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Stress um Strom und Gas: Anbieter erhöhen die Preise enorm – wie man entkommt

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Strom- und Gasanbieter stecken derzeit in einer Finanzkrise. Durch erhöhte Strom- und Gaspreise werden Kosten an die Kunden weitergegeben. Das kann man dagegen tun.

Hamburg – Strom und Gas sind keine endlosen Energiequellen. Das weiß man heutzutage. Trotzdem ist es für den Verbraucher ein großes Ärgernis, wenn die Preise dafür so akut ansteigen, dass sie kaum noch zu bezahlen sind. Vor allem, wenn Strom- und Gas-Anbieter scheinbar nicht immer die seriösesten Wege wählen, um mit der Krise umzugehen. Auch in Hamburg fürchten viele Menschen gerade, dass ihnen sprichwörtlich der Saft abgedreht wird. Darum schnellen die Strom- und Gaspreise plötzlich in die Höhe und so betrifft es den einzelnen Hamburger Verbraucher.

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Sitz:München, Deutschland
Mitarbeiter:ca. 1.500 (konzernweit)

Strom- und Gaspreise steigen extrem: Darum werden Gas und Strom bei allen Anbietern teurer

Die Gaspreise explodieren und auch die Strompreise steigen mächtig in die Höhe. Der Grund: Laut Experten sind die Gasspeicher in Europa in diesem Jahr zu Beginn der Heizsaison nicht so voll wie üblich. Auch Strom ist ein knapperes Gut als sonst. Es gibt zum Beispiel ein Viertel weniger aus Windkraft gewonnenen Strom als noch im letzten Jahr.

Zwar erwarten Energieanalysten des Fondshauses DWS, dass sich das „Ungleichgewicht zwischen Gasnachfrage und -angebot im Laufe des kommenden Jahres abschwächen dürfte“. Noch allerdings ist es nicht so weit. Außerdem ist Verivox-Energieexperte Thorsten Storck sich sicher, dass die Strompreise in den kommenden Jahren weiterhin hoch bleiben werden, wie das Hamburger Abendblatt berichtet.

Grund dafür sind die erhöhten Beschaffungskosten für die Anbieter. Die Strompreise steigen nämlich nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für die Unternehmen. Ähnlich sieht es beim Erdgas aus. Die Großhandelspreise an der Börse haben sich im Laufe des letzten Jahres mehr als verfünffacht, für Strom etwa verdreifacht. Anbieter, die keine längerfristigen Deals über Beschaffungspreise haben, geraten daher in Not, weil sie nun viel teurer einkaufen müssen.

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Kündigungen: Strom- und Gasanbieter werfen Kunden bei Widerspruch gegen Gaspreise raus

Diese erhöhten Einkaufskosten für Strom und Gas wollen die Anbieter an ihre Kunden weitergeben. So einfach ist das allerdings nicht. Der Energieanbieter Immergrün, der in Hamburg viele Kunden hat*, versucht es derzeit trotzdem mit einem Schreiben an seine Kunden, in dem über eine Preiserhöhung von 29,14 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 53,2 Cent je kWh informiert wird. Das ist eine Erhöhung um mehr als 82 Prozent. In dem Schreiben wird auch auf die „eskalierte Entwicklung der Großhandelspreise“ hingewiesen.

Stecker,der in die Steckdose gesteckt wird, und eine verzweifelte Frau über Rechnungen im weißen Kreis.
Die erhöhten Strom- und Gaspreise könne für Kopfzerbrechen sorgen. Das können Sie als Verbraucher tun. (24hamburg.de-montage) © picture alliance/gms/Tagesspiegel/Kitty Kleist & picture alliance/dpa/Sina Schuldt

Das Hamburger Abendblatt sprach mit einem anonymen Verbraucher, der sich wegen einer solchen Erhöhung bei seinem Strom- oder Gasanbieter beschwerte. Er wies darauf hin, dass eine Erhöhung der monatlichen Abschlagszahlungen von 107 auf 157 Euro gegen die geltende Preisgarantie widerspreche. Als Antwort bekam er von seinem Energieanbieter eine Bestätigung über eine „Sonderkündigung des Energieliefervertrages zum frühestmöglichen Termin“.  „Das ist nicht nur dreist, das ist in meinen Augen höchst unseriös“, schimpft der Hamburger Kunde.

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Gaspreiserhöhung unzulässig? Risiko sollte bei Strom- und Gasanbietern liegen

Auch Jan Bornemann, der als Energierechtler im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg berät, hält eine solche Preiserhöhung für unzulässig und rät, direkt beim Anbieter Widerspruch einzulegen. Er erklärte: „Das war eben der Deal mit dem Kunden. Wenn der Einkaufspreis sehr stark steigt, gehört das zum unternehmerischen Risiko.“

Laut Matthias Moeschler, der auf dem Portal verbraucherhilfe-stromanbieter.de solche Themen bespricht, sind die Kündigungen aber ein Fehler im System: „Ich vermute, dass die zahlreichen Kundenanfragen die Prozesse durcheinandergebracht haben.“ Elf Versorger sollen inzwischen vorzeitige Kündigungen ausgesprochen: Immergrün, Wunderwerk, Elektrizitätswerke Düsseldorf, Strogon, Enstroga, Fuxx Sparenergie, Energie für uns, DeBe, Regionale Energiewerke (REW), Energieversorger Rheinland (EVR) und Envitra. Das Hamburger Energieunternehmen Smiling Green Energy und Otima Energie aus Brandenburg haben im Oktober bereits Insolvenz angemeldet.

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Gas und Strom sind teuer: Alle Anbieter erhöhen, Neukunden müssen Glück haben

Wer in eine solche Situation kommt, von seinem Gas- oder Stromanbieter eine Kündigung zu bekommen, muss aber nicht in Panik verfallen. Als Verbraucher wird man weiterhin mit Strom und Gas versorgt, fällt aber automatisch in die Grundversorgung des örtlichen Anbieters. In Hamburg ist das der E.on-Konzern und aktuell könnte das tatsächlich die günstigste Alternative sein. „Zunächst sollte man prüfen, ob das nicht im Moment der günstigste Tarif ist“, sagt Bornemann, der davon ausgeht, dass das zumindest auf die Gaspreise zutreffen wird. „Ich gehe aber davon aus, dass in den nächsten Wochen auch die Grundversorgungspreise deutlich anziehen.“

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Wer sich deshalb doch nach einem günstigeren Tarif, zum Beispiel auf Vergleichsportalen wie Check24 umschauen möchte, der kann das natürlich tun. Allerdings ist es gar nicht so leicht, einen neuen Tarif mit günstigeren Strom- und Gaspreisen zu bekommen. Laut dem Vergleichsportal Check24 haben seit August schon 77 Gasgrundversorger ihre Preise um durchschnittlich 13,6 Prozent erhöht. Laut Verivox sind die Haushaltsstromkosten seit dem letzten Jahr ebenfalls um 9,3 Prozent gestiegen.

Darüber hinaus nehmen viele Strom- und Gasanbieter wegen der Preiserhöhung der Großanbieter aktuell keine Neukunden auf. „Gerade pausieren einige Anbieter ihr Neukundengeschäft, um die Tarife neu zu kalkulieren“, sagt Check24-Sprecher Florian Stark. Wer aber trotz dem Glück hat und ein gutes Angebot findet, braucht keine Angst haben, in der Grundversorgung festzusitzen. Diese kann innerhalb von zwei Wochen gekündigt werden, bei Preiserhöhungen sogar noch schneller. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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