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Straßenbahn in Hamburg: Tschentscher spricht Machtwort – „altmodisch“

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Von: Jakob Koch

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Hat eine Straßenbahn in Hamburg eine Zukunft? U-Bahn und S-Bahn dominieren das Stadtbild. Für Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher ist die Sache klar.

Hamburg – Bis 1978 fuhr in Hamburg eine Straßenbahn, viele Bürger der Stadt wünschen sich ein Comeback. Doch für Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kommt eine Straßenbahn im HVV anstelle eines Ausbaus der U-Bahn nicht in Frage. Zum einen sei eine U-Bahn deutlich leistungsfähiger, zum anderen benötige man den oberirdischen Straßenraum für Autos, Fußgänger und Radfahrer, sagte der SPD-Politiker am Samstag bei der „langen Nacht der Zeit“. Das ist ein Machtwort des Hamburger Bürgermeisters – und er erstickt damit Pläne der Linken in Hamburg, die eine Straßenbahn (genannt „Stadtbahn“) ins Spiel gebracht haben. Dabei hat er klare Argumente gegen ein solches Vorhaben.

Straßenbahn in Hamburg:1866 bis 1978
U-Bahn seit:15. Februar 1912
S-Bahn seit:29. Januar 1908
Stadtbahn-Pläne:zuletzt 2008 (Planfeststellung)

Straßenbahn in Hamburg neu: Peter Tschentscher spricht Machtwort für HVV – „Straßenraum zu wertvoll“

Im Kampf gegen den Klimawandel spielt der öffentliche Nahverkehr in den Planungen des rot-grünen Hamburger Senats eine große Rolle. Dennoch: Eine Straßenbahn sei auch nur so lange populär und attraktiv, wie man sie nicht baue. „Sobald man anfängt, eine Strecke zu planen, gibt es überall Protest“, erinnerte Tschentscher an die gescheiterten Stadtbahnpläne des schwarz-grünen Senats. Damals war die Planung, eine Straßenbahn bis Mitte der 2020er fahren zu lassen. Gesamtkosten: 338 Millionen Euro. Es sollte alles neu werden mit einer Straßenbahn in Hamburg – doch 2011 beerdigte der damals frischgewählte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das Projekt wieder.

Straßenbahn Hamburg Plan: Bis 1978 in der Stadt unterwegs – durch Busse ersetzt

Die Straßenbahn Hamburg war von 1866 bis 1978 in der Stadt unterwegs. Zunächst als Pferdebahn der Pferde-Eisenbahn-Gesellschaft unterwegs, später als Dampfstraßenbahn. Ab 1894 startete der elektrische Betrieb. Ab 1958 begann der Senat jedoch, den Straßenbahnbetrieb schrittweise einzustellen. Man ersetzte die Straßenbahn in Hamburg durch Busse.

Der neue Plan für eine Straßenbahn in Hamburg scheint jedoch nicht von Erfolg gekrönt: „Der Straßenraum ist zu wertvoll, als dass wir ihn für solche (...) nicht leistungsfähigen und altmodischen Verkehrssysteme in Anspruch nehmen“, sagte der Bürgermeister nun. Ein zuletzt von der Linken-Bürgerschaftsfraktion vorgelegtes Gutachten zu den Möglichkeiten einer Stadtbahn wies er zurück – die Linke will eine Straßenbahn statt neuer U-Bahn.

In eine schon bestehende enge Stadt lässt sich ein solches Straßenbahnnetz nicht ohne massiven Protest und unter erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Raum bauen.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)

Tschentscher ist sich sicher: Sowas funktioniere nur theoretisch, aber niemals praktisch. „In eine schon bestehende enge Stadt lässt sich ein solches Straßenbahnnetz nicht ohne massiven Protest und unter erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Raum bauen.“

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher undd eine Montage der Stadtbahn
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sieht eine Stadtbahn in Hamburg eher kritisch. (24hamburg.de-Montage) © Hamburger Hochbahn/Malte Christians / dpa

Straßenbahn in Hamburg: Pläne stattdessen für „Revolution“ im Netz der S-Bahn

Statt der Straßenbahn in Hamburg arbeitet Politik und S-Bahn Hamburg an einer „Revolution“: Die von vielen Störungen geplagte S-Bahn Hamburg soll durch eine Umstrukturierung des Liniennetzes von Dezember 2023 an deutlich pünktlicher werden und auch mehr Passagiere transportieren können. „Wir wollen dieses historisch gewachsene Netz einfacher machen für mehr Leistung, für mehr Pünktlichkeit, für weniger Ausfälle. (...) Es ist ein bisschen so, wir erfinden das S-Bahn-Fahren in Hamburg neu“, sagte kürzlich Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne).

Zunächst erfolge zum Fahrplanwechsel 2023/24 die Umstellung auf vier Linien: S1, S2, S3 und S5. Die Linien S1 und S3 verkehrten dann durch den Citytunnel, die Linien S2 und S5 würden über die Verbindungsbahn geführt. In einem weiteren Schritt sollen dann bis 2030 die Linien S4 und S6 eingeführt und die S5 bis Kaltenkirchen erweitert werden. Weiterlesen: S-Bahn-Netz in Hamburg bekommt „größte Überarbeitung seit Jahrzehnten“.

Straßenbahn in Hamburg: U-Bahn-Linie U5 wird größtes Bauprojekt der nächsten Jahre

Größtes Bauprojekt der nächsten Jahre ist die neue U-Bahn-Linie U5. Sie ist für den Senat ein zentrales Projekt, um Mobilität und Klimaschutz in der Hansestadt zu verbessern. Die U5 soll auf rund 24 Kilometern Strecke von Bramfeld über die City Nord zum Hauptbahnhof führen und von dort durch die Innenstadt über Universität und Uniklinik bis zu den Arenen und zum Volkspark in Stellingen. Die Hamburger Hochbahn spricht von einem „Jahrhundertprojekt“. Wann die Linie fertig sein soll, ist noch offen. (mit DPA)

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