?

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Von: Robin Dittrich

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Corona hat auch vor der Tattoo-Branche keinen Halt gemacht – viele Läden mussten schließen. Jetzt drückt ein Farben-Verbot die Stimmung. Was das für Tätowierer bedeutet.

Hamburg – Die Kunstwerke unter der Haut sieht man heutzutage bei vielen Menschen. Tätowieren ist zum Trend geworden. Damit könnte jedoch bald Schluss sein. Seit diesem Jahr greift ein Verbot, durch das den Künstlern die Kunden ausgehen könnten. Die EU beschloss, eine Vielzahl an Inhaltsstoffen zu verbieten, die in den meisten Tätowierfarben zu finden sind. Die seit dem 4. Januar 2022 geltende REACH-Verordnung beschränkt damit massiv den Gebrauch an Farben, die ein Tätowierer benutzen darf.

Sind Farben beim Tätowieren krebserregend? Es kann nicht ausgeschlossen werden.

Schon im Jahr 2015 wurde die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) damit beauftragt, die in Tätowierfarbe enthaltenen Chemikalien zu überprüfen. Auch nach sieben Jahren kann immer noch nicht klar gesagt werden, ob die Inhaltsstoffe krebserregend sind oder nicht. Laut ECHA kann das zumindest nicht ausgeschlossen werden. Die Beschränkung war deshalb notwendig – so heißt es von Seiten der Kommission. Es soll das Tätowieren sicherer machen und nicht gänzlich verbieten. Dennoch ist es ein erneuter harter Schlag für die schwer mitgenommene Branche.

Ein Tätowierer tätowiert den Arm eines Kunden. In dem Bild ist ein Kreis eingefügt, in dem jemand eine Vielzahl an Tattoofarben hält. Dieses Bild ist durchgestrichen und symbolisiert die verbotenen Farben.
Gibt es aufgrund der REACH-Verordnung bald keine farbigen Tattoos mehr? (24hamburg.de-Montage) © imago

Die Corona-Pandemie ging auch an Hamburgs Tätowierern nicht spurlos vorüber. Lange Schließungen während der Lockdowns und ein allgemeiner Rückgang der Kunden – viele Studios mussten sogar dauerhaft schließen. Durch die neue Verordnung könnte es jetzt erneut zu großen Umsatzeinbußen kommen. Insbesondere wenn Anfang 2023 auch noch die Pigmente blau und grün verboten werden, könnten die Tätowierer praktisch nicht mehr mit Farbe arbeiten. Momentan gibt es also nur noch schwarz, weiß und grau – zu langweilig für viele Tattoo-Fans. Sollte es bis dahin keine neuen EU-konformen Farben geben, könnten viele Kunden den Studios fernbleiben.

„Viele Kunden fragten nach Farben, weil sie von dem Verbot wussten“ – Tätowierer Tim D. aus Hamburg

Dass das Verbot den Kunden gegen den Strich geht, zeigt ein 24hamburg.de-Interview mit Tätowierer Tim D. aus Hamburg. Der 32-Jährige tätowiert im Hamburger Tattoostudio „Red Corner“ in Harburg und Buchholz. „Viele Kunden fragten im letzten Jahr gezielt nach farbigen Tattoos, weil sie von den Verboten ab 2022 gehört hatten“, erinnert sich Tim. Durch das Wegbleiben dieser Kunden drohen Umsatzeinbußen. „Die Preise der Produkte und Zubehör sind seit der Corona-Pandemie enorm gestiegen“, fügt er noch hinzu. Geringere Einnahmen und höhere Ausgaben könnten viele Tätowierer in andere Branchen drängen.

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Doch es gibt auch Lichtblicke: durch neue Farben könnte Tätowieren auch nachweislich sicherer werden. Neue EU-konforme Produkte werden aus Künstler-Sicht trotz Skepsis gut aufgenommen: „Die Tattoos mit dem neuen Schwarz sehen sehr gut aus“, zeigt sich Tim positiv. Leider gibt es für diese Farben keine Langzeitstudien. Man weiß somit nicht, wie die Tattoos in ein paar Jahren aussehen werden. „Ich hoffe, dass in den nächsten Wochen neue Farben auf den Markt kommen, damit wir auch unsere farbenfrohen Kunden zufriedenstellen können“, sagt Tim. Bis dahin gibt es wohl nur schwarz-weiß. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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