Party-Invasion in Nobel-Vierteln

Suff, Dreck und Krawall: Junges Party-Volk nimmt Winterhude auseinander

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Wegen harter Maßnahmen in den bekannten Hotspots zieht Hamburgs Party-Volk jetzt in die Nobelviertel. Winterhude ist bereits in Angst und Schrecken.

Hamburg – Hamburg erwacht aus dem Corona-Lockdown. Nachdem sich ein Jahr lang die Lust auf Party aufgeladen hatte, entlud das Partyvolk in den vergangenen Wochen in Hamburg all ihre angestaute Energie – ganz zum Leidwesen des Schanzenviertels, das verwüstet hinterlassen wurde*. Anwohner mussten unter dem Party-Chaos leiden. Nun zog die Polizei Konsequenzen: Partyzonen wie das Schanzenviertel werden den jungen Menschen verleidet: Dauernde Polizei-Kontrollen, frühe Sperrstunden, Alkoholverbot – das lädt nicht wirklich zum Feiern ein. Doch die Partymeute lässt sich auch weiterhin das Feiern nicht verbieten – und landet nun in den besher beschaulichen Vierteln der Reichen und Schnösel.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Party-Chaos in Hamburg: Partyvolk macht sich in Winterhude breit

Auch am vergangenen Wochenende stellte das Partyvolk Hamburgs Polizei vor schwierigen Herausforderungen*. Maßnahmen, die den Alkoholkonsum einschränken sollten, liefen bislang ins Leere. Hamburgs Polizei-Einsätze, die auch vor übertriebenen Methoden wie der Verwendung von Wasserwerfern keinen Halt machten*, allerdings könnten die Feiernden zum Umdenken gebracht haben – zumindest, was den Ort angeht, um weitere Partys zu veranstalten.

Dem coronabedingten Alkoholverbot auf Hamburgs Kiez trotzen sie*, indem sie sich nun einfach neue Viertel suchen: Statt im Schanzenviertel oder auf der Reeperbahn versammeln sich jetzt die Feierenden im schicken Winterhude und gepflegten Parks.

So entwickelte sich auch Hamburgs Winterhuder Kai zum neuen Corona-Hotspot – obwohl die Grünfläche am Alsterlauf nicht einmal 300 Meter lang ist. Diesen Status als neue Partymeile erhielt der Platz an der Alster bereits im letzten Jahr: „Was vor einigen Jahren noch als Geheimtipp galt, wird heute in den sozialen Medien als Party-Hotspot beworben“, wird das Bezirksamt Nord 2020 in einer Mitteilung zitiert. Zur Erinnerung: Auch da galt in der Schanze und auf St. Pauli wegen Corona Alkoholverbot, das durch Polizei-Dauerkontrollen gesichert wurde.

Anwohner in Angst vor Party-Volk: „Abends nicht mehr alleine aus der Wohnung“

Nun kehren Hamburgs Feier-Wütige also zurück. Die Folge: Lärm und Müll gehören im beschaulichen Winterhude nun zum neuen Alltag. Aus diesem Grund scheint es nicht unverständlich, dass Hamburgs Senatorin erst kürzlich mit drastischen Maßnahmen drohte*.

Corona in Hamburg: Partyvolk macht Winterhude zum neuen Party-Hotspot. (24hamburg.de-Montage)

Jetzt müssen selbst die Anwohner eingreifen, um sich und ihr Hab und Gut zu beschützen. Aufgestellte Zäune sollen etwa verhindern, dass ihre Gärten nicht verwüstet werden. Mit der Hoffnung in eine „schöne und vor allem sichere Gegend“ zu ziehen sei eine Anwohnerin nach Winterhude gezogen. „Nun traue ich mich abends nicht mehr alleine aus meiner Wohnung“, so die 30-Jährige.

Ein ähnliches Szenario offenbart sich nur wenige Kilometer weiter. Laut Polizeiangaben machten rund 750 Jugendliche auch den Winterhuder Stadtpark zur neuen Party-Meile. Dadurch dass in Hamburgs Stadtteil Winterhude kein striktes Alkoholverbot erlassen wurde, dauerte es nicht lange bis die ausgelassene Stimmung in Aggression überschlug. Glasscherben, Müll und Zigarettenstummel bezeugen auch noch Tage später die Party im Winterhuder Stadtpark, die sich sogar über den zugehörigen Spielplatz erstreckte.

Werden härtere Maßnahmen nun auch auf Nobelviertel ausgeweitetet?

Erst kürzlich antwortete Hamburgs Politik auf die Party-Ausschreitungen mit der Verlängerung der Corona-Maßnahmen. Sie erklärten neben dem Schanzenviertel, wo die Polizei erst kürzlich bei einem Randale-Rave einschreiten musste*, Teile von St. Pauli zur Party-Sperrzone und verhängten Alkoholverbote.

„Das sind harte Eingriffe, weil jeder betroffen ist. Aber ich fürchte, wir werden das noch mindestens den ganzen Juni beibehalten müssen“, so die Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Sollten die Party-Exzesse in ganz Hamburg* noch andauern, wäre es wohl nicht ausgeschlossen, wenn nach dem Schanzenviertel und St. Pauli schon bald weitere Orte konsequenter Corona-Auflagen unterliegen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Blaulicht News

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