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Sturmflut in Hamburg: Städtische Infos im Ernstfall nicht auffindbar

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Von: Kevin Goonewardena

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Wenn die nächste Sturmflut kommt, ist man auf der Suche nach Hilfe mit dem offiziellen Stadtportal hamburg.de schlecht beraten. Ein Selbstversuch im digitalen Dschungel.

Hamburg – Wenn im Frühjahr und Herbst regelmäßig der Hamburger Fischmarkt nach einer Sturmflut unter Wasser steht, sorgt dieser Umstand bei Nicht-Hanseaten für Aufregung, Hamburger und Hamburgerinnen ist hingegen kaum mehr als ein müdes Lächeln zu entlocken. Meist geht das Wasser wieder, ohne nennenswerte Schäden zu hinterlassen. Doch eine Sturmflut könnte auch anders ausgehen. Etwa wie bei der Sturmflut 1962, die sich dieses Jahr zum 50. Mal jährt. Wie sähe es da eigentlich mit dem Informationsfluss aus, wenn das Wasser steigt?

Ereignis:Sturmflut 1962
Wann:16. Februar 1962 – 17. Februar 1962
Obdachlos:rund 20.000
Todesopfer:315

Sturmflut in Hamburg: Elbinsel Wilhelmsburg besonders gefährdet

Auf der Elbinsel Wilhelmsburg, da wo sich der Elbstrom in Norder- und Süderelbe aufgeteilt hat, leben etwa 50.000 Menschen. Die Hamburger, die bei der Sturmflut 1962 in den Fluten den Tod fanden, stammen größtenteils von dort, von der Veddel – ebenfalls auf der Elbinsel gelegen – aus Harburg. Heute sind die Gebiete eingedeicht, kaum über dem Meeresspiegel liegen sie natürlich immer noch. Und längst nicht alle Gebäude befinden sich hinter den Deichen.

Fischauktionshalle
Da die Fischauktionshalle liegt direkt an der Großen Elbstraße, wird sie regelmäßig vom Hochwasser der Elbe überflutet. © Daniel Bockwoldt/dpa

Bei drohender Sturmflut in Hamburg: Wie werden die Menschen gewarnt?

Aber wie werden die Menschen nun gewarnt, wo finden sie Informationen? Die Wochenzeitung Die Zeit machte sich auf die Suche. So berichtet der Autor von Durchsagen per Lautsprecherwagen, die am vorletzten Wochenende, als das Orkantief Nadia über Norddeutschland fegte und einige Schäden anrichtete, in Wilhelmsburg zu hören waren. Ich selbst habe sie schon einige Male gehört, als ich noch in einem Büro in Övelgönne arbeitete. Autos solle man wegfahren, generell achtsam sein. Auch vor dem, was von oben kommt. Schließlich ist es bei Sturmfluten windig, knicken Bäume um oder brechen Äste ab.

Doch um Lautsprecherdurchsagen zu hören, muss man vor Ort sein, wenn die Durchsage kommt, man muss sie akustisch verstehen können, man muss sie begreifen. Bliebe noch das Internet.

Hochwasser Hamburg Infos im Internet: Ein Selbstversuch

Das Hochwasser im Ahrtal vergangenen Sommer sei auch eine Informationskatastrophe gewesen*, schreibt der Zeit-Autor. Könnte es in Hamburg ebenfalls im Fall der Fälle zu einer eben solchen kommen? Auf hamburg.de, dem offiziellen Webportal der Stadt Hamburg, sollte man schnelle, brauchbare Informationen zu Sturmfluten eigentlich finden können.

Ich gebe „Sturmflut“ in die Suchmaske ein, ohne den Zusatz „Hilfe“, ohne das Wörtchen „Schutz“ und bekomme 220 Treffer auf 11 Seiten angezeigt. Zuallererst jedoch einen Affiliate-Programm Link zu entsprechenden Medien unter anderem Amazon.

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Das erste richtige Suchergebnis nennt sich „Aufgaben und Organisation – Wer wirkt im Sturmflutschutz mit?“ ein vorangestelltes Diagramm zeigt neben „Deichwarte“ oder „Verbraucherschutz“ auch unverständliche Begriffe beziehungsweise Abkürzungen wie ZKD, HaSTA, WADI und ähnliches an. Wenn das Wasser steigt, wird dieses Diagramm und dieser Text mir wohl nicht helfen. Es folgt ein Inhalt zu „Maßnahmen der Behörden“, oder dem „Sturmflutschutz im Hamburger Hafen“, eine FAQ und die Unterseite „Schicksalstage - Die Sturmflut von 1962“, inklusive Chronologie, Zeitzeugenberichten und „Bilder der Katastrophe“.

Irgendwann dann der Punkt „Downloads“. „Der Katastrophenschutz hat ihnen hilfreiche und nützliche Informationen zum Download bereitgestellt“ heißt es da. Nach dem Klick blickt mich ein Wust von PDF-Dokumenten, Tabellen, Grafiken und sonstigem Material an, das ich, um es zu verstehen, erst einmal sichten müsste.

Hochwasserhilfe Hamburg im Internet: Der Senat hat versagt

Warum ist das so? Auf hamburg.de schreiben keine Journalisten, es gibt keine Qualitätsprüfung, es gibt noch nicht mal Jemanden, der oder die veraltete Infos löscht. Über 400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt, schreibt Die Zeit, könnten auf der offiziellen Internetseite Hamburgs schreiben, was sie für wichtig halten.

Doch politisch verantwortlich ist der Hamburger Senat. Und dieser sollte seine Sturmflut- und Hochwasserhilfen in der digitalen Welt dringend anpassen. Denn schnelle, für alle Bürger zugängliche und leicht verständliche Katastrophenhilfe ist das A und O, damit sich 1962 nicht wiederholen kann. *24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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