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„Schlagloch-Strecken“: Jede sechste Hamburger Straße in schlechtem Zustand

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Von: Daniel Hagen

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Der Straßenzustandsbericht 2020 ist veröffentlicht worden. Insgesamt erhalten die Hamburger Straßen eine „gute“ Bewertung – es gibt aber noch viel zu tun!

Hamburg – Alle zwei Jahre veröffentlicht die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende einen Straßenzustandsbericht für die Stadt Hamburg. Dieser soll nicht nur den aktuellen Zustand der Fahrwege zeigen, sondern auch über die geplanten und durchgeführten Maßnahmen berichten. Am Dienstag (15. November) hat Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, den Bericht für 2020 vorgestellt – mit Rekordwerten.

Name:Freie und Hansestadt Hamburg
Fläche:755,09 km²
Bevölkerung:rund 1,9 Millionen (Stand Dezember 2020)
Stadtoberhaupt:Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)

Straßenzustandsbericht 2020 veröffentlicht: Über 2.100 Kilometer Hamburger Fahrbahn bewertet

„Wir sanieren Hamburgs Straßen aktuell auf einem Rekordniveau. Das ist wichtig, für den Erhalt unserer Straßeninfrastruktur und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Unser Ziel ist es, Hamburgs Infrastruktur in einen guten Zustand zu bringen und zu erhalten“, erklärt Anjes Tjarkes.

Für den neuen Straßenzustandsbericht sind im Zeitraum von April 2020 bis April 2021 rund 2.167 Kilometer Straßennetz in Hamburg befahren und bewertet worden. Alles zusammen ergibt eine Gesamtnote von 2,45 – der zweitbeste Wert seit dem Bericht 2010! Für die Erhebung ist zudem zwischen Hauptverkehrsstraßen (HVS) und Bezirksstraßen mit gesamtstädtischer Bedeutung (BSGB) unterschieden worden.

Über 16 Prozent der Hamburger Straßen sind „mangelhaft – Wert leicht schlechter als 2018

Wie aus dem Straßenzustandsbericht 2020 hervorgeht, haben die HVS in Hamburg zu 42,7 Prozent einen „sehr guten“ Wert erreicht, während 16,2 Prozent als „mangelhaft“ eingestuft werden. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2018 (15,6 Prozent), wohingegen die sehr guten Straßen leicht gefallen sind (45,1 Prozent).

Bei den BSGB zeigt sich ein anderes Bild. Bei der Bewertung 2020 haben 36,6 Prozent der Straßen das Prädikat „sehr gut“ erhalten. „Mangelhaft“ werden hingegen 23,9 Prozent des Straßennetzes eingestuft. Im Jahr 2018 sind beide Werte noch schlechter. Ein Zeichen dafür, dass es hier aufwärts geht.

Ist es schwer, in Hamburg zu fahren?

Aufgrund der dichten Besiedlung gibt es in Hamburg keine Umgehungsstraßen. Vor allem morgens und nachmittags wird der Verkehr zu den Stoßzeiten sehr dicht. Auch an den Wochenenden staut es sich rund um die Innenstadt. Glücklicherweise verfügt die Hansestadt über ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz.

Stadt Hamburg saniert Straßen auf „Rekordniveau“

In der Zukunft könnte der Zustand sogar besser werden. Denn wie die Stadt Hamburg erklärt, sind im Zeitraum 2020 und 2021 – also während der Erhebung – rund 197 beziehungsweise 196 Kilometer Fahrstrecke in der Hansestadt saniert worden. Bis 2022 sollen insgesamt 570 Kilometer saniert werden – was sogar mehr wäre, als im Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode beschlossen.

„Der Straßenzustand konnte 2020 im Vergleich zum Jahr 2018 auf einem guten Niveau gehalten werden – und wir haben auch in der Folgezeit auf Rekordniveau saniert. Gleichzeitig zeigt der Straßenzustandsbericht: Wir benötigen eine solch hohe Sanierungsleistung, um unsere Infrastruktur zu erhalten“, mahnt Verkehrs-Senator Anjes Tjarkes.

Jede sechste Hamburger Straße in schlechtem Zustand. (Symbolfoto)
Jede sechste Hamburger Straße in schlechtem Zustand. (Symbolfoto) © IMAGO/Hanno Bode

Nach Hamburger Straßenzustandsbericht 2020: Harte Kritik aus der Opposition

Die geplanten Baumaßnahmen sorgen aber auch für Kritik aus der Opposition. „Straßensanierungen des rot-grünen Senats führen viel zu häufig zu Spurenreduzierung, provozieren dadurch Staus und schädigen Hamburgs Wirtschaft“, sagt zum Beispiel Richard Seelmaecker von der CDU-Fraktion laut dem Hamburger Abendblatt. Tatsächlich ist Hamburg nach einer Analyse des Navigationsherstellers TomTom erneut Stau-Meister in Deutschland.

Kritik hagelt es auch von der FDP: „Die Qualität jeder sechsten Straße in Hamburg ist mangelhaft, die jeder dritten bestenfalls ausreichend. Der Zustand hat sich erstmalig seit sechs Jahren verschlechtert. Die Verkehrspolitik des rot-grünen Senats ist damit versetzungsgefährdet. Senator Anjes Tjarks lässt viele Hamburger Straßen zu Schlagloch-Strecken werden“, meint die stv. FDP-Landesvorsitzende Sonja Jacobsen.

Verkehrs-Senator verteidigt Bauarbeiten auf Hamburger Straßen

Dass Baustellen eine Beeinträchtigung für die Hamburger Bürger darstellen, ist auch Verkehrs-Senator Anjes Tjarkes bewusst. Doch sind diese ein notwendiges Übel: „Klar ist aber auch: Eine Reduktion der Baustellen würde immer auch einen Verlust in der Qualität der Infrastruktur und konkret des Straßenbelags bedeuten und damit einhergehend eine Verminderung der Verkehrssicherheit.“ Auch auf der Reeperbahn gibt es aktuell eine Baustelle, sodass die Straße nur noch einspurig ist.

Für den nächsten Straßenzustandsbericht kann sogar eine noch genauere Einstufung der Fahrstrecken erwartet werden. Möglich ist das dank der Weiterentwicklung der Technik. Dadurch soll noch genauer zwischen verschiedenen Sanierungsmethoden unterschieden werden, die derzeit noch alle gleich bewertet werden. (dh)

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