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„Sterben auf Raten“: Gastronomie geht wegen 2G-Plus auf Hamburgs Senat los

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Von: Kevin Goonewardena

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2G-Plus gilt ab Montag in weiten Bereichen Hamburgs. Vor allem der Gastronomie macht die erneute Regeländerung zu schaffen. Manche plädieren für einen Lockdown.

Hamburg – Als am Dienstag, 4. Januar 2022, verkündet wurde, dass der Hamburger Senat die 2G-Regel weitestgehend in 2G-Plus umwandeln wird, schockte die Ankündigung eine Branche ganz besonders: Die Gastronomie in Hamburg. Denn: Nun ist der Restaurantbesuch nur noch für Geimpfte und Genesene möglich, die einen zusätzlichen tagesaktuellen Negativtest vorweisen können.

Gäste, denen dass zu viel Aufwand ist, die keinen Termin bei einem Testcenter ergattern konnten oder aus beispielsweise beruflichen Gründen es nicht mehr innerhalb der Öffnungszeiten geschafft haben, einen Coronas-Schnelltest zu machen, müssen nun fernbleiben. Erschwerend hinzu kommt: Die Sperrstunde ab 23:00 Uhr gilt weiterhin. Nun laufen die Gastronomen gegen die Entscheidung des Hamburger Senat, auf 2G-Plus umzustellen, Sturm!

Anzahl steuerpflichtiger gastronomischer Betriebe in Hamburg:4.517 (Stand 2019)
Dazu zählen (unter anderem):Restaurants, Gaststätten, Imbisstuben, Cafes, Getränkeausschank
Anzahl steuerpflichtiger gastronomischer Betriebe 2018:4.453
Anzahl steuerpflichtiger gastronomischer Betreibe 2017:4.395

2G-Plus in der Gastronomie: Gastronomen wollen lieber Lockdown als „Sterben auf Raten“

Viele Gastronomen würden einen erneuten Lockdown der künftigen Situation mit der 2G-PlusRegel in Hamburg vorziehen. Tenor: Da weiß man wenigstens woran, man sei. Carlos Sequeira betreibt unter anderem das „Bairro Alto“ auf dem Schulterblatt. Gegenüber der Mopo sagte er zur Einführung der 2G-Plus-Regelung: „Das Ganze ist ein Sterben auf Raten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Gastronomen das Handtuch werfen und die Mitarbeiter neue Branchen suchen. Mir wäre ein kompletter Lockdown jetzt lieber.“

Auch die Betreiber des „Oriental Streetfood“ Restaurants „Diggi Smalls“ im Grindel äußerten sich ähnlich zur 2G-Plus-Regel, die auf sie zukommen wird. „Wir sind eher für einen Lockdown, als für die neuen Regelungen. Alles wird nur umständlicher und auch den Gästen bringt das Essengehen keinen Spaß mehr“, sagten sie gegenüber der Mopo – laufend würden die Regeln angepasst und müsse man sich auf diese neu einstellen.

Eine Tür mit einer 2G Plus Aufschrift und eine wütender Mann
Corona: Hamburgs Gastronomen sind wütend wegen der 2G Plus-Regelung. (24hamburg.de-Montage) © Daniel Karmann/dpa/imago

Frustriert äußerten sich auch Timo Bartels und Malte Leider, die, die zwei Läden der „Teigfabrik“ in Ottensen und Winterhude, betreiben. „Als es den Übergang von 3G zu 2G gab sind schon viele Reservierungen weggebrochen. Jetzt gibt es schon wieder kurzfristig neue Regelungen“, sagt Bartels der Mopo mit Blick auf die 2G-Plus-Regel, die ab Montag, 10. Januar 2022 gelten soll.

Tim Mälzer schließt Restaurant wegen 2G Plus

Starkoch Tim Mälzer hat hingegen hinsichtlich der kommenden 2G Plus-Regel Konsequenzen gezogen: Der Gastronom schließt sein Restaurant Die Bullerei im Schanzenviertel für die kommenden Wochen.

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2G-Plus in Hamburg: Verband Dehoga bezieht klar Stellung – Gastronomie sollte frei entscheiden können

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht zwar die Gesamtsituation anders als die genannten Gastronomen. Doch der Verband betont auch, dass es Rechts- und Planungssicherheit geben müsse. Hamburgs Dehoga-Vizepräsident Niklaus Kaiser sagte gegenüber der Mopo, dass es grundsätzlich für Gastronomen besser sei, die Wahl zu haben, als in einen Lockdown zu gehen. Er betonte das es wichtig sei, „dass die Läden eine Rechtssicherheit haben“ und vor allem „dass sie Hilfe bekommen, egal wofür sie sich entscheiden.“

Grundsätzlich ist es für die Gastronomie besser, die Wahl zu haben, als ein genereller Lockdown

 Niklaus Kaiser , Vizepräsident Dehoga Hamburg 

2G-Plus in Hamburg: Bars und Kneipen besonders hart getroffen

Ganz besonders hart trifft die Verordnung mit den dann geltenden 2G-Plus-Regeln die Bars und Kneipen der Stadt. Denn deren Geschäft läuft meist erst gegen Abend richtig an und wird durch die um 23:00 Uhr einsetzende Sperrstunde schon wieder beendet, bevor es richtig Fahrt aufnehmen konnte. Stephan Fehrenbach, der die „Laundrette“ in Ottensen betreibt, berichtet von einem Besucherrückgang an den Wochenenden von 50 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie.

Warum muss denn jemand, der getestet ist, um 23 Uhr nach Hause gehen? 

Stephan Fehrenbach, Bar „Laundrette“

„Mit 2G-Plus werden es noch weniger. Aber wenn ich den Laden selbst schließe, habe ich gar keine Chance mehr auf irgendwelche Corona-Hilfen“, so Fehrenbach gegenüber der Mopo. Das Problem: Wer nicht arbeitet, kann auch keine Umsatzverluste erleiden, die dann durch Hilfen aufgefangen werden können. Doch wer als Restaurant-, Bar- oder Kneipenbetreiber sein Lokal geöffnet lässt, schreibt rote Zahlen, die auch durch die Hilfen nicht ausgeglichen werden können und muss am Ende womöglich doch schließen. für immer.

Ich habe meinen Laden eigentlich nur noch auf, damit ich meine Mini-Jobber nicht wieder entlassen muss.

Maik Henning, Betreiber des „Gun Club“ und Mitglied im Vorstand des „Bar Kombinat“

2G-Plus in Hamburg: „Alle geöffneten Bars werden rote Zahlen schreiben“

„Alle geöffneten Bars werden rote Zahlen schreiben“ ist sich Maik Henning, Vorstand vom Barkombinat und Betreiber der Bar „Gun Club“ auf St. Pauli, sicher. Der Zusammenschluss Hamburger Barbetreiber spricht sich unter den gegebenen Umständen ebenfalls für einen Lockdown aus. Schon im Dezembe 2022, vor der Einführung der 2G-Plus-Regelung sei ein sich wirtschaftlich rechnender Betrieb kaum möglich gewesen. Gegenüber des Vorkrisenjahrs 2019 sei der Umsatz der Gastronomie bundesweit um die Hälfte eingebrochen, wie der DEHOPGA-Präsident Guido Zöllick am vergangenen Donnerstag miktteilte. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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