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Studie belegt: Immer mehr Menschen verlassen Hamburg – warum eigentlich?

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Von: Christian Einfeldt

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Laut einer aktuellen Studie verlassen mehr Menschen Hamburg, als dass sie in der Hansestadt sesshaft werden. Welche Gründe dahinter stecken können.

Hamburg – Erst vor wenigen Tagen wurde Hamburg von der britischen Wochenzeitung The Economist zu einer der lebenswertesten Städte der Welt gewählt. Trotz aktuell steigender Corona-Zahlen in Hamburg lässt sich die Faszination für die Hansestadt auch mit den jüngsten Erfolgen des Tourismus verknüpfen. „Es läuft bombastisch“, heißt es aus Hamburgs Tourismus-Kreisen – auch wenn die Frage offen bleibt, wie langfristig die Erfolge sind. Die Plätze vorm Hamburger Hafen, der Reeperbahn oder der Elbphilharmonie füllen sich jedenfalls wieder.

Hamburg freut sich über Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt. Zeitgleich bestätigt jedoch eine Studie, dass immer weniger Menschen in der Hansestadt sesshaft werden. Die Zahlen dokumentieren einen Negativtrend, wie es ihn in der Geschichte Hamburgs schon seit über 20 Jahren nicht mehr gegeben hat. Diese Gründe könnten dahinterstecken.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Hamburg: Größter Negativtrend seit 1998 – was steckt dahinter?

Gegenüber der „Welt“ sagte Vorstand der Hamburger Sparkasse (Haspa), Jürgen Marquardt, schon 2015, dass „die Wirtschaftsstärke der Stadt mit einem robusten Arbeitsmarkt sowie die vielfältigen Ausbildungsstätten“ vor allem junge Menschen nach Hamburg zieht. Gleichermaßen tun dies die hohe Lebensqualität, die man Hamburg mit all seinen Sehenswürdigkeiten und Erholungsgebieten attestiert. Vor rund sieben Jahren machte der jährliche Bevölkerungszuwachs rund 95.000 Menschen aus – das würde in etwa die Einwohnerzahl von Schwein, Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt, entsprechen.

2022 scheint Hamburg an Attraktivität eingebüßt zu haben. Nach Informationen der Hamburger Morgenpost sieht die aktuelle Situation so aus, dass mehr Menschen die Stadt verlassen, als dass sie nach Hamburg ziehen. Das belegen Berichte des Statistikamtes Nord. Hamburgs Nachbarländer Niedersachsen und vor allem Schleswig-Holstein gewinnen neue Einwohnerinnen und Einwohner dazu. Währenddessen muss Hamburg Medienberichten zufolge eine Negativ-Entwicklung hinnehmen, wie es sie zuletzt 1998 gegeben hat. Damals betrug die Einwohnerzahl 1,705 Millionen Menschen.

Hamburg mit Negativtrend: Schrumpfende Bevölkerung schon seit längerem Thema

„Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, müssen wir in der Politik viele Entscheidungen neu denken“, mahnte 2020 bereits Hamburgs CDU-Politiker Ralf Niedmers im Gespräch mit der „Bild“. Wie Focus Online berichtet, soll er sich mit seinen Aussagen auf das Stadtbild Hamburgs bezogen haben, das immer mehr auf Ausbau und Fortschritt ausgelegt war. Das Problem: Schon 2020 hätte sich ein rückwärtiger Trend bemerkbar gemacht, ging es um die Einwohneranzahl Hamburgs. Neue Zahlen fügen dem Diskurs 2022 eine weitere Antwort hinzu.

Blick auf die Hamburger Landungsbrücken.
Laut neuer Studie werden immer weniger Menschen in Hamburg sesshaft. (Symbolbild) © Marcus Brandt/dpa

Das seitens der britischen Zeitung Economist auf Platz 16 der lebenswertesten Städte Deutschlands gewählte Hamburg zog im Jahre 2021 nämlich nur 87.108 Menschen an. 87.178 Personen haben derweil die Stadt zwischen Elbe und Alster verlassen. Die Differenz, die hier 70 Menschen ergibt, mag zunächst nicht wirklich ins Gewicht fallen. Für eine Millionenstadt, die zuvor jedoch vor allem vom Zuwachs aus dem Umland profitiert hat, überraschen die aktuellen Statistiken dennoch. Analysen zeigen auf: Hamburg könnte nicht familiengerecht genug sein und die Großstadt könnte allmählich an Glanz verlieren.

Wohnen in Hamburg: Wohnungen sind selten bezahlbar – oder nicht familiengerecht

Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Statistischen Bundesamtes legten bereits im Jahre 2020 den Verdacht nahe, dass Hamburg viele Einwohnerinnen und Einwohner in Richtung Umland verliert. Vor allem Familien wollen die Großstadt verlassen. Nicht nur die Suche nach idyllischer Ruhe, sondern auch die stark gestiegenen Wohnkosten sind der Grund. Wohngegenden, die das Hamburger Wohnen günstig machen, gibt es zwar mitunter, doch ist die Hansestadt Hamburg dennoch für teuren Wohnraum bekannt.

Eine bedeutsame Rolle in diesem Zusammenhang spielen auch die Angaben des „Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2022“, das vom Spitzenverband des Zentralen Immobilien Ausschusses in Auftrag gegeben wurde. Demnach würde es in Hamburg viele kleine Wohnungen geben. Größeren Wohnraum gibt es hingegen nur selten. Ein weiterer Grund, warum Familien in den Speckgürtel ziehen.

Hamburg verzeichnet Bevölkerungsrückgang: Neue Hoffnung für Wohnungssuchende?

Laut Befragungen des Ifo-Insituts und Immowelt könnten weitere Ursachen hinter Hamburgs Bevölkerungsrückgang stecken. Sei es die Corona-Pandemie, die Menschen lieber aufs Land ziehen lässt oder dass Millionenstädte wie Hamburg nicht mehr eine Rolle als Sehnsuchtsort einnehmen wie früher. Beide Ansichten haben sich im Zuge der Umfrage, zitiert vom Hamburger Abendblatt im Jahre 2021, als mögliche Ursachen für die Stadtflucht herauskristallisiert.

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Die aktuelle Entwicklung kann jedoch auch einen positiven Effekt haben. Einen Effekt, der in der Studie des Statistikamtes Nord nicht auftaucht: Tausende Menschen wollen nach Hamburg ziehen, aber finden durch den Mangel an geeignetem Wohnraum kein neues Zuhause in der Hansestadt. Das würde nach Berichten der Hamburger Morgenpost aus dem Jahre 2020 vor allem 30- bis 50-Jährige betreffen. Vielleicht steigen ja jetzt deren Chancen auf eine Wohnung in Hamburg.

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