„Kein Lakritzbonbon“

Stiko-Chef verteidigt langsames Vorgehen: Kinderimpfung kein Lakritzbonbon!

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Soll ich mein Kind gegen Corona impfen? Die Stiko zögert noch mit einer allgemeinen Empfehlung. Schließlich handele es sich um einen medizinischen Eingriff.

Hamburg – Die Corona-Zahlen in der Hansestadt Hamburg* sinken. Mittlerweile gehen alle Hamburger* Kinder und Jugendlichen wieder in die Schule*. Wenn es nach der Bundesregierung geht, sollen trotzdem alle Kinder, die wollen, noch vor Beginn des nächsten Schuljahres geimpft werden*. Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht allerdings noch aus. Die Uneinigkeit zwischen Politik, Ärzten und Experten verwirrt vor allem Eltern, die nicht wissen, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen. Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko, rechtfertigte das langsame Vorgehen nun im NDR Info Podcast Coronavirus-Update.

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019
Vorkommen:Weltweit

Stiko-Chef hält langsames Vorgehen für richtig: „Kinderimpfung kein Lakritzbonbon“

Anfang der kommenden Woche wolle sich die Stiko zu den Kinderimpfungen gegen Corona* äußern, kündigte Thomas Mertens im Gespräch im NDR* Info Podcast an. „Es geht immer nur darum, alle verfügbaren Daten zu prüfen und darauf Schlüsse für Empfehlungen zu ziehen“, sagte Mertens zur Vorgehensweise der Stiko. Derzeit sei die Datenlage zum Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Kinderimpfung noch sehr gering, betonte er.

Kinderimpfung ist kein Lakritzbonbon: Stiko-Chef Thomas Mertens verteidigt langsames Vorgehen bei Impf-Empfehlung. (24hamburg.de-Montage)

Vor einer entsprechenden Empfehlung müsse deutlich werden, welchen Vorteil Kinder von einer Empfehlung der Impfung hätten. Schließlich „bietet man ja kein Lakritzbonbon an, sondern es ist ein medizinischer Eingriff und der muss entsprechend indiziert sein“, machte Mertens deutlich. Die Europäische Arzneimittelbehörde hatte den Impfstoff von Hersteller Biontech/Pfizer kürzlich für Kinder ab zwölf Jahren als sicher eingestuft. Am Montag, 31. Mai 2021, wurde das Vakzin dann offiziell von der EU-Kommission ab zwölf Jahren zugelassen.

Stiko will Impfung für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen empfehlen

Anstatt einer generellen Empfehlung für Kinder ab zwölf Jahren, werde die Stiko den Corona-Impfstoff eher nur für Kinder ab zwölf mit bestimmten Vorerkrankungen empfehlen, sagte Mertens. „Daran kann kein vernünftiger Zweifel bestehen“, erklärte er. Für eine generelle Kinderimpfung gebe es hingegen zu wenig Daten, die beweisen würden, „dass in dieser Altersgruppe das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, über das einer Influenza-Erkrankung hinausgeht“, meint der Stiko-Chef.

Ebenfalls gebe es derzeit noch keine Hinweise auf mögliche Spätfolgen einer Corona-Impfung bei Kindern. Das Ausmaß der Impf-Nebenwirkungen sei noch nicht bekannt. Die Daten aus der Studie von Hersteller Biontech seien laut Mertens nicht ausreichend, da nur „eine kleine Zahl von Kindern“ über eine „sehr kurze Zeit“ beobachtet wurden, so der Chef der Stiko. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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