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Studieren ohne Abitur in Hamburg: Einige Unis nehmen niemanden auf – warum?

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Von: Robin Dittrich

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Studieren wird für Menschen ohne Abitur offenbar immer unattraktiver. Die Zahlen der Immatrikulationen des aktuellen Wintersemesters sprechen dafür.

Hamburg – Fast 120.000 Studierende gab es an Hochschulen in Hamburg im Wintersemester 2021/22. Über vier Prozent davon sollen ohne Fach- und Hochschulreife sein. Die Anzahl der neuen Erstsemester in dieser Sparte ist jedoch rückläufig. Einige Universitäten nahmen gar keine neuen Studierenden ohne Abitur auf.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Studierende:120.000
Studierende ohne Abitur:4980 (Stand: 2020)

Immer weniger Studierende ohne Abitur an Hamburger Universitäten

Wer an Hamburger Hochschulen studieren möchte, muss meist die allgemeine Hochschulreife besitzen. Für Personen ohne Abitur gibt es an den meisten Universitäten in Hamburg eine feste Quote. Um wirklich an der Hochschule studieren zu können, müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählen Aufnahmeprüfungen und das Zahlen einer dreistelligen Gebühr an die Hochschule. Wie die Linksfraktion mit einer Anfrage jetzt aufdeckte, geht die Anzahl der neuen Studierenden ohne Abitur immer weiter zurück. Laut studieren-ohne-abitur.de lag die Anzahl von Studienanfängern ohne Abitur im Jahr 2020 bei 856 Personen.

Studenten sitzen bei einer Vorlesung in einem Hörsaal
An Hamburgs Universitäten gibt es eine rückläufige Entwicklung von Studierenden ohne Abitur. ©  Julian Stratenschulte/dpa

Einige Hamburger Unis nahmen demnach gar keine neuen Studenten ohne Abitur auf. Aus der Sicht der Linksfraktion sind vor allem die hohen Kosten für eine Aufnahmeprüfung abschreckend: „Wenn ich sehe, dass gut ausgebildete Menschen 370 Euro für eine Vorabprüfung zahlen müssen, dann wundert es mich nicht, dass kaum eine Hochschule die Zielquoten für Studierende ohne Abitur erreicht.“ Diese Zielquote liegt an vielen großen Unis wie der Technischen Universität Hamburg (TUHH), der HAW und der Uni Hamburg bei drei Prozent aller Studierenden.

Eine Gebühr muss an jeder der genannten Hochschulen gezahlt werden. Die von Stephanie Rose, wissenschaftliche Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburger Bürgerschaft, genannten 370 Euro werden an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) fällig. Die Quote der neu eingeschriebenen Studierenden ohne Abitur sieht sich dort allerdings einer positiven Entwicklung gegenüber – es kamen 54 neue Studenten ohne Abitur an die Uni, 2021 waren es noch 28. Im Gegensatz zur HAW ist die Anzahl dieser Studierenden an den meisten Hamburger Unis rückläufig.

Studierende ohne Abitur in Hamburg rückläufig – verschiedene Erklärungen der Unis

Ihre eigentlich ausgeschriebene Quote von drei Prozent konnte keine der großen Hamburger Unis erfüllen. An der HAW wurden immerhin 54 der 92 angebotenen Studienplätze mit Studierenden ohne Abitur besetzt – es wurden alle Bewerber zugelassen. An der TUHH sieht das schon ganz anders aus. Nicht einen Bewerber, der kein Abitur vorweisen konnte, hatte die technische Hochschule im Wintersemester 2022. Auch in den vergangenen fünf Wintersemestern lag die TUHH mit null bis 3 neuen Erstsemestern im hamburgweiten Vergleich am unteren Ende.

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Die TUHH erklärt die geringe Anzahl der Studierenden ohne Abitur damit, dass „das Studium an der TU Hamburg generell durchaus herausfordernd“ ist. Insbesondere durch die vielen technisch-wissenschaftlichen Kurse werden viele Interessenten abgeschreckt, weil „dabei an das Wissen der allgemeinen Hochschulreife angeknüpft wird.“ Der Hochschule nach haben Studieninteressierte heutzutage eine bessere Selbsteinschätzung als früher und wägen die Voraussetzungen und die Herausforderung an das Studium besser ab. Viele entscheiden sich dadurch gegen ein technisch-wissenschaftliches Studium.

Anzahl an Studierenden ohne Abitur geht auch an der Universität Hamburg deutlich zurück

Im Wintersemester 2017/18 waren an der Universität Hamburg noch fast 2400 Personen ohne Abitur eingeschrieben, 2021/22 waren es weniger als 1300. Davon qualifizierten sich über 700 Personen durch ihre Fortbildungsabschlüsse wie Meisterprüfungen. Fast 500 studieren aufgrund der Eingangsprüfung an der Uni Hamburg. Für Stephanie Rose von der Linkspartei ist diese rückläufige Entwicklung nicht nachvollziehbar: „Trotz dieser Entwicklung will der Senat nicht tätig werden, weil es in anderen Bundesländern noch schlechter laufe.“

Im deutschlandweiten Vergleich liegt Hamburg tatsächlich stetig auf den vorderen Plätzen bei der Anzahl von Studierenden ohne Abitur, wie das Zentrum für Hochschulentwicklung in Untersuchungen bestätigte. 4,7 Prozent aller neuen Erstsemester kamen in Hamburg demnach ohne Abitur an die Hochschulen der Hansestadt. Grund für diese hohen Zahlen sind jedoch vermeintlich private Hochschulen, da die Hamburger Quote trotz Rückganges der Studierenden ohne Abitur an Universitäten, weiterhin stabil ist.

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Für die Uni Hamburg gibt es mehrere Erklärungen zum Rückgang der Studierenden ohne Abitur. Demnach kehren Studierende mit beruflicher Qualifikation oft in den Beruf zurück. „Aus Erfahrung kommen viele dieser Studierenden an die Unis, wenn sie mit ihrem Arbeitsleben unzufrieden sind. Ein Grund für die sinkende Zahl der Studierenden könnte somit die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes sein.“ Es ist eine etwas zu einfache Erklärung. Für die Linkspartei ist die nötige Handlung klar: „Es müssen gezielt Informationen verteilt werden, damit der Hochschulzugang eine echte Bildungschance wird.“

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